Konjunkturbericht Herbst 2025
9. Oktober 2025
Bild: IHK Ruhr
Die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet (Ruhr-IHKs) haben am 9. Oktober die Ergebnisse ihrer Konjunktur-Umfrage veröffentlicht. Die Zahlen des 115. Ruhrlageberichtes verdeutlichen, dass vor allem die Unzufriedenheit mit den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bei den Unternehmen wächst – und das branchenübergreifend.
An der Umfrage der Ruhr-IHKs haben rund 750 Unternehmen mit über 85.000 Beschäftigten teilgenommen. Der Befragungszeitraum lag zwischen dem 8. – 21. September 2025.
Im Vergleich zum Vorjahr ist der IHK-Konjunkturklimaindex gesunken und liegt bei 92,3 Punkten (Herbst 2024: 94 Punkte). Damit stagniert der Index bereits zum fünften Mal in Folge auf niedrigem Niveau. Der Präsident der federführenden IHK zu Essen Gerd Kleemeyer ordnet die Ergebnisse ein: „Sowohl auf Bundes- als auf Landesebene stagniert die Wirtschaftsleistung. Das Bruttoinlandsprodukt Nordrhein-Westfalens war im ersten Halbjahr 2025 nach ersten Schätzungen preisbereinigt um 0,2 % niedriger als in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres. Auf Bundesebene ist das BIP im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal 2025 um 0,3 % gesunken. Die Zahlen machen deutlich: Der aus Berlin angekündigte Herbst der Reformen wird zum unentspannten Winterschlaf.“
Führende Wirtschaftsinstitute rechnen auch für das Jahr 2025 nicht mit einer nachhaltigen Erholung der deutschen Wirtschaft. In ihrer Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2025 gehen die Institute davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 0,2 Prozent „kaum mehr als stagnieren“ wird. „Dies spiegelt sich eindeutig in unserem Ruhrlagebericht wider: Knapp ein Viertel unserer Betriebe blickt pessimistisch in die Zukunft. Lediglich jedes fünfte Unternehmen sieht aktuell eine gute Geschäftslage. Unserer Wirtschaft geht es schlecht“, resümiert Gerd Kleemeyer.
Unzufriedenheit mit Politik wächst stark an
Branchenübergreifend steigt die Unzufriedenheit mit den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen im Ruhrgebiet. Mehr als die Hälfte der Unternehmen sieht hier ein Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung. Kerstin Groß, Hauptgeschäftsführerin der IHK zu Essen, betont: „In allen drei Sektoren – Handel, Industrie und Dienstleistungen – stufen über 60 Prozent der Befragten die Politik als Risiko ein.
Nach dem verhaltenen Start der Bundesregierung im Mai ist dieser Wert keine Überraschung und ein Warnsignal zugleich: Wir brauchen eine mutige und entschiedene Wirtschaftspolitik! Nur so können wir dringend erforderliches Wachstum ankurbeln.“ Zu den weiteren Risiken zählt die Ruhrwirtschaft steigende Arbeitskosten, den anhaltenden Fachkräftemangel sowie eine schwache Inlandsnachfrage.
„Zum Tanzen gehören immer zwei“
In ihrem Herbstgutachten schreiben die Wirtschaftsinstitute, dass die deutsche Wirtschaft nach wie vor auf wackeligen Beinen stehe. Hierzu ergänzt die IHK-Hauptgeschäftsführerin: „Zum Tanzen gehören immer zwei: Während unserer Wirtschaft wackelige Beine attestiert werden, hat die Politik das Tanzparkett noch nicht mal betreten. Die stehen in der Ecke und schauen zu. Daher erwarten wir schnellstmöglich einen klaren und langfristig angelegten wirtschaftspolitischen Kurs.“
Bescheidene Geschäftserwartungen in allen Wirtschaftssektoren
Wie bereits im Vorjahr ist die Stimmung der Handelsunternehmen im Branchenvergleich am schlechtesten. Lediglich elf Prozent sind mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden. Das entspricht einem Minus von sechs Prozentpunkten im Vergleich zum Herbst 2024. Auch die Dienstleistungsbranche war vor einem Jahr noch deutlich zufriedener. Bei den Geschäftserwartungen ergibt sich ein ähnliches Bild: Lediglich 13 Prozent der befragten Unternehmen gehen von einer besseren Geschäftsentwicklung aus (Herbst 2024: 16 Prozent).
Der Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund Stefan Schreiber sieht politischen Handlungsbedarf: „Unsere Unternehmen brauchen wieder mehr Vertrauen in die politischen Handlungsträger. Deshalb müssen nach diversen Ankündigungen auch Taten folgen: eine Senkung der Lohnnebenkosten, schnellere Genehmigungsverfahren, ein konsequenter Bürokratieabbau sowie eine angebotsorientierte Flächenpolitik. Die Ruhrwirtschaft benötigt Planungssicherheit und Wachstumsperspektiven. Nur so kommen wir aus dem Tal.“
Duale Ausbildung als Hebel gegen den Fachkräftemangel
Ein Schwerpunkt der Konjunkturumfrage lag auf dem Thema Fachkräftemangel. Nahezu die Hälfte aller Unternehmen nennt diesen als wirtschaftliches Risiko für die eigene Entwicklung, wodurch vor allem mit steigenden Arbeitskosten gerechnet wird. Daher fordert IHK-Präsident Gerd Kleemeyer: „Der Kampf gegen den Fachkräftemangel beginnt mit guter Bildung. Die Kommunen sind verantwortlich, gute Voraussetzungen dafür zu schaffen.“ Umso entschiedener werben die Ruhr-IHKs für die duale Ausbildung. „Wir werden mit gezielten Maßnahmen und Kampagnen zeigen, dass die duale Ausbildung für beide Seiten ein Gewinn ist – für junge Leute ebenso wie für Betriebe. Darüber hinaus ist sie ein zentraler Hebel, um dem Fachkräftemangel dauerhaft entgegenzutreten“, so IHK-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Groß.