„Mir fällt auf, dass immer mehr Menschen eine unternehmerische Verantwortung scheuen!“ {ARCHIV}
18. Dezember 2024
Bild: Gerd Kleemeyer bei der Überreichung des Mülheimer Wirtschaftspreises am 15. November 2024 mit OB Marc Buchholz (links)/Bild: PR-Fotografie Köhring
Wir sprachen mit Gerd Kleemeyer, dem diesjährigen Preisträger des Mülheimer Wirtschaftspreises, über die Auszeichnung und das schwierige Jahr 2024 und über das, was für 2025 hoffungsvoll stimmt.
Paul-Richard Gromnitza: „Herr Kleemeyer, wie fühlt man sich als Gewinner des Mülheimer Wirtschaftspreises 2024?“
Gerd Kleemeyer: „Hervorragend! Also, das hat uns allen großen Spaß gemacht. Man hat mich total überrascht, denn ich habe damit im Leben nicht gerechnet! Ich meinte das schon ernst, als ich bei der Preisverleihung sagte, dass die anderen Unternehmen, die mit uns im Finale standen, mit ihren großen Personalabteilungen und den vielen klugen Ideen, meiner Meinung nach diesen Preis mehr verdient hätten! Aber der Mülheimer Wirtschaftspreis ist so oder so eine ganz große Ehre, die auch jetzt noch nachwirkt, denn ich werde sogar darauf im Restaurant oder auf der Straße angesprochen. Zudem hoffe ich, dass wir durch diesen Preis und das mediale Echo demnächst noch mehr interessante Bewerbungen erhalten werden.“
Paul-Richard Gromnitza: „Was machen Sie und ihr Team mit dem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro?“
Gerd Kleemeyer: „Da gibt es tatsächlich gleich mehrere Ideen. Die einen Beschäftigten wollen es komplett spenden, die anderen möchten es, und ich zitiere, die Hälfte davon spenden und ‚den Rest versaufen‘.“
Paul-Richard Gromnitza: „In knapp zwei Wochen ist 2024 zu Ende. Wie war dieses vergangene Jahr denn für Sie als Unternehmer, Herr Kleemeyer?“
Gerd Kleemeyer: „Das zu Ende gehende Jahr war für mich als Unternehmer doch eher ein Tal der Tränen. Aber das passierte ja alles mit Ansage, denn nicht nur uns war klar, dass die Bedingungen für die Bauindustrie in 2024 besonders schwierig sein würden. Wir haben einerseits zu leiden unter den aktuell relativ hohen Zinsen am Kapitalmarkt und der Inflation, andererseits unter einigen meiner Meinung nach eher unglücklichen politischen Entscheidungen, wie z.B. das misslungene Heizungsgesetz und den daraus resultierenden Effekten auf den Markt. Das hat uns als Gera Chemie Gruppe umsatzmäßig doch stark getroffen. Wir hatten das allerdings kommen sehen und hatten uns darauf eingestellt. Wie das aber so ist, geht in so einem Jahr nicht nur eine Maschine kaputt, sondern auch eine zweite gleich mit. Auch wenn es also Summa summarum kein gutes Jahr war, so ist doch der Blick nach vorne wichtig!“
Paul-Richard Gromnitza: „Was erhoffen Sie sich von 2025?“
Gerd Kleemeyer: „Also, da bin ich vorsichtig optimistisch! Und das betrifft nicht nur unseren Absatz in Deutschland, sondern auch unsere Auslandsgeschäfte. Wir haben immerhin einen Exportanteil von über 40 Prozent, und da haben wir vorsichtige Signale, dass es im Ausland nach einem kleinen Einbruch in diesem Jahr demnächst wieder aufwärts gehen wird und also unsere Exportkurve wieder steigen wird.“
Paul-Richard Gromnitza: „Herr Kleemeyer, beim Thema Unternehmensnachfolge sind Sie ja besonders versiert, denn Sie haben selbst mit Gera Chemie und Klemafol zwei Unternehmen in Nachfolge übernommen. Wie sieht in ein paar Jahren eigentlich später mit Ihrer Nachfolge aus?“
Gerd Kleemeyer: „Ja, ich mache mir natürlich bereits Gedanken und ich habe dazu in den letzten zwei Jahren auch einige, intensivere Gespräche mit Interessenten geführt. Diese notwendigen Gespräche führe ich aber nicht nur für mich, sondern vor allem auch für meine Mitarbeiter, denen ich eine Lebensarbeitszeitperspektive versprochen habe und dies auch unbedingt einhalten will. Allerdings könnte ich noch mindestens zehn Jahre so weiter machen, denn ich arbeite eher ‚an‘ der Firma statt ‚in‘ der Firma.“ (lacht)
Paul-Richard Gromnitza: „Der Mülheimer Wirtschaftspreis wird jedes Jahr zu einem anderen Leitthema vergeben, haben Sie eine Idee, was eines in Zukunft sein könnte?“
Gerd Kleemeyer: „Ja, das kann ich mir sogar sehr gut vorstellen, das wäre nämlich das Thema „Tradition & Nachfolge“. Ich glaube nämlich, dass es in Mülheim sehr viele inhabergeführte Unternehmen gibt, die schon seit mehreren Generationen tätig sind; und denen es immer wieder auf’s Neue gelingt, ihren Betrieb in die nächste Generation zu übergeben, was keine leichte Aufgabenstellung ist. Mir fällt nämlich wiederholt auf, dass immer mehr Menschen eine unternehmerische Verantwortung scheuen. Also dieses Engagement einen Betrieb in Nachfolge zu übergeben bzw. übernehmen, finde ich sehr ehrenwert!“