Bundeslagebild Cybercrime 2024: Professionelle Täter, hohe Schäden
10. Juni 2025
Bild: Bundeskriminalamt
Cyberkriminalität bleibt eine der größten Sicherheitsbedrohungen in Deutschland – das zeigt das am 3. Juni 2025 vorgestellte Bundeslagebild Cybercrime 2024, das Bundesinnenminister Alexander Dobrindt gemeinsam mit BKA-Präsident Holger Münch in Berlin präsentiert hat. Die Bedrohungslage ist weiterhin angespannt, doch die Strafverfolgungsbehörden konnten 2024 auch zahlreiche Ermittlungserfolge verbuchen.
Hohe Fallzahlen und steigende Schäden
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) verzeichnete für das Jahr 2024 insgesamt 131.391 Cybercrime-Fälle mit Tatort in Deutschland. Weitere 201.877 Delikte wurden vom Ausland aus oder von einem nicht näher bestimmbaren Ort begangen. Besonders alarmierend ist der Anstieg bei Ransomware-Angriffen: 950 schwere Fälle wurden zur Anzeige gebracht. Laut Bitkom belief sich der dadurch entstandene wirtschaftliche Schaden auf 178,6 Milliarden Euro – ein Anstieg um 30,4 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr.
Ziele und Täter: Neue Dimensionen im Cyberraum
Cyberkriminelle richten sich zunehmend nicht nur gegen wirtschaftsstarke Unternehmen, sondern auch gegen kleine und mittlere Betriebe sowie Einrichtungen der öffentlichen Hand. Zudem werden geopolitisch motivierte Angriffe häufiger: 2024 wurden insbesondere pro-russische und anti-israelische Gruppierungen für eine Vielzahl sogenannter Hacktivismus-Kampagnen verantwortlich gemacht – meist in Form von DDoS-Attacken auf Behörden, Logistikunternehmen und Industriebetriebe.
Cybercrime wird industrieller und KI-getrieben
Ein besorgniserregender Trend ist die fortschreitende Professionalisierung im Bereich Cybercrime-as-a-Service. Kriminelle Dienstleistungen wie Schadsoftware, DDoS-Stresser oder Anonymisierungsdienste werden mittlerweile in industriellem Maßstab angeboten – zunehmend automatisiert und durch KI unterstützt. Diese Entwicklung dürfte sich laut Bundeskriminalamt künftig noch weiter beschleunigen.
Internationale Ermittlungserfolge zeigen Wirkung
Trotz der hohen Bedrohungslage konnte das BKA gemeinsam mit internationalen Partnern 2024 wichtige Strafverfolgungserfolge erzielen. Dazu zählen:
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Abschaltung der Plattformen Dstat.CC, Crimenetwork und AegisTools.pw
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Start der internationalen Operation Endgame
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Verfolgung von Tätern in schwer zugänglichen „Safe Havens“ durch technische, finanzielle und kommunikative Maßnahmen
Durch diese Maßnahmen wurden zentrale Elemente der kriminellen Infrastruktur zerstört, Lösegeldtransfers deutlich reduziert und das Vertrauensverhältnis in der Underground Economy nachhaltig gestört. Die Folge: Die Zahl erfolgreicher Ransomware-Angriffe ging zurück, ebenso wie die Einnahmen der Tätergruppen.
Fazit: Cybercrime bleibt gefährlich – aber der Rechtsstaat setzt Zeichen
Das Bundeslagebild Cybercrime 2024 verdeutlicht: Die digitale Bedrohungslage ist weiterhin hoch, professionalisiert sich weiter und verursacht Schäden in Milliardenhöhe. Gleichzeitig ist es den Strafverfolgungsbehörden gelungen, dem etwas entgegenzusetzen – durch internationale Kooperationen, gezielte Infrastrukturangriffe und effektive Ermittlungsstrategien. Die Erfolge zeigen, dass der Rechtsstaat im digitalen Raum handlungsfähig ist – auch wenn die Herausforderung weiter wächst.