„Es kann komplett in die Hose gehen, aber ich mach’s trotzdem!“
1. Juli 2025
Bild: Davina Sowieja Fotografie
Lena Collett hat es gewagt: Vom Traum auf Bali bis zur Café-Eröffnung Ende Mai war es ein langer Weg, gepflastert mit Unsicherheiten, Mutproben und einem unbeirrbaren Willen. Im Interview mit uns erzählt sie, wie sie sich durch Rückschläge nicht entmutigen ließ, was „Colettis“ besonders macht und warum ihre Reise jetzt erst beginnt.
Paul Gromnitza: Wenn ich bei einer KI den Namen Lena Collett eingeben würde, was meinst du, was käme da heraus?
Lena Collett: Ich glaube, da würde stehen, dass Lena Collett ein sehr offener, lustiger, kommunikativer Mensch ist, der super gerne unter Leuten ist, Menschen selber inspiriert und ein Herz für Kinder und Hunde hat. Und ich glaube, auch eine Frau, die alles umsetzt, was sie sich in den Kopf gesetzt hat, egal wie.
Paul Gromnitza: Hast du etwas studiert oder eine Ausbildung gemacht?
Lena Collett: Genau. Ich habe 2018 mein Abitur gemacht. Danach bin ich acht Monate gereist, weil ich nicht so recht wusste, was ich machen soll. Danach habe ich Tourismus-, Event- & Hotelmanagement studiert, inklusive einem halben Jahr in New York.
Paul Gromnitza: Wann kam der Wunsch auf, ein Café zu eröffnen?
Lena Collett: Das kam während meiner langen Reise. Da habe ich unglaubliche Cafés für mich entdeckt und irgendwann gesagt: Ich möchte auch so einen Ort in Deutschland schaffen!
Paul Gromnitza: Weißt du noch, wann du gesagt hast: Jetzt mach ich’s wirklich?
Lena Collett: Ja, das war auf Bali in einem Café. (Lacht) Im Oktober 2018 – den genauen Tag weiß ich leider nicht mehr.
Paul Gromnitza: Was war die größte Herausforderung bis zur Eröffnung?
Lena Collett: Die Entscheidung für den Standort, also zu wissen, ob es wirklich der richtige Ort mit den richtigen Menschen ist, die das Konzept annehmen. Und natürlich das Finanzielle: den Mut zu haben, ein Risiko einzugehen, obwohl es auch hätte schiefgehen können.
Paul Gromnitza: Ich vermute, die Banken waren eher zurückhaltend. Wie bist du trotzdem ans Ziel gekommen?
Lena Collett: Ich habe mir eine Coachin gesucht, die selbst drei Frühstückscafés führt. Sie coacht nebenbei junge Unternehmer*innen. Ich hatte kaum eine Ahnung, wie man sowas richtig kalkuliert und sie hat mir unglaublich geholfen. Eine KfW-Förderung war dann plötzlich doch keine Option, weil meine Hausbank nicht mitgemacht hat. Aber ich habe schließlich eine Bank in Mülheim gefunden, die an mich und mein Konzept geglaubt hat.
Paul Gromnitza: Dein Café hat jetzt Ende Mai eröffnet. Was macht ‚Collettis‘ besonders?
Lena Collett: Wir sind mehr als ein Frühstückscafé – wir sind ein Wohlfühlort. Die Idee entstand wie bereits erwähnt auf Bali. Ich versuche hier, diesen Vibe, diese Stimmung und Werte mitzunehmen bzw. zu kreieren. Unser Motto ist „Love more, be kind“. Im ‚Collettis‘ soll man sich wie in einer großen Familie fühlen, mit Freundlichkeit, Ruhe und Gemeinschaft.
Paul Gromnitza: Was gibst du anderen mit, die von einem eigenen Laden träumen?
Lena Collett: Mut, Geduld und eine sehr sorgfältige, ehrliche Kalkulation. Man muss seine Einnahmen und Ausgaben ganz genau kennen und regelmäßig prüfen. Auch wenn’s manchmal weh tut. Zudem muss man sich sagen können: Es kann komplett in die Hose gehen, aber ich mach’s trotzdem!
Paul Gromnitza: Wie geht’s weiter?
Lena Collett: Um gut davon leben zu können, möchte ich weitere ‚Colettis‘-Standorte eröffnen, das aber eher in ländlichen Gebieten. Wenn es hier am Rathausmarkt weiter so positiv läuft und sich das verstetigt, dann könnte es sein, dass spätestens in zwei Jahren das nächste Café folgen wird.
COLETTIS
Löhberg 76,
45468 Mülheim an der Ruhr
Öffnungszeiten:
Montag bis Sonntag 9:00 bis 17:00 Uhr (bei Events länger)
https://www.instagram.com/collettis.cafe/