Krick: Familienbetrieb statt Konzernkarriere

6. November 2026

Marc Leo Krick und die Juryvertreterin Susanne Beierlorzer/Bild: Stefan Lamberty


Marc Leo Krick gab seine Stelle in einem Konzern auf, um das Unternehmen seines verstorbenen Vaters weiterzuführen. Seit der Übergabe 2016 setzt er auf die Erfahrung langjähriger Mitarbeiter und entwickelt den Betrieb weiter. Mit dieser Nachfolgegeschichte steht die Ernst-Leo Krick GmbH im Finale des 4. Mülheimer Wirtschaftspreises.

Marc Leo Krick musste sich bei seinem Wechsel in den Familienbetrieb vielen Mitarbeitern nicht erst vorstellen. Sie kannten ihn seit seiner Kindheit, manche arbeiteten schon seit 30 oder 40 Jahren dort. Nun sollte er ihr Chef werden. Dafür gab er seine Stelle bei Siemens in Mülheim auf, wo er gelernt, sich weitergebildet und Führungsaufgaben übernommen hatte.

Der Familienbetrieb an der Friedrich-Ebert-Straße fertigt Apparate und Druckbehälter und behandelt Stahloberflächen. Die Verantwortung für den Betrieb zu übernehmen, war dennoch ein großer Schritt.

Sein Vater war 2011 gestorben, seine Mutter hatte den Betrieb zunächst weitergeführt. In den Jahren 2014 und 2015 nahm der Gedanke an die Nachfolge für den Sohn Gestalt an. Ende 2016 erfolgte die Übergabe.

Dabei ging es auch um die wirtschaftliche Grundlage der Familie. Seine Mutter, seine Schwester und sein Schwager sind ebenfalls mit dem Betrieb verbunden. Vier Haushalte leben davon, erzählt Krick beim Jurybesuch. Die Zukunft des Unternehmens beschäftigte deshalb die ganze Familie.

Vertraute Mitarbeiter und geteilte Verantwortung

Vor der Selbstständigkeit hatte Krick Respekt. Eine Zwischenstation in anderer Funktion im Familienbetrieb gab es für ihn nicht. „Nein, wir haben direkt Nägel mit Köpfen gemacht“, sagt er. Bei seinem Einstieg half ihm, dass die Mitarbeiter ihn bereits kannten. Sie brachten Erfahrungen mit, auf die er zurückgreifen konnte.

Seit seiner Übernahme seien etwa zehn Mitarbeiter hinzugekommen, berichtet Krick. Auch viele Kunden begleiten den Betrieb seit Jahrzehnten. Bei wiederkehrenden Arbeiten wissen die langjährigen Beschäftigten, welche Anlagen und Anforderungen sie erwarten. Dieses Wissen wollte er erhalten.

Die Geschäftsführung teilt Krick sich mit Stefan Lehmann. Den hatte sein Vater bereits 2005 zum Geschäftsführer berufen. Lehmann übernimmt vor allem Konstruktion und technische Planung, Krick kümmert sich um Angebote, Vertrieb und laufende Abstimmungen. Ein Werkstattleiter organisiert die Arbeit in der Fertigung. Bei seiner Übernahme konnte Krick damit auf eine Leitung zurückgreifen, die sein Vater schon zu Lebzeiten erweitert hatte.

Vom Backofen zum Apparatebau

Ernst Leo Krick gründete das Unternehmen 1950. Zunächst fertigte er gemauerte Dampfbacköfen und Geräte für Bäckereien. Als Backöfen und Heizungen zunehmend mit Öl betrieben wurden, kamen Ölfeuerungsanlagen und Tanks hinzu. Daraus entwickelte sich der Apparate- und Druckbehälterbau. Später lieferte die Firma Bauteile für Raffinerien und Kraftwerke.

Hinzu kam eine Anlage zur Oberflächenbehandlung von Stahl. Beim Beizen werden beispielsweise Rückstände der Verarbeitung entfernt. Bis heute ist das ein Geschäftsfeld neben dem Metall- und Apparatebau. Seit 1970 arbeitet das Unternehmen an der Friedrich-Ebert-Straße.

Vom Vater hat Krick einen Grundsatz übernommen: nicht über die eigenen Verhältnisse leben. Er will solide wirtschaften und den Betrieb zugleich weiterentwickeln.

Digitalisierung braucht Geduld

Wie viel Geduld Veränderungen verlangen können, erlebte Krick bei der Digitalisierung. 2018 führte das Unternehmen ein neues Warenwirtschaftssystem ein. Es dient als Grundlage für die Verknüpfung mit weiteren Programmen, etwa zur Zeiterfassung und Lohnabrechnung.

In Verkaufsgesprächen mit den Herstellern erscheine das Zusammenspiel der Programme einfach, erzählt er. Im Betrieb folge dann die eigentliche Arbeit: Schnittstellen einrichten, Fehler beheben und die Systeme aufeinander abstimmen. „Jetzt sind wir zufrieden, ja“, sagt Krick. Kleinigkeiten blieben, aber die Grundlage stehe.

Für die Zukunft beschäftigt ihn besonders der Nachwuchs. Er setzt auf Ausbildung, während erfahrene Mitarbeiter nach und nach in Rente gehen. Junge Leute müssen zunächst messen, bohren, sägen und schweißen lernen, bevor sie anspruchsvollere Aufgaben übernehmen können.

Sein Vater würde das Unternehmen heute wohl wiedererkennen, glaubt Krick. Allenfalls über die Werbung auf den Firmenautos hätte er gemeckert. Bevor sie über den Betrieb gesprochen hätten, wäre allerdings erst einmal eine Stunde für Politik vergangen.

Die Entscheidung fällt am 13. November

Die Ernst-Leo Krick GmbH ist eines von fünf Unternehmen im Finale des 4. Mülheimer Wirtschaftspreises. Der Wettbewerb steht unter dem Motto „Erfolgreiche Unternehmensnachfolge – Zukunft sichern, Substanz bewahren“. Der Gewinner wird am Freitag, 13. November 2026, bei der Gala im WDL-Luftschiffhangar bekannt gegeben.


Von Paul-Richard Gromnitza

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