„Das fühlt sich natürlich toll an!“
19. Dezember 2025
Bild: WDL Gruppe/PR-Fotografie Köhring
Ein Gespräch mit Nora Leringer, die gemeinsam mit ihrer Mutter Petra Büse-Leringer den diesjährigen Mülheimer Wirtschaftspreis erhalten hat – über die Auszeichnung, Höhen und Tiefen des Jahres und die Zukunft.
Paul-Richard Gromnitza: Frau Leringer, wie fühlt man sich als Gewinnerin des dritten Mülheimer Wirtschaftspreises?
Nora Leringer: Wertgeschätzt. Hinter einem Ehrenamt steckt immer viel Arbeit, und wir fühlen uns durch diesen Preis wirklich gesehen. Nicht nur unsere eigene Arbeit, sondern auch das Engagement im Stadtteil und die Unterstützung unserer Kundinnen und Kunden sind dadurch sichtbar geworden. Und das fühlt sich natürlich toll an!
Paul-Richard Gromnitza: Gab es viele Glückwünsche?
Nora Leringer: Ja, reichlich sogar. Heute habe ich noch welche entgegengenommen. Die Leute kommen auch Wochen später noch vorbei, um zu gratulieren. Wir haben jede Menge Blumen bekommen.
Paul-Richard Gromnitza: Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Haben Sie schon eine Idee, wofür Sie das Geld verwenden möchten?
Nora Leringer: Ein Teil wird auf jeden Fall in die Leseförderung fließen. Zum Welttag des Buches organisieren wir immer eine große Aktion in ganz Mülheim. Für 2026 haben wir dafür schon ein, zwei neue Ideen entwickelt – etwa zusätzliche Angebote für und mit Grundschulen sowie Kindergärten.
Paul-Richard Gromnitza: Jetzt sage ich mal etwas Provokantes: Was die „Bücherträume“ machen, ist doch eigentlich Marketing. Sie müssen ja schließlich Ihre Bücher verkaufen!
Nora Leringer: Natürlich müssen wir wirtschaftlich handeln, aber vieles von dem, was wir tun, hat mit klassischem Marketing wenig zu tun. Unsere Veranstaltungen zur Leseförderung sind wesentlich mehr Arbeit, als am Ende dabei herumkommt, meist subventionieren wir die Eintrittspreise noch. Die Vorbereitung solcher Leseaktionen braucht wahnsinnig viel Zeit. Auch die Workshops, die ich gemeinsam mit einer Pädagogin anbiete – da sitzen wir stundenlang an der Planung. Uns geht es wirklich darum, Kindern das Lesen näherzubringen. Ja, wir verkaufen auch Bücher, aber dieses ehrenamtliche Engagement ist nicht wirtschaftlich motiviert, sondern kommt aus voller Überzeugung.
Paul-Richard Gromnitza: In knapp zwei Wochen ist das Jahr vorbei. Wie war es für Sie?
Nora Leringer: 2025 war ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Zu den Höhepunkten zählt natürlich der Mülheimer Wirtschaftspreis. Außerdem haben wir neue Konzepte eingeführt, die gut angekommen sind. Das Format „Date Night“ zum Beispiel oder „Einschließen und Genießen“, das in diesem Jahr besonders stark angelaufen ist. Bei der Date Night bieten wir gemeinsam mit dem Ronjas ein Candle-Light-Dinner in den Bücherträumen an. Das sind neue Ideen, mit denen wir die Menschen noch einmal auf andere Weise zu uns holen.
Paul-Richard Gromnitza: Und die Tiefpunkte?
Nora Leringer: Um uns herum schließen immer wieder Einzelhändler. Deswegen sollten die Menschen umso bewusster darauf achten, wie und wo sie einkaufen. Wer in die Städte geht, unterstützt den lokalen Einzelhandel. Onlinehändler oder große Ketten interessiert es schlicht nicht, was in der Innenstadt oder den Stadtteilen passiert. Und wir alle sind mehr als nur Einzelhändler, wir schaffen Orte an denen man sich begegnen kann.
Paul-Richard Gromnitza: Der Mülheimer Wirtschaftspreis steht jedes Jahr unter einem anderen Thema. Dieses Mal wurde soziales Engagement ausgezeichnet. Was könnte ein zukünftiges Thema sein?
Nora Leringer: Wie wäre es mit dem Leitthema „Frauen in der Wirtschaft“? Also mit Fokus auf besonderen Konzepten, die es Frauen ermöglichen, sichtbarer zu werden.
Paul-Richard Gromnitza: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Leringer!