Reihe „Mittelstand funktioniert“: Jörg Thon

Mit Peter Thon setzen wir unserer neue Reihe fort, in der wir kleine und große Mülheimer Mittelständler fragten, warum sie gut durch die Corona-Zeit gekommen sind.

Im August besuchte Mülheim & Business ein Duzend mittelständischer Unternehmen aus verschiedenen Branchen, um im direkten Gespräch zu erfahren, warum der Mittelstand sich in der gegenwärtigen Corona-Zeit so gut behauptet. Aus den Gesprächen entstand die neunteiligen Reihe „Mittelstand funktioniert“, die wöchentlich bis Ende Oktober hier erscheinen  wird. Im vierten Teil sprechen wir mit dem Gastronomen Jörg Thon (Bürgergarten und Ratskeller in Mülheim).

M&B: Wie definieren Sie für sich den Begriff Mittelstand, Herr Thon?
Jörg Thon: Mittelstand, ist die große breite Unternehmertum in Deutschland, was den größten Teil der Arbeitgeber stellt. Das ist Mittelstand und die meisten Jobs.

M&B: Und was macht jetzt ihr Unternehmen zum mittelständischen Unternehmen?

Jörg Thon: Unser Unternehmen macht zum mittelständischen: In unserer Gastronomie haben wir ja mehrere Bereiche, wir betreiben zwei Restaurants, bieten Catering an und vermieten noch einige Zimmer. Das alles ist familiengeführt.

M&B: Wie viele Angestellte haben Sie jetzt insgesamt?

Jörg Thon: Vor der Corona-Zeit hatten wir im Unternehmen fast 30 Mitarbeiter, jetzt während der Corona-Zeit ist es geschrumpft, dadurch, dass die Auszubildenen ausgelernt haben sind es derzeit 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

M&B: Jetzt kommt natürlich die Fragen, die Ihnen wahrscheinlich am meisten weh tun wird: Was haben Sie als Unternehmer aus Corona bisher gelernt?

Jörg Thon: Was haben wir aus Corona gelernt? Ganz einfach: Am Anfang war es natürlich ein Schock, wo man schnell aus einer Schockstarre rauskommen und weitermachen musste. Wir haben weiter gemacht, indem wir erstmal angefangen haben, unsere Restaurants und Küchen zu sanieren. In dieser Phase sind auch dann die Ideen entstanden, dass wir anstatt eines x-ten Außerhaus-Service, etwas ganz anderes machen wollen, nämlich dass wir selber Sachen einkochen und das dann in Gläser vor dem Ratskeller an einem Markstand verkaufen. So ging das dann wieder los. Die Theke haben wir auch zurückgebaut, eine Kühlung und eine Verkaufstheke eingebaut, wo wir dann diese Produkte auch verkaufen können.

M&B: Was war denn jetzt besonders hart im letzten halben Jahr?

Jörg Thon: Das ist eine schwierige Frage. Hart war es, nicht mehr ständig viele Menschen und Gäste um sich zu haben oder im Cateringbereich unterwegs zu sein. Bitter war es, als die Löhne fällig waren und man gesehen hat, was für die meisten Mitarbeiter rauskam. Sehr hart war es, im April die Löhne zu zahlen und ich habe dann gesehen, dass ein gelernter Koch plötzlich mit 900 € netto nach Hause geht, und ich mir dachte: Das kann doch nicht wahr sein!  Mittlerweile ist es so, dass wir unsere Mitarbeiter größtenteils aus der Kurzarbeit wieder zurückgeholt haben, es ist immer noch Kurzarbeit, aber nicht mehr in dem Maße, wie es im ersten Monat war, wo dann alles auf null stand, also null Stunden. 

M&B: Jetzt haben Sie gerade von Kurzarbeit gesprochen, das war ja sozusagen eine Soforthilfemaßnahme, die der Bund anbieten konnte, es gab ja auch Konjunkturpakete und Soforthilfen. Hätten Sie sich etwas anderes gewünscht oder was hätte man besser machen können?

Jörg Thon: Die Corona-Soforthilfe war gut. Wir sind aber jetzt [Mitte August, Anm. d. Red.] in der Abrechnungsphase und da haben wir jetzt so die Probleme und sind ja noch nicht am Ende, weil wie schon gesagt, das Geld, das wir bekommen haben für die beiden Betriebe, war einmalig. Anfänglich hieß es noch, dass diese nicht rückzahlbarpflichtig wären, wenn die Gesetzgebung und die Lage so bleiben, wie es jetzt ist, dann würde das für viele bedeuten, dass sie die gesamte Corona-Soforthilfe zurückzahlen müssten. Auch wir haben die Soforthilfe nicht nur für den Betrieb genommen, sondern im März auch noch Löhne davon gezahlt haben. Wir mussten auch unsere Auszubildenden weiter beschäftigen, natürlich sind damit auch Löhne bezahlt worden und das ist es halt, was wirklich negativ im Moment noch ist und nachhallt und wir da noch nicht am Ende sind und wir mit Berlin da noch in Gesprächen sind.

M&B: Also eigentlich reden wir jetzt davon, nicht was man noch gemacht hätte, sondern was man noch machen müsste?

Jörg Thon: Ja, ansonsten würde ich sagen, war das alles so in Ordnung. Für unsere Betriebe, denn ich kann jetzt nur für uns sprechen.

M&B: Jetzt sind Sie natürlich Mittelständler und im Gastrobereich tätig, aber jetzt bleiben wir beim Mittelstand, haben Sie für den Mittelstand etwas vermisst von den Konjunkturpaketen? 

Jörg Thon: Am Anfang war es generell schwierig, also ab einer bestimmten Größe beim Mittelstand haben ja die Betriebe dann nichts mehr bekommen, gerade was große Hotels angeht, die dann im Umsatz über die Corona-Soforthilfen hinaus gegangen sind. Diese haben natürlich über 50 Mitarbeiter und somit nichts bekommen. Was sie natürlich noch machen können, das ist schnell Kredite zu beantragen, aber eine Hilfe ist das nicht! Deshalb sind ja in Düsseldorf immer noch Hotels zu, weil die noch nicht wirtschaftlich arbeiten können, auch mit den Hilfen nicht. 

M&B: Jetzt kommen wir mal zum Wirtschaftsstandort Mülheim, Sie sind ja auch Sprecher hier der Gastronomen und vielleicht aus dieser Warte heraus, glauben Sie so, jetzt mal als Unternehmer für sich, dass Mülheim besser durch die Krise gekommen ist als andere Ruhrgebietsstädte?

Jörg Thon: Nein! Mülheim ist ein Abbild von ganz Nordrhein-Westfalen, natürlich gibt es Städte im ländlichen Kreis, die haben es vielleicht schwieriger auf der einen Seite, aber auch einfacher, weil sie ein Alleinstellungsmerkmal haben. Ich glaube, wir in Mülheim sind doch schon eher Durchschnitt. Und wir haben in Mülheim mittlerweile viele Betriebe, die jetzt ihre Saison haben und wo es funktioniert, die auch wirklich gut besucht werden und es gibt auch Betriebe, wo ich weiß, die sind wieder an ihre 100 % dran, warum? Weil viele nicht weggefahren sind und in Deutschland geblieben sind und somit  haben sie natürlich das Geld auch in hiesigen Betrieben ausgegeben. Deshalb sind die eigentlich ganz gut durchgekommen und stehen eigentlich auch gut da. Andererseits gibt es Betriebe, wie unsere, die Saisonbetriebe sind, die im Winter aktiv sind, da ist abzuwarten wie es jetzt weiter geht.

M&B: Herr Thon, vielen Dank für das Gespräch!