Unternehmensnachfolge (3): Interview mit Mike Pichottka {ARCHIV}

8. Oktober 2024

Bild: NRW.BANK


Wir setzen heute unsere Reihe zur Unternehmensnachfolge mit einem Interview mit Mike Pichottka, Förderberater bei der NRW.Bank, fort.

Wifö MH: Herr Pichottka, welche Rolle spielt eine Förderbank bei der Unterstützung von Unternehmensnachfolgen?

Mike Pichottka: Als Förderbank nimmt die NRW.BANK eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung von Unternehmensnachfolgen ein, da sie verschiedene Finanzierungs- und Beratungsmöglichkeiten für potenzielle Nachfolger anbietet. Durch die Bereitstellung von speziellen Krediten, Zuschüssen oder Bürgschaften kann die NRW.BANK dazu beitragen, die finanziellen Hürden zu überwinden, die oft mit der Übernahme eines Unternehmens verbunden sind. Darüber hinaus bietet die NRW.BANK auch Beratungs- und Unterstützungsprogramme an, die angehenden Unternehmensnachfolgern helfen können, sich auf die Übernahme vorzubereiten. Dies kann die Entwicklung eines Businessplans, die Bewertung des Unternehmens, die Planung der Finanzierung oder die Schulung in unternehmerischen Fähigkeiten umfassen. Durch ihre spezialisierten Programme und ihr Fachwissen im Bereich der Unternehmensnachfolge trägt die NRW.BANK dazu bei, den Übergang vom bisherigen Inhaber zum Nachfolger reibungsloser zu gestalten und so die langfristige Kontinuität und Stabilität des Unternehmens sicherzustellen. Letztendlich kann die NRW.BANK so einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Erfolgschancen von Unternehmensnachfolgen zu erhöhen und die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen durch die Förderung von Unternehmertum und Innovation zu stärken.

Wifö MH: Welche speziellen Förderprogramme und Finanzierungsoptionen bieten Förderbanken Übernahmeinteressierten an, die ein Unternehmen übernehmen möchten?

Mike Pichottka: Die NRW.BANK bietet eine Vielzahl von speziellen Förderprogrammen und Finanzierungsoptionen für alle an, die ein Unternehmen übernehmen möchten. Hier sind einige gängige Optionen:
1. Investitionszuschüsse: Diese Zuschüsse können helfen, die Kosten für die Übernahme zu senken und sind oft an bestimmte Bedingungen geknüpft, wie z. B. die Schaffung von Arbeitsplätzen oder Investitionen in bestimmten Regionen.
2. Zinsgünstige Darlehen: Wir bieten Darlehen zu vergünstigten Zinssätzen an, die speziell für Unternehmensübernahmen gedacht sind. Diese Darlehen können eine attraktive Finanzierungsmöglichkeit darstellen.
3. Beteiligungsfinanzierung: In einigen Fällen kann die NRW.BANK auch eine Beteiligung am Unternehmen anbieten, was bedeutet, dass sie Kapital bereitstellt, um im Gegenzug Anteile am Unternehmen zu erhalten.
4. Beratungsförderung: Neben finanziellen Mitteln bieten wir auch Unterstützung in Form von Beratungsleistungen an, um Übernahmeinteressierte bei der Planung und Durchführung der Übernahme zu unterstützen.
5. Förderprogramme für bestimmte Branchen: Je nach Region und Branche gibt es spezielle Programme, die auf bestimmte Sektoren ausgerichtet sind, wie z. B. Technologie, Umwelt oder soziale Unternehmen. Tipp ist, sich direkt bei NRW.BANK – z. B. auf der Website – über die spezifischen Programme und deren Voraussetzungen zu informieren, da diese je nach Region und Zeitpunkt variieren können.

Wifö MH: Welche Kriterien müssen Übernahmeinteressierte erfüllen, um von den Fördermöglichkeiten der Förderbank profitieren zu können?

Mike Pichottka: Um von den Fördermöglichkeiten der NRW.BANK profitieren zu können, müssen Übernahmeinteressierte in der Regel bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu gehören folgende Aspekte: 1. Unternehmensgröße: Oft sind die Förderprogramme auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ausgerichtet. Übernahmeinteressierte müssen möglicherweise nachweisen, dass das zu übernehmende Unternehmen in diese Kategorie fällt. 2. Wirtschaftliche Tragfähigkeit: Notwendig ist ein Nachweis über die wirtschaftliche Tragfähigkeit des übernommenen Unternehmens. Dies kann durch einen Businessplan oder Finanzberichte geschehen. 3. Eigenkapitalanteil: Einige Programme setzen voraus, dass die Übernahmeinteressierten einen bestimmten Eigenkapitalanteil in die Finanzierung einbringen. 4. Branchenspezifische Anforderungen: Je nach Förderprogramm können spezifische Anforderungen an die Branche gestellt werden, in der das Unternehmen tätig ist. Einige Programme fördern beispielsweise gezielt innovative oder nachhaltige Unternehmen. 5. Standortkriterien: In vielen Fällen sind die Fördermöglichkeiten an bestimmte geografische Regionen gebunden, um die wirtschaftliche Entwicklung in strukturschwachen Gebieten zu unterstützen. 6. Zielsetzung der Übernahme: Manche Förderprogramme stellen bestimmte Anforderungen an die Zielsetzung der Übernahme, wie die Schaffung oder Sicherung von Arbeitsplätzen oder die Weiterentwicklung des Unternehmens. 7. Persönliche Eignung: Übernahmeinteressierte müssen möglicherweise auch persönliche Voraussetzungen erfüllen, etwa eine bestimmte Qualifikation oder Erfahrung im Management. Wichtig ist, sich direkt über die spezifischen Kriterien und Anforderungen zu informieren, da diese je nach Programm unterschiedlich sein können.

Wifö MH: Was sind die häufigsten Herausforderungen, die Übernahmeinteressierte erleben und wie unterstützt eine Förderbank dabei, diese zu bewältigen?

Mike Pichottka: Übernahmeinteressierte stehen häufig vor verschiedenen Herausforderungen, wenn sie ein Unternehmen übernehmen möchten. Hier sind einige der häufigsten Herausforderungen sowie die Unterstützung, die die NRW.BANK bietet, um diese zu bewältigen: Häufige Herausforderungen: 1. Finanzierung: Die Beschaffung ausreichender finanzieller Mittel für die Übernahme kann eine der größten Hürden sein. Übernahmeinteressierte müssen oft hohe Kaufpreise aufbringen und gleichzeitig die laufenden Kosten des Unternehmens decken. 2. Bewertung des Unternehmens: Die korrekte Bewertung des zu übernehmenden Unternehmens kann komplex sein. Übernahmeinteressierte müssen sicherstellen, dass sie einen fairen Preis zahlen und die finanziellen Risiken verstehen. 3. Integration des Unternehmens: Nach der Übernahme kann die Integration des neuen Unternehmens in bestehende Strukturen und Prozesse herausfordernd sein. Kulturelle Unterschiede und unterschiedliche Arbeitsweisen können Probleme verursachen. 4. Mitarbeitendenbindung: Die Unsicherheit, die mit einer Übernahme einhergeht, kann dazu führen, dass Mitarbeitende das Unternehmen verlassen. Übernahmeinteressierte müssen Strategien entwickeln, um Talente zu halten und die Belegschaft zu motivieren. 5. Marktanalyse und -positionierung: Übernahmeinteressierte müssen den Markt und die Wettbewerbslandschaft gut verstehen, um die zukünftige Positionierung des Unternehmens zu planen. Unterstützung durch die NRW.BANK: 1. Finanzierungsangebote: Die NRW.BANK bietet zinsgünstige Darlehen, Zuschüsse und andere Finanzierungsinstrumente an, die speziell für Unternehmensübernahmen konzipiert sind. Dies erleichtert die Finanzierung der Übernahme. 2. Beratungsleistungen: Wir bieten Beratungen an, die Übernahmeinteressierte bei der Unternehmensbewertung, der Erstellung von Businessplänen und der strategischen Planung unterstützen. 3. Schulungsprogramme: Wir bieten Schulungen und Workshops an, die sich auf Themen wie Unternehmensführung und Führung der Mitarbeitenden konzentrieren. Dies kann helfen, die Fähigkeiten der Übernahmeinteressierten zu stärken. 4. Netzwerk und Kontakte: Wir können Übernahmeinteressierte mit Experten, Beratern und anderen Unternehmerinnen und Unternehmern vernetzen, die wertvolle Einblicke und Unterstützung bieten können. 5. Regionale Förderprogramme: Wir bieten spezielle Programme an, die auf die Bedürfnisse von Unternehmen in bestimmten Regionen oder Branchen zugeschnitten sind, was zusätzliche Unterstützung bieten kann. Durch diese Maßnahmen trägt die NRW.BANK dazu bei, die Herausforderungen, die mit Unternehmensübernahmen verbunden sind, zu bewältigen und den Übernahmeinteressierten den Weg zum Erfolg zu erleichtern.

Wifö MH: Können Sie eine Erfolgsgeschichte oder ein Best Practice aus Ihrer Erfahrung teilen, bei denen die Unterstützung der Förderbank wesentlich zum Erfolg einer Unternehmensnachfolge beigetragen hat?

Mike Pichottka: Ein traditionsreicher Handwerksbetrieb im Bereich Sanitär- und Heizungsinstallation suchte einen Nachfolger, da der Gründer in den Ruhestand gehen wollte. Ein langjähriger Mitarbeiter interessierte sich für die Nachfolge und wandte sich an uns. Ihn haben wir unterstützt mit folgenden Maßnahmen: 1. Finanzierung: Die NRW.BANK stellte ein zinsgünstiges Darlehen zur Verfügung, um die Übernahme zu finanzieren und Investitionen in moderne Technologien zu ermöglichen. 2. Beratung: Wir haben die Erstellung eines Businessplans unterstützt, der Strategien zur Kundenbindung und Dienstleistungserweiterung umfasste. 3. Schulungen: Außerdem haben wir dem Nachfolger Angebote zur Weiterbildung im Bereich Unternehmensführung und Marketing vermittelt. Ergebnis: Der Nachfolger konnte die Übernahme erfolgreich abschließen, neue Dienstleistungen einführen und die Mitarbeitenden- sowie Kundenbindung stärken. Die Unterstützung der NRW.BANK war hier entscheidend für den Erfolg der Unternehmensnachfolge, indem sie nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch wertvolle Beratung bereitstellte. Viele weitere Erfolgsgeschichten zu unserem Förderangebot sind übrigens auf unserer Website zu finden.

Wifö MH: Welche Ratschläge können Sie Übernahmeinteressierten geben, die gerade mit der Nachfolgeplanung beginnen?

Mike Pichottka: Hier sind einige kurze Ratschläge für Übernahmeinteressierte, die mit der Nachfolgeplanung beginnen:

1. Frühzeitig planen: Beginnen Sie rechtzeitig, um alle Optionen zu prüfen.
2. Ziele definieren: Klären Sie Ihre persönlichen und geschäftlichen Ziele.
3. Unternehmensbewertung: Lassen Sie eine professionelle Bewertung durchführen, um einen fairen Kaufpreis zu ermitteln.
4. Finanzierungsoptionen prüfen: Informieren Sie sich über Förderprogramme und andere Finanzierungsquellen.
5. Rechtliche Aspekte: Konsultieren Sie einen Rechtsanwalt und Steuerberater für rechtliche und steuerliche Fragen.
6. Mitarbeitende einbeziehen: Kommunizieren Sie offen mit den Mitarbeitenden, um ihre Unterstützung zu gewinnen.
7. Integrationsplan entwickeln: Planen Sie die Integration des Unternehmens sorgfältig.
8. Netzwerk aufbauen: Knüpfen Sie Kontakte zu anderen Unternehmerinnen und Unternehmern sowie Expertinnen und Experten.
9. Flexibel bleiben: Seien Sie bereit, Ihre Pläne anzupassen.
10. Fortbildung: Investieren Sie in Ihre Weiterbildung im Bereich Unternehmensführung. Diese Tipps können Ihnen helfen, den Nachfolgeprozess erfolgreich zu gestalten


Kurze Vorstellung NRW.BANK:
Die NRW.BANK ist die Förderbank für Nordrhein-Westfalen. In enger Partnerschaft mit Ihrem Eigentümer, dem Land NRW, unterstützt sie Menschen, Unternehmen und Kommunen mit einem breiten Spektrum an Förderinstrumenten: von zinsgünstigen Darlehen über Eigenkapitalfinanzierungen bis hin zu Beratungsangeboten und Zuschüssen. Dabei arbeitet sie wettbewerbsneutral mit Finanzierungspartnerinnen und -partnern, insbesondere allen Banken und Sparkassen, zusammen. Förderfelder der NRW.BANK sind „Wirtschaft“, „Wohnraum“ und „Infrastruktur/Kommunen“. Zur Verstärkung der Transformationsprozesse setzt die Förderbank gezielte Förderimpulse – hin zu einem nachhaltigen, klimaneutralen und digitalen NRW. Ihre Finanzierungs- und Beratungsangebote finanziert die NRW.BANK weitgehend aus eigenen Erträgen und damit unabhängig vom Haushalt des Landes. Ihre Bilanzsumme belief sich zum 31. Dezember 2023 auf 161,3 Milliarden Euro. An den beiden Standorten in Düsseldorf und Münster beschäftigt die NRW.BANK mehr als 1.500 Mitarbeitende.

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