„Wir fühlen uns natürlich wertgeschätzt!“ {ARCHIV}
14. Dezember 2023
Bild: Stadt Mülheim an der Ruhr
Die Wirtschaftsförderung sprach mit Uwe Siepmann, der Anfang November den Mülheimer Wirtschaftspreis gewonnen hat.
Paul-Richard Gromnitza: „Herr Siepmann, wie fühlt man sich als erster Preisträger des Mülheimer Wirtschaftspreises?“
Uwe Siepmann: „In dem Moment fühlte mich sehr geehrt, aber sonst hat sich mein Leben nicht signifikant geändert (lacht). Aber ich finde die Idee, sich um Mülheimer Unternehmen verstärkt zu kümmern, sich mit diesen aktiv auseinander zu setzen und die Arbeit von besonderen Unternehmen zudem zu honorieren, interessant! Was Siepmann Holzbau angeht, so fühlen wir uns natürlich wertgeschätzt, auch wenn ich von meinem Naturell her zunächst eher reserviert war. Aber es geht bei diesem Preis für mich nicht so sehr um mein Unternehmen oder meine Person, sondern um meine Stadt, eine grüne Stadt. Dass der Preis dieses Jahr für Ökologie und Nachhaltigkeit warb, finde ich besonders gut, denn gerade beim Wohnen wird für mich noch immer zu sehr und zu oft auf Standardlösungen gesetzt, die unserem Stadtklima nicht nützen, sondern eher schaden.“
Paul-Richard Gromnitza: „Es gab nicht nur eine Urkunde und ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro, sondern die WDL-Gruppe, die die Preisverleihung mit der Stadt Mülheim veranstaltet hatte, hat sich noch etwas einfallen lassen.“
Uwe Siepmann: „Sie meinen das XL-Billboard an der Zepplinstraße mit meinem Konterfei, an dem ich fast täglich vorbeikomme? Das ist natürlich gutes Marketing für die WDL und für uns! Bekannte und Freunde sprechen mich drauf an, aber das führt natürlich nicht dazu, dass jetzt die Telefone nicht mehr aufhören zu klingeln.“
Paul-Richard Gromnitza: „Mit dem Geldpreis hatten Sie doch etwas Besonderes vor?“
Uwe Siepmann: „Wie am Galaabend angekündigt, habe ich 3.000 Euro an das Friedensdorf in Oberhausen überwiesen und 2.000 Euro finanzieren unsere diesjährige Weihnachtsfeier, die wir erstmals nicht in unserer Halle veranstalten, sondern auswärts begehen werden.“
Paul-Richard Gromnitza: „In knapp zwei Wochen ist Jahr um. Wie war es für Sie, Herr Siepmann?“
Uwe Siepmann: „Für die Firma war das Jahr gut, und für mich persönlich auch! Ich bin mit der Entwicklung meines Unternehmens sehr zufrieden. Seit gut einem Jahr befinden wir uns in dem Prozess der Unternehmensnachfolge, die bis Anfang 2025 abgeschlossen sein wird. Wir haben dieses Jahr einige strukturelle Veränderungen mit meinen Nachfolgern umgesetzt, die sehr gut laufen. Zudem ist die Nachfrage nach ökologischen Holzhäusern sehr gut und das auch auf kommunaler Ebene, wir bauen gerade z. B. für den SWB an der Gustavstraße in Dümpten eine Rettungswache. Und das macht richtig viel Spaß!“
Paul-Richard Gromnitza: „Gibt es vielleicht dennoch etwas, das Ihnen Sorge bereitet?“
Uwe Siepmann: „Ja, der zu beobachtende Rechtsruck! Das sind leider Gottes nicht nur vermeintliche Wutbürger, sondern diese Tendenz ist auch in der Mitte Gesellschaft angekommen. Dass unsere Gesellschaft immer tiefer gespalten wird, davor habe ich Angst! Ich kann die Ängste dieser Menschen zwar verstehen, aber die Rechtspopulisten haben dafür überhaupt keine Lösungen.“
Paul-Richard Gromnitza: „Herr Siepmann, vielen Dank für das Gespräch!“