Reihe „Mittelstand funktioniert": Patrick Marx

Im fünften Teil unserer Reihe sprechen wir mit dem Apotheker Patrick Marx.

Im August besuchte Mülheim & Business ein Duzend mittelständischer Unternehmen aus verschiedenen Branchen, um im direkten Gespräch zu erfahren, warum der Mittelstand sich in der gegenwärtigen Corona-Zeit so gut behauptet. Aus den Gesprächen entstand die neunteiligen Reihe „Mittelstand funktioniert“, die wöchentlich bis Ende Oktober hier erscheinen  wird. Im fünften Teil sprechen wir mit dem Apotheker Patrick Marx, der in Mülheim drei Apotheken betreibt. 

M&B: Herr Marx, wie definieren Sie für sich den Begriff Mittelstand?
Patrick Marx: Für mich bedeutet es eine gewisse Größe nicht zu haben und auch ein gewisses Denken nicht zu haben. Also ich habe jetzt 80 Mitarbeiter, bin von sieben auf 80 Mitarbeitern gewachsen in den letzten 20 Jahren. Aber es ist immer noch eine Struktur, in der ich jeden persönlich kenne, zum Geburtstag gratuliere und für alle irgendwo der Ansprechpartner bin. Es gibt flache Hierarchien und Strukturen und das ist glaube ich ein Kennzeichen für Mittelstand.

M&B: Das heißt, die Größe macht Ihr Unternehmen zu einem mittelständischen?

Patrick Marx: Ja, die Überschaubarkeit.

M&B: Jetzt haben wir Corona gefühlt seit Ewigkeiten, aber wenn man mal so schaut, ist das ja knapp ein halbes Jahr, was haben Sie für sich als Unternehmen gelernt?

Patrick Marx: Ich habe eine Menge gelernt, gerade was Produkte angeht, die ich vorher nicht kannte, was Masken angeht, die wir nicht kannten, was die ganze Beschaffung angeht von Masken, Desinfektionsmitteln, Handschuhen, also diese Dinge des Bedarfes, die wirklich explodiert sind. Damit habe ich mich sehr viel beschäftigt, ich persönlich, aber natürlich auch mit Dingen die wir vorher nicht kannten, wie Hygienekonzepte und Abstand wahren, usw. Ich bin konfrontiert worden mit Urlaubsplanungen von Mitarbeitern, die in die Türkei gefahren und zurückgekommen sind. Es waren schon neue Herausforderungen aber das macht eben das Spannende am Unternehmertum, und daran darf man nicht verzweifeln, sondern das jeden Tag als neue Herausforderung annehmen.

M&B: Und was war so besonders hart im letzten halben Jahr?

Patrick Marx: Es ist schon die Nicht-Planbarkeit. Also auch heute weiß man nicht, was kommt, und an dem Tag, an dem wo irgendeiner ein Medikament oder einen Impfstoff entdeckt, ist alles wieder vorbei. Im positiven Sinne natürlich, aber diese fehlende Planbarkeit macht es sehr schwierig, das sind die Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen.

M&B: Und jetzt gibt es Konjunkturpakete oder Sofortmaßnahmen, Kurzarbeitergeld. Haben Sie davon etwas in Anspruch genommen?

Patrick Marx: Nein. Glücklicherweise war der Umsatz- und Kundenschwund seit dem 20. März 2020 immer noch so wenig, dass ich nicht in diese Maßnahmen gehen musste und vor allem haben wir das sehr stark aufgefangen über den Verkauf von Masken und Desinfektionsmittel. 

M&B: Haben Sie denn jetzt etwas für den Mittelstand vermisst? 

Patrick Marx: Nein. Es gibt einige Apotheken, die auch Kurzarbeit angemeldet haben, ich kenne einige, aber das hat mir jetzt nicht gefehlt. Also da war klassisches Unternehmertum gefragt, Erfindergeist, und dann ging es.

M&B: Wenn wir jetzt schon beim Wirtschaftsstandort Mülheim sind.  Wenn Sie jetzt Mülheim mit anderen Ruhrgebietsstädten vergleichen, glauben Sie, dass wir jetzt besser durch die Krise gekommen sind?

Patrick Marx: Das kann ich nicht beurteilen, aber da habe ich auch keine Wahl, wie ein Konzern vielleicht irgendwelche Teile nach Holland oder auf irgendwelche Inseln auszulagern, ich zahle Gewerbesteuern in Mülheim oder in Oberhausen. Und ich zahle Einkommenssteuern in Mülheim oder Oberhausen und das macht auch eben den Mittelstand aus, dass wir natürlich eine Beziehung zum Standort haben und hier Steuern bezahlen und hier verwurzelt sind. Und klar bin ich in Mülheim verwurzelt, es hilft mir auch nichts, wenn Krefeld oder Kassel es im Moment besser machen. Ich glaube, da hat die Politik auch nichts zu tun, da hat die Stadt auch nichts zu tun um diesen Standort in der Coronakrise besser oder schlechter zu machen. Da muss jeder sich selbst helfen. Ich bin froh, dass ich kein Reisebüro oder ein Hotel als Unternehmen führe, natürlich müsste man sich da auch etwas einfallen lassen. Ich glaube, da gibt es noch viel mehr Unterschiede, als vielleicht in der Apotheke, aber auch in der Apotheke gibt es Unterschiede, dass es eben Kollegen besser oder schlechter machen oder anders. Die Schichtarbeit, es gibt Kollegen, die angefangen haben, die Teams dann eben einzuteilen, ich habe mich dagegen entschieden, mit Schutzmaßnahmen haben wir so weitergearbeitet, das sind dann diese unternehmerischen Entscheidungen, die jeder für sich im Betrieb treffen muss, davon ist der Standort unabhängig.

M&B: Zum Schluss nochmal die Behauptung „Mittelstand funktioniert“, stimmen Sie zu?

Patrick Marx: Für mich kann ich sagen, es funktioniert, wir wachsen jedes Jahr weiter und es geht weiter, aufwärts. Eine Krise ist auch wieder eine Chance. Ich habe in den letzten 20 Jahren sieben Apotheken gekauft, einschließlich der von meinem Vater, der Schloss-Apotheke und davon habe ich drei geschlossen, weil sie einfach nicht überlebensfähig waren. Es gibt weiterhin jeden Tag eine Apotheke in Deutschland, die schließt, und ich bin sicher, ich gehöre nicht dazu. Und das bedeutet eben, dass die Starken weiterhin wachsen und die Schwachen einfach weiter Probleme bekommen werden.

M&B: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Marx!