Ruhrlagebericht Frühjahr 2025
5. Februar 2025
Bild: © IHKs im Ruhrgebiet
Die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet (Ruhr-IHKs) haben die Ergebnisse ihrer Konjunktur-Umfrage veröffentlicht. Die Zahlen des 114. Ruhrlageberichtes sind eindeutig. Die bundesweite Wirtschaftskrise hält auch im Ruhrgebiet weiterhin an: Fachkräftemangel, schwache Inlandsnachfrage, hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie schlechte wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen belasten die Betriebe zunehmend. An der Umfrage der Ruhr-IHKs haben rund 780 Unternehmen mit über 92.000 Beschäftigten teilgenommen.
Im Vergleich zum Vorjahr ist der IHK-Konjunkturklimaindex gesunken und liegt bei 92,7 Punkten (Jahresbeginn 2024: 94 Punkte). Schlechter war dieser bisher nur im Herbst 2022 mit 77 Punkten. Die Präsidentin der federführenden IHK zu Essen Jutta Kruft-Lohrengel ordnet die Ergebnisse ein: „Bundesweit schrillen die Alarmglocken der Wirtschaft. Das BIP ist in den vergangenen zwei Jahren gesunken. Hinzu kommen Prognosen aller führenden Institute und Verbände, die klar machen: Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Die deutsche Wirtschaft stagniert und dieser Zustand trifft auch für unsere Unternehmen im Ruhrgebiet zu. Wir verharren im Stimmungstief!“ Die Wirtschaftslage wird von knapp 23 Prozent als gut eingestuft (Jahresbeginn 2024: 26 Prozent). Gleichzeitig ist die Anzahl der Unternehmen, welche die Lage als schlecht einschätzen, im Vergleich zum Vorjahr um vier Punkte gestiegen und liegt bei 24 Prozent.
Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen bedrohen das Wachstum der Unternehmen
Wie bereits im Vorjahr ist die Stimmung der Handelsunternehmen im Branchenvergleich am schlechtesten. Nur 14 Prozent sind mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden. Auf der anderen Seite steht die Dienstleistungsbranche, was Lage und Erwartungen angeht, am besten da. 18 Prozent erwarten eine bessere Wirtschaftslage und mehr als 30 Prozent der Unternehmen stellen eine gute Geschäftslage fest. Im Industriesektor stufen die Betriebe ihre Geschäftslage deutlich negativer ein als vor einem Jahr. So ordnen 19 Prozent der Unternehmen die aktuelle Situation als gut ein. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert noch bei 29 Prozent.
Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK, mahnt: „Hier im Ruhrgebiet sitzt die energieintensive Industrie. Die hohen Energiepreise, die komplizierten Verfahren und die vielen Vorgaben rächen sich. Wir stecken in einer De-Industrialisierung. Arbeitskräfte, Kaufkraft und Wertschöpfung gehen verloren, der Standort wird unattraktiv. Das können wir uns nicht leisten. Die Unternehmen brauchen eine klare Perspektive seitens der Politik. Und zwar sofort.“
Eine zusätzliche Belastung stellt die Verkehrsinfrastruktur im Ruhrgebiet dar: Seit vielen Jahren wurden Investitionen in die Straßeninfrastruktur vernachlässigt, was zu erheblichen Belastungen im Berufsverkehr führt. Hinzu kommen zahlreiche Ausfälle, Personalmangel und Verspätungen auf den Schienen. „Viele Brücken und Straßen sind aus den 50er bis 60er Jahren und teilweise in einem sehr schlechten Zustand. Der Bahnverkehr ist ebenfalls von zahlreichen Problemen gekennzeichnet. Unsere Wirtschaft steht wortwörtlich im Stau”, so Kerstin Groß. Um den Standort Ruhrgebiet langfristig attraktiv und konkurrenzfähig zu halten, braucht es daher eine enge Zusammenarbeit aller Akteure, um die Wettbewerbsfähigkeit der Ruhrwirtschaft zu erhalten.