Handlungsempfehlungen

Die Systematik des künftigen Regionalplans Ruhr sieht im gewerblichindustriellen Bereich fünf Flächenkategorien vor, von denen zwei besondere Relevanz für die weiteren Überlegungen in der Stadt Mülheim an der Ruhr haben:

  • Den „Kommunalen Bedarf“: Hier bestehen für die Stadt Mülheim unmittelbare Handlungsmöglichkeiten, weil bislang ein seitens der Regionalplanung ermittelter, langfristiger Bedarf von 88 ha nicht verortet wurde. 
  • Die „Regionalen Kooperationsstandorte“,  über deren Ausweisung dem latenten Bedarf an großräumigen Flächen für Unternehmensansiedlungen mit einer Mindestgröße von 8 ha Rechnung getragen werden soll. Hier wurden im Entwurf des Regionalplans bereits 23 Standorte mit einer Gesamtfläche von rund 1.260 ha ausgewählt. Es zeichnet sich aber ab, dass einige Kommunen die möglichen Standorte auf ihrem Gebiet ablehnen und daher neue Standorte in die Diskussion kommen können. Hier bietet sich eine Chance für die Stadt Mülheim an der Ruhr, zumal sich bisher nur ein Kooperationsstandort im Kernraum der Metropole Ruhr befindet.       

Der Regionalverband Ruhr (RVR) hat mitgeteilt, das Verfahren für die Erarbeitung des Regionalplans Ruhr so zu verändern, dass eine Verabschiedung des Plans in den Jahren 2022/23 zu erwarten ist. Bei der aktuell vorgesehenen Laufzeit von 20 Jahren hätte dies einen Planungszeitraum bis mindestens 2042 zur Folge. 

Parallel dazu hat der RVR angekündigt, „neben der Erarbeitung des einheitlichen Regionalplans für das gesamte Ruhrgebiet verstärkt die Regionalplanänderungsverfahren der Kommunen durchzuführen“.  

Derzeit stehen in der Stadt lediglich rund 6 ha brutto (rund 3 ha netto) zur Verfügung; die Vermarktungsrate lag in den beiden letzten Jahren bei rund 5 ha pro Jahr. Die Nachfrage nach unbebauten Flächen allein von Mülheimer Unternehmen lag im vergangenen Jahr bei rund 40 ha. Damit ist die Stadt Mülheim an der Ruhr in der Gewerbeflächenvermarktung praktisch nicht handlungsfähig.

Drei Module zur planerischen Sicherung gewerblich-industrieller Bauflächen

Vor diesem Hintergrund werden drei -parallel anzugehende – Module zur planerischen Sicherung gewerblich-industrieller Bauflächen in der Stadt Mülheim an der Ruhr vorgeschlagen: 

  • Modul 1: Mobilisierung der im Prinzip kurzfristig verfügbaren Flächen „Oberheidstraße“ und „Blücherstraße“ mit zusammen rund 5,7 ha zur Bedarfsabdeckung für ca. ein weiteres Jahr als „Behelfsbrücke“ bis zur Wirksamkeit von Ebene 2. Beide Flächen sind im Entwurf des Regionalplans Ruhr bereits als „Allgemeiner Siedlungsbereich (ASB) ausgewiesen; die B-Planung und die Änderungen des RFNP sind einzuleiten bzw. zu beschleunigen. Ausschließliche Nutzung für gewerbliche Zwecke ist sicherzustellen. 
     
  • Modul 2: Vorbereitung und Einleitung eines „Regionaländerungsverfahrens“ für die Flächen „Fulerumer Feld“,„Auberg“ sowie „Flughafen Nord“ und „Flughafen Süd“ (zusammen rund 86 ha). Ziel ist es, mit einem zusammenfassenden Verfahren die mittel- und langfristige Verfügbarkeit von Flächen für den kommunalen Bedarf zu sichern. Die Teilfläche „Flughafen Süd“ steht nach gegenwärtiger Vertragslage voraussichtlich erst ab 2034 zur Verfügung; dies ist jedoch wegen der genannten Laufzeit des Regionalplans unproblematisch.  Die Grundvoraussetzungen für dieses Verfahren sind gut, weil die Stadt Mülheim an der Ruhr die entsprechende Flächenknappheit nachweisen kann und der RVR selbst über ruhrFIS einen langfristigen, bislang nicht verortbaren Bedarf von 88 ha konstatiert hat. Die Ergebnisse des Verfahrens fließen in den Regionalplan Ruhr ein.  Parallel zum Regionaländerungsverfahren sollten die vorbereitenden Arbeiten für die entsprechenden Bebauungspläne eingeleitet werden.   
     
  • Modul 3: Vorbereitung der Anmeldung der zwei Flächen Selbeck (70 ha brutto) und Winkhausen (46 ha brutto) als „Regionale Kooperationsstandorte“ im Rahmen des weiteren Verfahrens für den Regionalplan Ruhr. Beide Standorte grenzen an Siedlungsbereiche an und verfügen über ortsdurchfahrtfreie Anbindungsmöglichkeiten an den überörtlichen Verkehr. Beim absehbaren Ausfall anderer, bislang vorgesehener Kooperationsstandorte könnten die beiden Flächen nachrücken und die Nachfrage nach derartigen Flächen im südwestlichen Ruhrgebiet (11 Anfragen nach Großflächen in Mülheim an der Ruhr allein im Jahr 2018) abdecken. 

Über die koordinierte Realisierung der drei Module wäre die Stadt Mülheim in der Lage, innerhalb der voraussichtlichen Laufzeit des Regionalplans Ruhr 

  • eine hinreichende Größenordnung von Gewerbe- und Industrieflächen für den kommunalen Bedarf planerisch zu sichern und an den Markt zu bringen
  • und darüber hinaus einen wesentlichen Beitrag zur Abdeckung der latenten Nachfrage nach Flächen über 8 ha in der gesamten Metropole Ruhr zu leisten.    

Fazit

Durch eine schrittweise Inanspruchnahme aller benannten Flächen (zusammen rund 200 ha brutto) könnten bei Berücksichtigung der Nettoflächen (rund 135 ha) bis zu 8.000 sozialversicherte Arbeitsplätze entstehen; zugleich würden der Stadt schrittweise  bis zu 16 Mio. € an zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen pro Jahr zufließen.