Unternehmensnachfolge (5): Interview mit Uwe Siepmann {ARCHIV}

28. Oktober 2024

Bild: Stadt Mülheim an der Ruhr


Aus den bisherigen Interviews wissen wir bereits, dass das Finden einer Nachfolge eine große Hürde darstellt. Sicherlich benötigt man eine Portion Glück, allerdings kann die Chance durch die abgebende Seite wesentlich beeinflusst werden. Eine ganze Menge richtig gemacht hat Uwe Siepmann von der Siepmann Holzbau GmbH. Den Betrieb bis zum letzten Tag attraktiv halten, immer am Puls der Zeit bleiben, keinen Investitionsstau aufbauen und ein attraktiver Arbeitgeber sein, sind wesentliche Punkte, die ein Unternehmen nicht nur sympathisch, sondern auch interessant für eine Übernahme machen. Lesen Sie im Folgenden das gesamte Interview:

Wifö Mülheim: Herr Siepmann, wie haben Sie den passenden Nachfolger für Ihr Unternehmen gefunden und welche Kriterien waren für Sie entscheidend?

Uwe Siepmann: Ich habe im Kreis meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter früh kommuniziert, dass ich beabsichtige, in absehbarer Zeit die Verantwortung für den Betrieb abzugeben und auf der Suche nach einer Nachfolge sei. Daraufhin sind überraschend zwei meiner Mitarbeiter auf mich zugekommen und haben ihr Interesse an der Firma bekundet. Der eine bereits Meister, der zweite seinerzeit gerade auf dem Weg dorthin. Beide halte ich für gut geeignet, den Betrieb weiterzuführen, auch weil sie sich gegenseitig sehr gut ergänzen. Sie kennen und schätzen die Firma und stehen voll und ganz hinter unserer Marke Fair Trade Haus. Das war vor ungefähr drei Jahren. Seitdem läuft im Grunde der Qualifizierungs- und Übernahmeprozess.

Wifö Mülheim: Welche Herausforderungen bringt die Abgabe eines Unternehmens mit sich und wie sind Sie damit umgegangen?

Uwe Siepmann: Schon gewisse Zeit bevor ich den Entschluss gefasst habe, mein Unternehmen abzugeben, habe ich angefangen, Strukturen dahingehend zu schaffen, dass ich viele Tätigkeiten an meine Mitarbeiter abgegeben habe, um die ich mich dann am Ende nicht mehr kümmern musste. Das hatte zwei Vorteile. Ich lerne eben loszulassen, und die Mitarbeiter lernen, Verantwortung zu übernehmen. Was ich sehr wichtig finde. Jeder Unternehmer sollte auch mal darüber nachdenken, nicht in, sondern an seinem Unternehmen zu arbeiten.

Bei der Preisfindung spielten auch folgende Aspekte eine Rolle: Zum einen ist mir wichtig, dass die Firma, die ich von Null an aufgebaut habe, in meinem Sinne weitergeführt wird. Daher sollte der Kaufpreis für meine Nachfolger auch wirtschaftlich darstellbar sein. Gleichzeitig ist der Verkaufserlös ein wesentlicher Bestandteil meiner Altersversorgung. Und natürlich: was ist die Firma tatsächlich wert? Ja, und diese Dinge haben wir dann übereinandergelegt.

Die Mitarbeiter haben wir recht früh über die anstehende Veränderung informiert. Natürlich gab es da gewisse Befürchtungen. Klar, der Alte geht, zwei neue Junge kommen. Diese Vorbehalte konnten wir ausräumen, indem wir ein Modell gewählt haben, bei dem ich nach Übergabe des Betriebs noch für eine gewisse Zeit – sagen wir ein bis drei Jahre – beratend meinen Nachfolgern zur Verfügung stehe. Sie können damit von meiner über 30-jährigen Erfahrung profitieren. Der Rest der Belegschaft ist damit sehr zufrieden.

Wifö Mülheim: Welche Fehler sollte man vermeiden bei der Abgabe eines Unternehmens?

Uwe Siepmann: Die Frage kann ich so einfach nicht beantworten. Ja, ich denke schon, dass man zeitig über eine Nachfolgeregelung nachdenken sollte, weil es nicht einfach ist, eine passende Nachfolge zu finden. Ich habe sehr viel Glück gehabt, dass sich aus den eigenen Reihen zwei geeignete Mitarbeiter gemeldet haben, die die Firma weiterführen wollen. Sie kennen den Betrieb und wissen daher, dass er in exzellentem Zustand ist. Es gibt bis zu letzten Minute keinerlei Investitionsstau. Das halte ich für besonders wichtig, da die Effizienz am Ende abnimmt, was sich auf Attraktivität, sprich Kaufpreis, ausschlägt. Außerdem arbeite ich unverändert engagiert weiter, weil ich eine profitable Firma übergeben will.

Wifö Mülheim: Welche Emotionen und persönlichen Herausforderungen erleben Sie während des Übergabeprozesses und wie gehen Sie damit um?

Uwe Siepmann: Die emotionale Seite sollte man auf keinen Fall unterschätzen. Das ist aber auch sehr individuell. In meinem Fall habe ich vor 30 Jahren meine Firma als „one man show“ mit einem Mitarbeiter gegründet. Mittlerweile sind wir gut 20 Mitarbeitende. Das heißt, das Unternehmen ist mein Lebensinhalt gewesen und ist es immer noch. Und da wird natürlich ein gewaltiger Cut stattfinden.

Ich frage mich natürlich, was danach kommt. Ein Großteil meiner sozialen Kontakte spielt sich in und um meine Firma herum ab. Wie wird das sein, wenn ich raus bin? Ich weiß es nicht. Da ich auch noch beratend meinen Nachfolgern einige Zeit zur Verfügung stehe, ist es, wie ich sage, kein kalter Entzug. So kann ich mich langsam auch ausschleichen aus der ganzen Geschichte.

Allerdings habe ich mir keine sogenannten „Wenn dann’s“ gesetzt. Soll heißen, wenn ich aus dem Unternehmen bin, dann mache ich dies, das oder jenes. Ich lasse viele Sachen einfach auf mich zukommen und werde sehen, was sich ergibt.

Wifö Mülheim: Welche externen Berater und Unterstützer haben Sie bei der Nachfolgeplanung unterstützt bzw. welche empfehlen Sie in Anspruch zu nehmen?

Uwe Siepmann: Ich bin nunmehr seit ca. 12 Jahren Mitglied der 81fünf AG. Das ist ein Netzwerk aus ökologischen Holzhausbauern und Beratern, die die Unternehmen in vielerlei Hinsicht beraten, unter anderem auch bezüglich des Themas Nachfolge. In diesem Rahmen haben Gespräche stattgefunden. Im Rahmen der Nachfolgeberatung haben wir natürlich zu dritt über das Thema gesprochen. Die Berater haben auch mit jedem Einzelnen und mit meinen Nachfolgern zusammen Gespräche geführt, um herauszufinden, ob sie überhaupt geeignet sind, ein Unternehmen zu führen, und ob sie wissen, was sie da tun. Das hat uns sehr gut geholfen. Auf der wirtschaftlichen Seite hatten wir eine gute Beratung durch unseren Steuerberater, der auch eine Unternehmensberatung anbietet, sowie durch die Unternehmensberatung der Handwerkskammer zu Düsseldorf. Besten Dank an Hubert Kersting, der inzwischen, glaube ich, im wohlverdienten Ruhestand ist.

Wifö Mülheim Was würden Sie anderen Unternehmerinnen und Unternehmern in Bezug auf die eigene Unternehmensnachfolge raten?

Uwe Siepmann: Wenn ich von Unternehmensnachfolge rede, rede ich immer von kleinen Handwerksunternehmen. Ich denke, dass Handwerker immer noch ein bisschen anders ticken als vielleicht reine Kaufleute etc. Ich kann der Spezies Handwerker nur wärmstens empfehlen, rechtzeitig Strukturen in ihrem Unternehmen zu schaffen, die dem jeweiligen Inhaber den Rücken freihalten wird und Mitarbeiter darin zu fördern, Verantwortung zu übernehmen und eigenständig im Unternehmen Aufgaben zu erfüllen. Nur so kann ein Unternehmer die Zeit finden, wirklich loszulassen um am langen Ende mit ruhigen Gewissen sagen zu können: In Ordnung, mein Unternehmen funktioniert auch ohne mich. Das ist, finde ich, ein sehr guter Ansatz.

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