KfW-Gründungsmonitor 2024 vorgestellt
10. Juni 2025
Bild: KfW
Die Gründungslandschaft in Deutschland verjüngt sich spürbar: Im Jahr 2024 waren Gründerinnen und Gründer im Durchschnitt 34,4 Jahre alt – so jung wie nie zuvor seit Beginn der Erhebungen im KfW-Gründungsmonitor. Besonders auffällig: 39 Prozent der Gründenden gehörten der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen an, ein historischer Höchstwert. Zum Vergleich: Anfang der 2000er-Jahre lag das Durchschnittsalter meist noch bei 37 bis 38 Jahren.
Die demografische Verschiebung ist allerdings weniger auf einen Zulauf junger Menschen zurückzuführen, sondern vielmehr auf einen starken Rückgang bei den 40- bis 49-Jährigen sowie den sogenannten „Silver Entrepreneurs“ (50 bis 65 Jahre). Ihr Anteil sank 2024 auf 16 Prozent bzw. 12 Prozent – Tiefstwerte im langjährigen Vergleich.
Der KfW-Gründungsmonitor 2024 basiert auf einer Kombination aus 50.000 Telefon- und erstmals 10.000 Online-Interviews. Er fasst alle Formen der Selbstständigkeit zusammen – unabhängig davon, ob im Voll- oder Nebenerwerb, freiberuflich oder gewerblich, gegründet, übernommen oder beteiligt.
Gründungsaktivität legt leicht zu – Nebenerwerbsgründungen als Treiber
Positiv hervorzuheben ist, dass die Gesamtzahl der Existenzgründungen im Jahr 2024 um 17.000 auf 585.000 gestiegen ist. Dies entspricht einem Zuwachs von 3 Prozent. Getragen wurde diese Entwicklung von einem deutlichen Plus bei Nebenerwerbsgründungen (+5 Prozent auf 382.000). Dagegen ging die Zahl der Vollerwerbsgründungen leicht um 1 Prozent auf 203.000 zurück.
Trotz dieser leichten Erholung bleibt das Gründungsgeschehen im langfristigen Vergleich schwach. Seit 2018 stagniert es auf niedrigem Niveau. Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW, sieht darin unter anderem eine Mentalitätsfrage: „In wirtschaftlich stabilen Zeiten entscheiden sich viele für die vermeintliche Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses.“
Bildung und Digitalisierung als Chancenfaktor
Dr. Schumacher begrüßt die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung angekündigte Förderung von Entrepreneurship Education in Schulen und der Lehrerbildung. Denn: „Mehr Zutrauen bei finanziellen Themen erhöht die Wahrscheinlichkeit zu gründen.“ Vor allem junge Menschen zeigen sich offen: 36 Prozent der 18- bis 29-Jährigen gaben an, lieber selbstständig als angestellt sein zu wollen.
Auch die Digitalisierung bleibt ein Wachstumstreiber: 36 Prozent aller Neugründungen waren im Jahr 2024 digital – ein Rekordwert. Zugleich zeigt sich, dass Gründungen kapitalintensiver werden. Während in der Vergangenheit gut zwei Drittel der Gründenden mit unter 5.000 Euro auskamen, traf dies 2024 nur noch auf 56 Prozent zu. Preisanstiege und höhere Ansprüche an technische Ausstattung dürften hierfür maßgeblich sein.
Trend schlägt sich auch in Mülheim an der Ruhr nieder
Die positive Entwicklung spiegelt sich auch in Mülheim an der Ruhr wider. Einerseits nehmen viele junge Gründungsinteressierte das Beratungs- und Workshopangebot der Wirtschaftsförderung Mülheim wahr, anderseits verzeichnen die Gründungsberater Mathias Meinke und Jens Niederhagen ein reges Interesse an nebenberuflichen Gründungen. Bemerkenswert ist insbesondere, dass der vierteljährlich stattfindende „Workshop Unternehmensgründung“ im März diesen Jahres, als auch der Termin in der kommenden Woche ausgebucht ist. Dies ist ein klares Zeichen für ein starkes Gründungsinteresse in unserer Stadt.
Weitere zentrale Ergebnisse des Gründungsmonitors 2024:
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Abbruchquote: Ein Drittel der Gründungen endet innerhalb von drei Jahren, 61 Prozent sind nach fünf Jahren noch aktiv.
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Eigenfinanzierung: 75 Prozent der Gründerinnen und Gründer decken ihren Kapitalbedarf ausschließlich mit Eigenmitteln – ein historischer Höchstwert.
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Gründungsform: 83 Prozent aller Gründungen sind Neugründungen. Nur 10 Prozent entfallen auf Unternehmensübernahmen, 7 Prozent auf Beteiligungen.
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Arbeitsplätze: Die Neugründungen schufen 485.000 vollzeitäquivalente Arbeitsplätze.
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Gründerinnen: Der Frauenanteil lag 2024 bei 36 Prozent. Auffällig ist, dass Gründerinnen häufiger als Männer eine kurzfristige Selbstständigkeit anstreben (28 Prozent vs. 17 Prozent).
Fazit:
Der KfW-Gründungsmonitor 2024 zeigt: Es gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Jüngere Menschen zeigen wachsende Gründungsbereitschaft, digitale Geschäftsmodelle sind auf dem Vormarsch und das unternehmerische Selbstvertrauen wächst. Dennoch bleibt die Gesamtentwicklung hinter dem Potenzial zurück. Um die Gründungsdynamik nachhaltig zu stärken, braucht es ein gesellschaftliches Umdenken, gezielte Bildungsinitiativen – und Rahmenbedingungen, die Gründung nicht nur ermöglichen, sondern aktiv fördern.
SIE WOLLEN AUCH IN MÜLHEIM GRÜNDEN?
Ihre Ansprechpartner im Gründerservice/STARTERCENTER NRW Mülheim:
Mathias Meinke
0208 455-6127, mathias.meinke(at)muelheim-ruhr.de
Jens Niederhagen
0208 455-6125, jens.niederhagen(at)muelheim-ruhr.de