Möbel Bernskötter: Die Tochter übernimmt, der Vater bleibt

26. Oktober 2026

von links nach rechts: Juryvertreter IHK-Präsident Gerd Kleemeyer mit Janine Bernskötter und Franz Peter Bernskötter/Bild: Stefan Lamberty


Janine Bernskötter führt das Mülheimer Möbelhaus in fünfter Generation gemeinsam mit ihrem Vater. Sie hat mehr Verantwortung übernommen und ihren eigenen Führungsstil entwickelt. Mit ihrer Nachfolgegeschichte steht das Familienunternehmen im Finale des 4. Mülheimer Wirtschaftspreises.

Wenn Janine Bernskötter nach Hause ging und ihr Vater noch im Möbelhaus saß, fiel ihr das schwer. Er arbeitete weiter, sie wollte zu ihren Kindern. Franz-Peter Bernskötter hatte ihr über Jahre vorgelebt, wie viel Einsatz der Betrieb verlangt. Nun musste sie mit ihm darüber sprechen, dass ihre Arbeitstage anders aussehen würden als seine.

Sie wollte das Unternehmen führen und Zeit für ihre Familie haben. Dazu musste sie Aufgaben abgeben, die ihr Vater lieber selbst erledigte. „Ich kann Dinge besser abgeben“, sagt sie. Heute verantwortet die 44-jährige Geschäftsführerin Vertrieb, Verwaltung, Finanzen, Logistik und Personal. Ihr Vater (71) ist ebenfalls Geschäftsführer und kümmert sich vor allem um das Marketing und den Einkauf der Sparte Polstermöbel.

Schon als Kind im Geschäft

Einen Tag, an dem ihr Vater sie fragte, ob sie seine Nachfolgerin werden wolle, kann Janine Bernskötter nicht nennen. Sie ging schon als Kind mit ins Geschäft, half an der Kasse und an der Telefonzentrale. Für sie stand früh fest, dass sie im Möbelhandel arbeiten wollte.

Nach dem Abitur besuchte sie die Möbelfachschule in Köln. Anschließend sammelte sie Erfahrung in einem größeren Möbelunternehmen in Leverkusen, bevor sie nach Mülheim zurückkehrte. Im Familienbetrieb begann sie als Angestellte und leitete zunächst eine Abteilung.

Dass ihr die Nachfolge einfach in den Schoß gefallen sei, hört sie trotzdem gelegentlich. „Das ist auch ganz schön harte Arbeit“, sagt sie. Selbst in der Familie sei die Zusammenarbeit nicht immer leicht gewesen. Es gab Tage, an denen sie bei ihren Eltern saß, weinte und kündigen wollte. Sie erzählt davon ebenso wie von der langen schönen, gemeinsamen Zeit, in der Vater und Tochter lernten, sich aufeinander zu verlassen.

Der große Schritt nach Heißen

Das Unternehmen begann 1893 als Schreinerei von Franz Bernskötter in Saarn. Nach dem Krieg wurde aus dem Handwerksbetrieb schrittweise ein Möbelhandel. Franz-Peter Bernskötter übernahm 1982 die Leitung in vierter Generation.

1995 wagte er den Umzug nach Heißen. Die Familie verkaufte ihre bisherigen Gebäude in Saarn und baute ein neues Möbelhaus. Dafür nahm sie Schulden auf. Sein Großvater hätte lieber vorsichtiger erweitert, erzählt Franz-Peter. Janine sieht gerade in dieser Entscheidung eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass sich der Betrieb weiterentwickeln konnte.

Das Haus an der Heinrich-Lemberg-Straße wurde später mehrfach vergrößert. Ein zweiter Standort kam in Dormagen hinzu. Janine wirkte bereits an Erweiterungen mit, bevor sie 2016 in die Geschäftsführung eintrat. Auch ihre beiden Schwestern und ihr Mann arbeiten im Unternehmen. Nach Angaben der Familie wurde um 2015/2016 auch das Eigentum innerhalb der Familie übertragen; die Schwestern sind ebenfalls beteiligt.

Zuhören und Verantwortung abgeben

Ihr Großvater hatte ihr geraten, genau hinzusehen und zuzuhören. So wollte Janine verstehen, was den Betrieb über Jahrzehnte getragen hatte. Veränderungen besprach sie mit ihrem Vater. Sie wollte auf seiner Arbeit aufbauen, statt bei ihrem Einstieg alles grundsätzlich infrage zu stellen.

Unterschiedliche Vorstellungen gab es bei der Personalführung. Schließlich übernahm sie diesen Bereich. Dass die Familie selbst mit Bewerbern und Beschäftigten spricht, ist beiden wichtig. Janine delegiert zugleich mehr: Sie erklärt Mitarbeitern, wie Aufgaben erledigt werden sollen, und überträgt ihnen die Ausführung. So schafft sie sich den Spielraum, den sie als Geschäftsführerin und Mutter braucht.

Auch die Kundenansprache verändert sich. Ein internes Team betreut die Werbung und die sozialen Medien. Janine erzählt im Gespräch von einer Kundin, die durch Instagram auf das Haus aufmerksam geworden sei. Der Onlineshop soll Kunden zeigen, was sie dort erwartet. Gerade bei größeren Möbeln wollen viele anschließend ins Geschäft kommen, Stoffe anfassen und Probe sitzen. Janine möchte deshalb möglichst alle Möbel aus der Ausstellung auch im Onlineshop zeigen – damit Kunden schon vor dem Besuch sehen können, ob sich der Weg lohnt.

Entscheidung bei der Gala am 13. November

Möbel Bernskötter ist eines von fünf Unternehmen im Finale des 4. Mülheimer Wirtschaftspreises. Der Wettbewerb steht unter dem Motto „Erfolgreiche Unternehmensnachfolge – Zukunft sichern, Substanz bewahren“. Ob die Familie Bernskötter den Preis gewinnt, erfahren wir am Freitag, 13. November 2026, bei der Gala im WDL-Luftschiffhangar.


Von Paul-Richard Gromnitza