12 Irrtümer ...

... rund um das Wirtschafsflächenkonzept

Wir haben die 12 häufigsten Irrtümer einmal aufgelistet und dazu sachlich Stellung bezogen. Wir hoffen so, die hitzige Debatte zu versachlichen und die Notwendigkeit von (neuen) Gewerbeflächen noch einmal zu verdeutlichen.

Irrtum Nr. 01 | Früher, zum Beispiel in den 80er Jahren, war doch alles besser!

Falsch!
Tatsächlich hat Mülheim in den letzten vier Jahrzehnten mit ähnlich gelagerten Problemen zu kämpfen, wie u. a. ein Blick in das Mülheimer Jahrbuch von 1984 (Seite 82 unten) zeigt. In seinem 14-seitigen Text „Sympathisch im Abseits“ analysiert Ulrich Hinz Mülheims Lage zu Beginn der 1980er Jahre: „Denn gerade jetzt fehlen Gewerbeflächen, um den Bürgern auch künftig stabile Arbeitsplätze bieten zu können. Die braucht man dringend, wenn die Menschen in der Stadt bleiben sollen. Mit der Sympathie allein, die sich mit schönem Wohnen und reizvoller Umgebung beinahe von selbst einstellt, lässt sich nicht leben.“
 

Irrtum Nr. 02 | Ihr bekommt doch die neuen Flächen gar nicht voll!

Falsch!
Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2020 gingen bei M&B 94 Anfragen über 73,6 Hektar ein. Hätte M&B alle Anfragen bedienen können, so wären über 4000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden. Im letzten Jahr wurden bei uns insgesamt 219 Hektar Gewerbeflächen nachgefragt, das entspricht mehr als dem Anderthalbfachen der Fläche des Flughafens Essen-Mülheim. 
 

Irrtum Nr. 03 | Ihr wollt sofort alles entwickeln.

Falsch!
Bei den im Wirtschaftsflächenkonzept aufgeführten Gewerbeflächen sprechen wir stets von „Potenzialflächen“. Dabei handelt es sich um Liegenschaften, die „kurzfristig“ bis 2022, „mittelfristig“ bis 2025 und „langfristig“ bis 2040 entwickelt werden müssten. So könnte die Fläche an der Oberheidstraße in Mülheim-Winkhausen wegen einer guten vorhandenen Erschließung und ihrer übersichtlichen Größe bereits in den nächsten drei Jahren entwickelt werden. Die Potenzialfläche „Flughafen Süd“ in Mülheim-Raadt könnte hingegen planerisch und infrastrukturell erst in den nächsten 10 bis 15 Jahren erschlossen werden. 
 

Irrtum Nr. 04 | Ihr gönnt uns unseren täglichen Stau nicht!

Falsch!
Täglich müssen viele Mülheimerinnen und Mülheimer pendeln, obwohl sie gerne darauf verzichten würden. Mülheim hat täglich über 2.000 Auspendler (43.977) mehr als Einpendler (41.851) – das ist ein deutlicher Hinweis auf einen Mangel an wohnortnahen Arbeitsplätzen. Mit neuen Ansiedlungen wollen wir das nachhaltig ändern, damit Sie nicht mehr im Stau stehen. 
 

Irrtum Nr. 05 | Ihr leistet keinen Beitrag zum Klimaschutz!“

Falsch!
Alle Bemühungen führen zu einem nachhaltigeren Mülheim. Weniger Pendeln reduziert den CO2-Ausstoß, neue moderne Gewerbegebiete haben eine viel bessere Öko-Bilanz als alte Industriegebiete und können durch smartes Bauen sogar als Frischluftschneise dienen. Zudem ist nicht jedes Stück Wiese gleichzusetzen mit einer „grünen Lunge“.  

Irrtum Nr. 06 | Es ist doch naiv zu glauben, dass mit neuen Gewerbeflächen auch neue Jobs entstehen!

Falsch!
Unsere Berechnungen von tausenden neuen Arbeitsplätzen beruhen auf statistischen Erfahrungswerten. Bei den Jobs würde es sich auch eher um neue „Blue-Collar“-Arbeitsplätze, also gerade für Gering- und Mittelqualifizierte, handeln, was wiederum unter anderen die Höhe der von Mülheim zu zahlenden Unterstützungsleistungen nachhaltig senken würde. Mülheim braucht neue Arbeitsplätze, unter anderen um den städtischen Haushalt wieder ins Lot zu bringen. Es geht auch nicht immer um neue Firmen, die man in Mülheim ansiedeln möchte, sondern immer öfter um Unternehmen, die wegen fehlender Möglichkeiten drohen wegzuziehen. Mülheim hat nämlich mit 4,5 ha den niedrigsten Bestand an Betriebserweiterungsflächen unter allen kreisfreien Städten in der Metropole Ruhr.  
 

Irrtum Nr. 07 | Ihr macht Mülheim als grünen Wohnstandort kaputt!

Falsch!
Der Anteil an Pflanzengrün im Mülheimer Stadtgebiet beläuft sich auf 72,6 %. Mülheim kommt auf rund 70 Quadratkilometer Grünfläche. Selbst wenn man bis zu 200 Hektar Stadtfläche in neue Gewerbeflächen umwandeln würde, wären es immer noch 70,4 %. Mit 200 ha neuen Flächen stiege der Anteil der Gewerbeflächen an Mülheims Gesamtflächen auf 10,4 % und wäre immer noch niedriger als in den Nachbarstädten Duisburg (14,5 %), Oberhausen (12,8 %) oder Essen (11,2 %). In Mülheim wurden zudem seit 2005 über 40 Hektar Gewerbe- und Sondergebiete „entwidmet“, d.h. den Mülheimer Unternehmen „genommen“.
 

Irrtum Nr. 08 | Wir haben doch reichlich Bestandsflächen, die man sofort entwickeln könnte.

Falsch!
Bestandsflächen haben auch für uns Vorrang vor Neuflächen, aber es gibt eine Vielzahl von Gründen, die eine Neunutzung erschweren. Dazu zählen Altlasten (z.B. Erzweg), Eigentumsverhältnisse, fehlende Herstellbarkeit von Verkehrsanschlüssen, bewusst vorgehaltene Reserveflächen der Firmen, auf die die Stadt Mülheim keinen Zugriff hat, und die Nähe zu Wohnbebauung. Viele Bestandsflächen schließen außerdem wegen ihrer geringen Größe etliche Ansiedlungswünsche aus. 
 

Irrtum Nr. 09 | Ihr redet Mülheim doch immer nur schlecht, dabei können wir doch locker mit Neuss oder Solingen mithalten!

Falsch!
Mülheim stand bei den Gewerbesteuereinnahmen noch zu Anfang der 2010er Jahre mit 616 Euro/Kopf im Vergleich mit Neuss (836 Euro/Kopf) und Solingen (395,67 Euro/Kopf) gar nicht so schlecht da. Seitdem ist die Entwicklung jedoch stark gegenläufig: Während in Mülheim die Einnahmen im Jahr 2019 bei 573,10 Euro/Kopf lagen, nahm Neuss im selben Jahr 1025,22 Euro/Kopf ein und Solingen 648,85 Euro/Kopf ein. Solingen steht besser da, weil es in den letzten Jahren kontinuierlich Flächen entwickelt hat und zudem in den nächsten Jahren weitere 30 ha für die gewerbliche Entwicklung bereitstellt.
 

Irrtum Nr. 10 | Ihr seid doch nur betongeil und wollt jeden Quadratmeter sinnfrei zu bauen.

Falsch!
Gewerbegebiete des 21. Jahrhunderts haben nichts mehr mit denen aus dem letzten Jahrhundert zu tun.
Es gibt viele Beispiele für moderne, nachhaltige Gewerbegebiete. So können diese mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen, beim Wassersparen helfen und außerdem zur Verringerung städtischer Wärmeinseln beitragen – und damit einen größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten, als es an identischer Stelle beispielsweise eine monokulturelle Ackerfläche tut. Das Problem sind nicht die Gewerbegebiete, sondern vielmehr das antiquierte Bild, das viele von ihnen haben. 

Irrtum Nr. 11 | Wozu bracht Ihr überhaupt noch Gewerbeflächen? Wir sind doch auf dem Weg zu einer Dienstleistungsgesellschaft!

Falsch!
Mülheim braucht sowohl Gewerbe und Industrie als auch den Dienstleistungssektor. Nur eine gesunde Mischung garantiert Steuereinnahmen, aus denen Kitas, Schulen, Parks etc. teilfinanziert werden. 
 

Irrtum Nr. 12 | COVID-19 ändert doch alles! Zum Beispiel brauchen wir keine Büroflächen mehr, da die Menschen im Home-Office arbeiten.

Falsch!
Die Entwicklung bei den Büroflächen ist noch offen. Auch wenn Büroimmobilien gegenwärtig weniger nachgefragt werden, gilt das nicht für die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien. Seit Monaten verzeichnet M&B eine hohe Nachfrage nach Kombinationen aus Büro und Halle.
 


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