Wirtschaftliche Ausgangslage und Entwicklung

Ökonomisch fiel Mülheim in den Jahren 2010 bis 2016 zurück

Im untersuchten Betrachtungszeitraum (2010 bis 2016) ist für die Stadt Mülheim an der Ruhr festzuhalten, dass sie wirtschaftlich sowohl gegenüber vergleichbaren Städten wie auch gegenüber dem Durchschnitt des Landes Nordrhein-Westfalen zurückgefallen ist. Daraus ergeben sich Folgewirkungen für das kommunale Steueraufkommen.

Bruttoinlandsprodukt Mülheims: niedrigster Zuwachs

Im Durchschnitt der betrachteten Städte hat sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen 2010 und 2016 vor dem Hintergrund der langanhaltenden, positiven Wirtschaftsentwicklung um rund 14,5% erhöht. Die Stadt Mülheim an der Ruhr weist hier mit rund 5,2% den deutlich niedrigsten Zuwachs auf und liegt damit auch hinter den beiden anderen Städten in der Metropole Ruhr (nach Einwohnerzahl vergleichbare Stadt Hamm rund 8,5%; Nachbarstadt Oberhausen rund 14,5%).  

Bruttowertschöpfung: höchste Rückgänge im produzierenden Gewerbe und negative Entwicklungen in umsatzstarken Industriezweigen

Die Bruttowertschöpfung der betrachteten Städte im „produzierenden Gewerbe“ unterlag im Zeitraum 2010 bis 2016 erheblichen Schwankungen. Bei einem durchschnittlichen Wachstum von 3,1% sind die höchsten Rückgänge im produzierenden Gewerbe in den Städten Mülheim an der Ruhr (rund  -19%), Hamm (rund -18%) und Offenbach am Main (rund -13,7%) zu verzeichnen. Städte wie Oberhausen (+ 16,8%) oder Solingen (+ 10,5%) konnten hingegen erhebliche Zuwächse aufweisen. Wesentliche Ursache für Rückgänge in diesem Bereich sind jeweils negative Entwicklungen in umsatzstarken Industriezweigen, die in einigen industriell geprägten Städten erhebliche Auswirkungen im „verarbeitenden Gewerbe“ (Mülheim an der Ruhr: - 22,5%) haben. Durchgehend anders verliefen die Entwicklungen im Baugewerbe. Hier hat sich die Bruttowertschöpfung und durchschnittlich rund 25,6% erhöht. Die Stadt Mühlheim liegt mit einem Zuwachs von rund 21,6% leicht unter dem Durchschnittswert aller Städte.

Bei einer vergleichenden Analyse der verschiedenen Dienstleistungsbereiche wird deutlich, dass Städte wie Leverkusen oder Mönchengladbach schwächere Ergebnisse im produzierenden Gewerbe mit durchgehend hohen Werten in den dienstleistungsbezogenen Wirtschaftszweigen kompensieren konnten. Das ist in Mülheim an der Ruhr nicht gelungen. Im Bereich „Handel/Verkehr/ Gastgewerbe/Information/Kommunikation“ lag der Zuwachs bei der Bruttowertschöpfung zwischen 2010 und 2016 bei 1%; der Durchschnittwert für alle Städte hingegen bei rund 16%. Im Bereich „finanz-, versicherungs-, unternehmensbezogene Dienstleistungen/Grundstücks- und Wohnungswesen“ gibt es zwar eine Steigerung von rund 11,6%; diese liegt aber um rund 3% unter dem Durchschnittswert für alle Städte. Lediglich im Bereich „öffentliche und sonstige Dienstleistungen/Erziehung, Gesundheit“ wird für die Stadt Mülheim an der Ruhr ein mit rund 20,6% ein überdurchschnittlicher Wert ausgewiesen.  

Kommunalsteuern: höchster Rückgang bei der Gewerbesteuer

Für den Bereich der Kommunalsteuern liegen über IT.NRW Vergleichszahlen zum Realsteueraufkommen in allen kreisfreien Städten, Kreisen und kreisangehörigen Kommunen in NRW für die Jahre 2016 bis 2018 vor. Die gemeindliche Steuereinnahmekraft bezeichnet die Realsteueraufbringungskraft einer Stadt/Gemeinde, die um die Gemeindeanteile an der Einkommen- und Umsatzsteuer erhöht und um die Gewerbesteuerumlage verringert wird. 

Bei der Entwicklung der Gewerbesteuer und der Steuereinnahmekraft für die Stadt Mülheim an der Ruhr und ihrer unmittelbaren Nachbarstädte in den Jahren 2016 bis 2018 zeigen die Zahlen zunächst, dass die Einnahmen aus der Gewerbesteuer von Jahr zu Jahr oftmals erheblichen Schwankungen unterliegen. Darüber hinaus wird aber auch deutlich, dass die Stadt Mülheim an der Ruhr im Betrachtungszeitraum im Vergleich mit den Nachbarstädten den höchsten Rückgang bei der Gewerbesteuer und als einzige Stadt auch einen Rückgang bei der Steuereinnahmekraft zu verzeichnen hatte. 

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Gewerbe- und Industriegebiete haben für Mülheim an der Ruhr eine sehr große Bedeutung

Im Rahmen der Phasen III und IV des „Gewerblichen Flächenmanagements Ruhr (GFM)“ wurde für die Jahre 2012, 2014 und 2017 in Zusammenarbeit mit IT.NRW ein systematischer Abgleich der sozialversicherten Beschäftigung innerhalb und außerhalb von Gewerbe- und Industriegebieten für alle kreisfreien Städte und Kreise durchgeführt.   

Was die Entwicklung bei den SvB innerhalb von Gewerbe-, Industrie- und Sonderbaugebieten in der Metropole Ruhr im Zeitraum 2012 bis 2017 angeht, so ist grundsätzlich festzustellen, dass sich in diesem Zeitraum die Zahl der SvB innerhalb derartiger Gebiete deutlich – im Durchschnitt um rund 13,5% - erhöht hat. Der Beschäftigungszuwachs in den Gewerbe- und Industriegebieten der Stadt Mülheim an der Ruhr liegt allerdings nur bei rund 0,7%; das ist neben den Städten Bottrop und Herne der niedrigste Wert.    

Bezogen auf die Stadt Mülheim an der Ruhr zeigt ein Abgleich,  dass hier mehr SvB innerhalb von Gewerbe- und Industriegebieten tätig sind als außerhalb (rund 29.000 zu rund 27.000). Dies ist außer in Mülheim an der Ruhr nur noch im Ennepe-Ruhr-Kreis und im Kreis Unna der Fall.  Gewerbe- und Industriegebiete haben also für die Stadt Mülheim an der Ruhr eine wesentlich größere Bedeutungals für die große Mehrheit der anderen Gebietskörperschaften in der Metropole Ruhr.    

Außerhalb der Gewerbe- und Industriegebiete lag der durchschnittliche Beschäftigungsanstieg in den Jahren 2012 bis 2017 in der gesamten Metropole Ruhr lediglich bei 6,5%, war also deutlich niedriger als innerhalb derartiger Gebiete – deren Bedeutung somit in den letzten Jahren gewachsen ist. Eine wesentliche Ursache für diese Entwicklung besteht darin, dass in zunehmendem Maße auch schnell wachsende Dienstleistungsunternehmen in Gewerbegebiete einwandern, weil sie nur dort ihre Flächenbedarfe decken können.   

In Mülheim an der Ruhr lag der Zuwachs an SvB außerhalb von Gewerbe- und Industriegebieten im Analysezeitraum bei 3% und war damit nur halb so hoch wie im Durchschnitt der Metropole Ruhr. Damit ist es in Mülheim an der Ruhr anders als in Städten wie Bottrop, Duisburg oder Essen nicht gelungen, niedrige SvB-Werte in Gewerbe- und Industriegebieten durch entsprechende Zuwächse außerhalb derartiger Gebiete zu kompensieren.

Erwerbstätigkeit & Soziale Mindestsicherungsleistungen: höchster Zuwachs an Leistungsempfängern

Ebenso wie bei den Zahlen zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt die Stadt auch in diesem Bereich mit einem Zuwachs von rund 0,4% deutlich unter den Zahlen für vergleichbare Städte und unter dem Durchschnittswert von rund 5,7%.  

Für die Stadt Mülheim an der Ruhr ergibt sich im Zeitraum 2010 bis 2017 mit rund 22,8% der höchste Zuwachs an Leistungsempfängern – rund 8,6% über dem Durchschnitt betrachteten Städte. Auch die beiden hier einbezogenen Städte aus der Metropole Ruhr verzeichnen deutlich niedrigere Zuwachsraten – die Stadt Hamm mit rund 6,1% und die Stadt Oberhausen mit rund 17,8%. Demgegenüber weisen beide Städte – wie alle anderen in diesem Panel auch – höhere Zuwachsraten bei der Erwerbstätigkeit auf als Mülheim an der Ruhr. 

Siedlungsstruktur & Nutzung Bodenfläche

Die Stadt Mülheim an der Ruhr hat mit rund 1.876 Einwohnern pro Quadratkilometer nach der Stadt Bottrop die geringste Einwohnerdichte im dichtbesiedelten Kernraum der Metropole Ruhr.  In den Nachbarstädten Duisburg (2.139 EW pro Qkm), Essen (2.173) und Oberhausen (2.742) ist die Bevölkerungsdichte wesentlich höher. 

Die Gesamtfläche der Stadt Mülheim an der Ruhr beträgt 9.128 ha. Davon sind 3.851 ha mit unterschiedlichen, siedlungsbezogenen Nutzungen (Wohnen, Infrastruktur, Gewerbe, Freizeit, Gewässer etc.) belegt. Das entspricht 42,2% der Bodenfläche – der durchschnittliche Siedlungsanteil aller kreisfreien Städte in der Metropole Ruhr liegt bei 44,7%. Rund 747 ha werden in Mülheim an der Ruhr für gewerblich-industrielle Zwecke genutzt; das entspricht 19,4% der Siedlungsfläche. Auch dieser Wert liegt unterhalb des Durchschnitts (22,6%) in der Region. 

Die Stadt Mülheim an der Ruhr ist also geringer besiedelt und weist zudem innerhalb des Siedlungsraums einen niedrigeren Gewerbeanteil auf als die meisten kreisfreien Städte in der Metropole Ruhr.   

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