Neue Reihe Unternehmensnachfolge: Interview mit Mathias Meinke {ARCHIV}

16. September 2024

Bild: PR-Photographie Köhring


Die Wirtschaftsförderung Mülheim an der Ruhr begleitet Unternehmen und sorgt dafür, dass sie bei ihrer Weiterentwicklung über die notwendigen Ressourcen und Informationen verfügen, um so in eine erfolgreiche Zukunft geführt zu werden. Der Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten und Förderprogrammen sowie zu Netzwerken mit anderen Unternehmen und Branchenexperten gehört zu ihrem Portfolio. Die Mülheimer Wirtschaftsförderung ist das Bindeglied zwischen kommunaler Verwaltung und lokaler Wirtschaft.

Unser Interviewpartner Mathias Meinke berät Gründungsinteressierte, Startups auf dem Weg in die Selbstständigkeit sowie bestehende Unternehmen zum Thema Unternehmensnachfolge. Mit Mathias Meinke beginnt unsere neue Reihe zum Thema Unternehmensnachfolge.

Warum ist das Thema Unternehmensnachfolge für die lokale Wirtschaft von so großer Bedeutung?

Erfolgreiche Unternehmensnachfolgen sind aus vielerlei Hinsicht von enormer Bedeutung. Viele kleine und mittelständische Unternehmen sind wichtige Arbeitgeber in der Region. Bei einer gelungenen Nachfolge bleiben die Arbeitsplätze erhalten oder werden sogar ausgebaut. Dies stabilisiert und fördert wiederum die lokale Wirtschaft und Infrastruktur und sichert das Einkommensniveau. Weiterhin bleibt spezifisches Wissen und Know-how, welches oftmals über Generationen hinweg entwickelt wurde, erhalten und wird an die nächste Generation weitergegeben. Die nachfolgende Generation wiederum bringt ergänzend frische Ideen und Innovationen in bestehende Unternehmen ein. Dies kann die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und neue Märkte erschließen, was für eine dynamische lokale Wirtschaft unerlässlich ist.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten bietet die Wirtschaftsförderung speziell für Unternehmensnachfolgen an, um den Prozess für beide Seiten reibungsloser zu gestalten?

Die Wirtschaftsförderung Mülheim an der Ruhr bietet ihren Unternehmen Beratung und Begleitung vor, während und nach dem Nachfolgeprozess. Das Angebot richtet sich sowohl an die abgebende Seite, als auch an die übernehmende Seite und umfasst eine praktische Unterstützung und unabhängigen Rat. Ein erstes Gespräch zur Definition eines Meilensteinplanes sowie Klärung grundsätzlicher Fragen sollte bereits ab dem 55. Lebensjahr erfolgen.

Was sind die häufigsten Herausforderungen für Übernahmeinteressierte sowie Personen, die ihr Unternehmen abgeben wollen? 

Die Unternehmensnachfolge bringt für beide Seiten verschiedene Herausforderungen mit. Eine gemeinsame gibt es aber auch – die Einigung auf einen Kaufpreis. Diese Herausforderung ist neben dem Finden eines passenden Nachfolgers oder Nachfolgerin bzw. dem Finden eines passenden Unternehmens, mit die größte Aufgabe, an der eine Nachfolge auch schnell scheitern kann.

Für die übernehmende Seite gilt es weiterhin die Finanzierung des Kaufpreises sowie weiterer Investitionen zu stemmen, sich in die vorhandenen Strukturen und die gelebte Unternehmenskultur einzuarbeiten und sich das notwendige, betriebliche Know-how zu beschaffen.

Die abgebende Seite beschäftigt oftmals das „Loslassen“, welches deutlich schwieriger ist, als man sich das vorstellt. Gerade bei Familienbetrieben ist dies ein langsamer und manchmal schmerzhafter Prozess, das eigene Lebenswerk in fremde Hände zu geben. Neben steuerlichen und rechtlichen Aspekten ist eine Überprüfung der eigenen Altersvorsorge ein entscheidender Punkt, der insbesondere auch den Zeitpunkt der Abgabe bestimmt.

Eine frühe Vorbereitung sowie ein strukturierter Nachfolgeplan können in jedem Fall dazu beitragen, einige dieser Herausforderungen gut zu bewältigen und einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

Welche Schritte sollten frühzeitig unternommen werden, um sich optimal auf die Unternehmensnachfolge vorzubereiten?

Jede Übertragung eines Unternehmens ist natürlich individuell zu betrachten. Als allgemeingültig können wir aber festhalten, dass eine frühzeitige Planung, bereits ab dem 55. Lebensjahr, sinnvoll ist.  So können wichtige Schritte rechtzeitig geplant und Weichen richtig gestellt werden. Einige Jahre vor dem geplanten Abgabezeitpunkt wird dann ein Nachfolgeplan entwickelt, in dem klare Ziele, Meilensteine und Kriterien definiert werden. Ebenso ist eine professionelle Unternehmensbewertung unerlässlich, um potentielle Kaufinteressenten nicht mit einer überhöhten Kaufpreisforderung abzuschrecken. Dieser Fehler führt in nicht seltenen Fällen schnell zum Ende einer Verhandlung, damit ist dann keinem geholfen.

Neben einem Gespräch mit der Steuerberatung ist auch eine gut durchdachte Kommunikation der geplanten Unternehmensnachfolge, insbesondere gegenüber den Mitarbeitenden, von entscheidender Bedeutung.

Ist eine Unternehmensnachfolge allein zu bewältigen oder sollten Spezialisten eingebunden werden?

Auch hier gilt, dass jede Unternehmensnachfolge individuell zu planen ist, auch was die Unterstützung anbelangt. Die Unternehmensgröße, die Komplexität des Unternehmens sowie die Anzahl der Mitarbeitenden sind beispielsweise zu betrachten. Grundsätzlich kann man aber festhalten, dass für rechtliche Fragen eine Rechtsanwältin bzw. ein Rechtsanwalt sinnvoll ist, die Steuerberatung in jedem Fall sowie bei mittleren und größeren Unternehmen immer auch eine Unternehmensberatung eingebunden werden sollte. Für letztere können unter gewissen Voraussetzungen sogar Fördermittel im Rahmen der Beratungsförderung beantragt werden. Weiterhin ist eine Sachverständige bzw. ein Sachverständiger für Unternehmensbewertung besonders wichtig um einen neutralen Wert zu erhalten, dieser ist für die Kaufpreisverhandlung unerlässlich.

Wo können Unternehmerinnen bzw. Unternehmer geeignete Nachfolgeinteressierte finden, wenn eine Suche in der Familie oder im Betrieb erfolglos bleibt?

Die Suche nach einer passenden Nachfolge erfordert oft Zeit, Geduld und aktives Networking. Die höchste Wahrscheinlichkeit eine passende Person zu finden liegt in der Familie und im eigenen Betrieb. War diese Suche vergeblich ist das berufliche und private Netzwerk eine profunde Quelle. Einige begleitete Nachfolgen gingen an befreundete Mitbewerber oder Mitarbeitende von eigenen Lieferanten oder Kunden. Waren auch diese Suchen erfolglos, stehen verschiedene Unternehmensbörsen zur Verfügung, die teilweise von öffentlicher Hand betrieben werden. Die Nexxt-Change-Unternehmensbörse der KfW Bankengruppe zum Beispiel. Auch Branchenverbände, Kammern sowie private Unternehmensvermittler betreiben Matching-Plattformen, organisieren Veranstaltungen oder gehen aktiv auf die Suche nach potentiellen Kandidaten.

MEHR ZUM THEMA UNTERNEHMENSNACHFOLGE