IHK-Studie: Exporte als Wirtschaftsmotor der MEO-Region {ARCHIV}

6. Juni 2024

Bild: Industrie- u. Handelskammer für Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen


Anlässlich der Europa-Wahl hat die IHK zu Essen beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) eine Studie in Auftrag gegeben, die die besondere wirtschaftliche Bedeutung des Exports für die MEO-Region belegt.

Ein Viertel der Arbeitsplätze und der Wertschöpfung sind vom Export abhängig
Ein Blick auf die Zahlen: Die Ergebnisse der Studie belegen eine herausragende Bedeutung der Exportwirtschaft für die MEO-Region, insbesondere in Richtung EU. Mit einem Wertschöpfungsanteil von 11,2 Milliarden Euro trägt der Export mehr als ein Viertel zur Gesamtwertschöpfung der Region bei. Das bedeutet, dass mehr als jeder vierte Euro, der hier erwirtschaftet wird, direkt oder indirekt mit den Exporten zusammenhängt. Und das ist noch nicht alles: 136.000 Arbeitsplätze, also ein Viertel der Gesamtbeschäftigung, sind mit dem Export verbunden. Die lokale Wirtschaft profitiert in besonderem Maße von internationalen Handelsaktivitäten – insbesondere innerhalb der EU. Über 60 Prozent der exportabhängigen Arbeitsplätze – 85.000 – und der Wertschöpfung – 7,1 Milliarden Euro – sind vom Handel im EU-Binnenmarkt abhängig.
Hohe Bedeutung des Dienstleistungssektors im MEO-Export
Der Exportsektor beschränkt sich nicht nur auf die traditionell exportstarken Industriebranchen: Auch im Dienstleistungssektor spielen Exporte eine bedeutende Rolle. Hier sind rund 108.000 Beschäftigte in der MEO-Region direkt, indirekt oder induziert für den Export tätig. Ein besonders interessanter Aspekt ist die Rolle der MEO-Unternehmen als Vorleistungslieferanten für exportierende Unternehmen. Mehr als die Hälfte der vom Export abhängigen Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor sind so an Lieferbeziehungen mit exportierenden Unternehmen beteiligt, z. B. Wirtschaftsprüfer, Großhändler oder der Forschungs- und Entwicklungsbereich – sogar Hausmeisterservices fließen mit ein. Hier wird die enge Verflechtung der lokalen Wirtschaft mit dem internationalen Handel besonders deutlich.
Während die MEO-Region im nationalen Vergleich eine etwas geringere Abhängigkeit vom direkten Export zeigt, ist der Anteil der am Export beteiligten Zuliefererunternehmen mit 54 Prozent des Gesamteffekts deutlich größer als der nationale Durchschnitt von 45 Prozent. Der Export ist ein wichtiger Motor für den starken Dienstleistungssektor der MEO-Region, der in besonderem Maße als Vorleistungslieferant tätig ist.
Industrie stärken und Rahmenbedingungen verbessern
Eine zentrale Schwäche der MEO-Region, die zugleich Zukunftspotenzial betrachtet werden kann legt die Studie ebenfalls offen zu Tage: Die insgesamt exportintensive Industrie ist verglichen zum Bundesdurchschnitt nur noch unterdurchschnittlich in der MEO-Region existent. Immerhin generiert ein Arbeitsplatz in der Industrie laut iw Köln nahezu 50 Prozent mehr Wertschöpfung als ein Dienstleistungsarbeitsplatz (104.000 Euro: 71.000 Euro in 2022), erzeugt damit höhere Gehälter und damit wiederum höhere Steuereinnahmen für die Städte. Dabei geht es nicht nur um „traditionelle“ Industrien, die ihrerseits nicht stiefmütterlich betrachtet werden sollten, sondern insbesondere auch um Zukunftsbranchen. Hervorragende Standortfaktoren bieten der MEO-Region eine einzigartige Chance zu einer grünen Reindustrialisierung, fernab der einstmals rauchenden Schlote.

Ökonomischer exportabhängiger Fußabdruck in Mülheim an der Ruhr*:
▪ In Mülheim an der Ruhr wird eine Wertschöpfung in Höhe von 6,1 Milliarden Euro generiert, das sind 16 Prozent der Wertschöpfung der MEO-Region. Etwa 80.000 Beschäftigte produzieren in der Stadt Güter und Dienstleistungen im Wert von 23 Milliarden Euro.
▪ In Mülheim macht die Industrie mit 16 Prozent im Vergleich zu den beiden Nachbarstädten (Essen: 8 %; Oberhausen: 11 %) einen höheren Anteil an der Gesamtbeschäftigung von rund 79.800 Beschäftigten aus und liegt in der Nähe des Bundesdurchschnitts von 18 Prozent.
Gut ein Viertel der Bruttowertschöpfung (1,6 Milliarden Euro) und 23 Prozent der Beschäftigten (19.000 Beschäftigte) hängen in Mülheim direkt, indirekt oder induziert am Export. Im bundesdeutschen Vergleich gehört die Stadt damit zu den weniger exportabhängigen Gemeinden.
▪ Gut 60 Prozent der gesamten exportabhängigen Wertschöpfung in Mülheim kommen durch indirekte Exporte zustande (74% davon wiederum aus dem Dienstleistungssektor), also als Vorleistungen an exportierende Unternehmen. Nur 25 Prozent (etwa 401 Mio. Euro Wertschöpfung) durch direkte Exporte. Zum Vergleich: Der Anteil des direkten Exports am gesamten Wertschöpfungseffekt liegt in der MEO-Region bei 34 Prozent, in Deutschland bei 48 Prozent.
Mülheimer Industrie ist besonders im direkten Export stark: Die durch direkte Exporte generierte Wertschöpfung kann zu 69 Prozent den Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes zugeordnet werden (davon etwa 132 Mio. Euro Wertschöpfung im Maschinenbau und 70 Mio. Euro Wertschöpfung in der Metallerzeugung).
*Quelle: Industrie- und Handelskammer für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen