Reihe "Mittelstand funktioniert": Inplan GmbH

Mit der Inplan GmbH setzen wir unserer neue Reihe fort, in der wir kleine und große Mülheimer Mittelständler fragten, warum sie gut durch die Corona-Zeit gekommen sind.

Im August besuchte Mülheim & Business ein Duzend mittelständischer Unternehmen aus verschiedenen Branchen, um im direkten Gespräch zu erfahren, warum der Mittelstand sich in der gegenwärtigen Corona-Zeit so gut behauptet. Aus den Gesprächen entstand die neunteiligen Reihe „Mittelstand funktioniert“, die wöchentlich bis Ende Oktober hier erscheinen  wird. Den zweiten Teil bildet das Interview mit Mohamad Itani und Peter Stratmann, der Geschäftsführung der INPLAN GmbH.

M&B: Herr Itani, wie definieren Sie für sich den Begriff Mittelstand?

MohamadItani: Es gibt verschiedene Definitionen für den Mittelstand, gemessen an Umsatz, Gewinn oder der Mitarbeiterzahl. Ich denke, dass man vor allem drauf schauen sollte, ob die Produkte oder Dienstleistungen eines Unternehmens standardisiert am Markt angeboten werden und wie das Unternehmen geführt wird. Je mehr ein Unternehmen seine Leistung als Standard anbietet, entsprechende Abläufe eingeführt sind und die Leitung des Unternehmens über eine funktionierende Struktur unabhängig von der persönlichen Mitarbeit der Inhaber organisiert ist, spreche ich von Mittelstand. Dies gilt unabhängig für alle Branchen, für eine größere Anwaltskanzlei genauso wie für größere Handwerks-, Dienstleistungs- oder Technologieunternehmen.

M&B: Und was macht jetzt INPLAN zu einem mittelständischen Unternehmen? 

Mohamad Itani: INPLAN bietet seit über 30 Jahren Standardsoftware für Häfen, Terminals und Beschaffungsprozesse in Unternehmen an. Im Bereich der Häfen sind wir Marktführer in Deutschland mit über der Hälfte aller Seehäfen und zu einem sehr großen Anteil der Binnenhäfen. Unsere Produkte sind darüber hinaus auch im internationalen Wettbewerb führend. Von Beginn an wurde auf die Standardisierung von Produkten und internen Prozessen viel Wert gelegt, so dass INPLAN aus meiner Sicht die von mir genannten Aspekte, die ich eben aufgezählt habe, für ein mittelständiges Unternehmen erfüllt. 

M&B: Wie viele Mitarbeiter haben Sie zurzeit?

Mohamad Itani: In Mülheim beschäftigen wir derzeit 32 Mitarbeiter und im Ausland kommen weitere 38 Mitarbeiter hinzu.

M&B: Was haben Sie aus Corona gelernt oder sogar lernen müssen?  

Mohamad Itani: Die Corona-Auswirkungen waren für alle eine neue Erfahrung und den Umgang im Tagesgeschäft mussten auch wir erst lernen. Wir haben das Glück, zu einer kaum betroffenen Branche zu gehören, so dass es keine Einschränkungen für unsere Mitarbeiter gab und die Entwicklung sogar Wachstumsimpulse erzeugt hat. Der Markt hat deutlich bestätigt, dass der Digitalisierungsgrad der entscheidende Faktor für die Sicherung der Arbeitsfähigkeit und für die Überlebensfähigkeit von Unternehmen ist. Nicht allein die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Homeoffice, sondern vor allem die Verfügbarkeit der gewohnten Arbeitsabläufe in digitaler Form sind entscheidend. 

Peter Stratmann: Unsere Softwaresysteme überwachen Schiffsverkehre und Güterströme in Häfen und liefern daher sicherheitsrelevante Informationen für viele Landes- und Kommunalbehörden. INPLAN ist somit für systemrelevante Infrastrukturen verantwortlich. Daher haben wir uns bereits in der Vergangenheit auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet und für verschiedene Fälle Maßnahmen und Abläufe definiert, um schnell reagieren zu können. Hierauf konnten wir in der Corona-Zeit gut zurückgreifen. Wir haben neben neuen Hygiene- und Schutzmaßnahmen entsprechend frühzeitig Tätigkeiten ins Homeoffice verlagert und durch die Nutzung verschiedener digitaler Plattformen die Kommunikation intern und mit unseren Kunden ergänzt. Aber auch wir haben Punkte festgestellt, zu denen neue Lösungen gefunden wurden und bei denen wir nachgearbeitet und investiert haben.

M&B: Was war denn besonders hart im letzten Halbjahr? 

Mohamad Itani: Wie gesagt, INPLAN gehört zu den glücklichen Unternehmen, die kaum unter Covid-19 leiden mussten. Für unsere Mitarbeiter und vor allem die Kommunikation ist es natürlich eine große Umstellung gewesen, auf einmal wochenlang von Zuhause aus zu arbeiten. Es war ungewöhnlich, mit etwa gleich verteilten Vor- und Nachteilen. Am Ende waren die meisten froh, sich im Büro wieder persönlich begegnen zu können. Wir haben mit der Firma GRED German Real Estate Development noch ein zweites Standbein in Mülheim; wir investieren und verwalten Immobilien im Bereich Gewerbeimmobilien. In diesem Segment haben wir schon deutlicher gemerkt, wie hart diese Krise einige Mieter bzw. Branchen getroffen hat, u.a. im Veranstaltungsbereich oder der Gastronomie. Wir haben bestmöglich versucht, unseren Teil zur Milderung der Probleme beizutragen und freuen uns, dass es langsam wieder aufwärts geht.

M&B: Ich glaube, dass Sie keine Kurzarbeit beantragen mussten, aber das, was Sie mitbekommen haben, würden Sie sagen, da hätte man etwas besser machen können? Hätte man für den Mittelstand jetzt konkret noch etwas anders machen müssen?

Mohamad Itani: Das stimmt, wir haben selbst keine der vielen Hilfen in Anspruch genommen. Aber wir arbeiten mit Freelancern, also Soloselbstständigen zusammen. Diese waren stark von den Einschränkungen durch Covid-19 betroffen und wurden nach unserer Beobachtung von den Hilfsprogrammen zu wenig berücksichtigt. Der Anteil der Soloselbstständigen wächst bereits über Jahre und es sollte in Zukunft mehr an diese Gruppe gedacht werden. Aber ansonsten waren die Maßnahmen, insbesondere die Geschwindigkeit, sehr wichtig und richtig. Gerade unsere internationalen Geschäftspartner schauen mit viel Achtung und Respekt auf dieses Stück „Made in Germany“. Da darf man nicht vieles negativ reden, was Bundes -und Landesregierung gemacht haben, es hat vielen Unternehmen und dem internationalen Ansehen sehr geholfen. 

M&B: Und wenn man jetzt an den Mittelstand denkt, haben Sie da etwas vermisst oder vermissen Sie noch etwas?

Mohamad Itani: Da wir selber nicht so stark betroffen waren, kann man nicht sagen, dass wir etwas vermisst haben. Aber man tauscht sich mit vielen Geschäftspartnern aus und ich kenne mehrere Fälle, in denen die Entscheidung über die Gewährung von Hilfen sehr lange gedauert hat. Man hätte neben den Hilfsprogrammen auch die Prozesse dahinter entsprechend beschleunigen müssen, damit die Leute Hilfen auch entsprech¬end schnell bekommen, Stichwort „schlanke“ oder „digitale Verwaltung“. 

Peter Stratmann: Ich sehe da einen weiteren Aspekt. Der Mittelstand ist der robusteste Teil der Wirtschaft in Deutschland, einzigartig in der Welt. Wenn wir jetzt die Coronakrise als größte Herausforderung im internationalen Vergleich mit Bravour ge¬meistert haben, darf man darauf stolz sein und sollte die Chance für einen kraftvollen „Ruck nach vorne“ ergreifen. Man merkt jedoch in der öffentlichen Kommunikation, dass häufig fast schon das Gegenteil der Fall ist und Krisenangst und Verunsicherung mehr Raum einnehmen, als die hervorragend erzielten Leistungen hervorzuheben. Die gezeigte positive Energie überall im Land und unsere funktionierenden Mechanismen, sollten den gesellschaftlichen Zusammenhalt, wirtschaftlichen Erfolg und Europas Rolle in der Welt nachhaltig stärken. Hierzu fehlt eine entsprechende Kommunikation in den Medien und der Mittelstand erwartet vor allem von der Politik, dass endlich entschieden mehr für ein geschlossenes Auftreten Europas unternommen wird.

Mohamad Itani: Weltweit hat man über Deutschland nur positiv berichtet, nur im eigenen Land gab es streckenweise eine recht negative Kommunikation.

M&B: Also aus allem, was ich jetzt gehört habe, höre ich ein ganz eindeutiges: „Mittelstand funktioniert“ mit drei Ausrufezeichen dahinter.

Peter Stratmann: Eindeutig ja, ohne den robusten, schnellen und erfolgreichen Mittelstand sähe die wirtschaftliche Lage dramatisch anders aus.

M&B: Funktioniert der Wirtschaftsstandort Mülheim im Vergleich zu den anderen Ruhrgebietsstädten besser, schlechter oder was würden Sie dazu sagen? 

Mohamad Itani: Ich habe in den lokalen Nachrichten häufiger gehört, wie schlecht es um den Wirtschaftsstandort Mülheim stehe, aber aus eigener Erfahrung kann ich dies oder das Gegenteil nicht bestätigen. Ich denke, dass im Ruhrgebiet alle Standorte mehr oder weniger gleich funktionieren und viel stärker eine regionale Zusammenarbeit stattfinden sollte. Meine Firma war lange in Oberhausen ansässig und ich wohne privat in Moers. Mit dem Ziel, in einer eigenen Immobilie das Geschäft weiter zu expandieren, fanden wir in Mülheim eine passende Immobilie in sehr schlechtem Zustand und haben dies als Entwicklungs-Chance gesehen. 2015 ist INPLAN nach dem Erwerb der Unternehmensimmobilie und der Investition in die Sanierung nach Mülheim umgezogen. Durch die Wirtschaftsförderung und durch die Verwaltung der Stadt Mülheim wurden wir effektiv unterstützt und konnten unsere Pläne ohne große Hindernisse umsetzen. 

Peter Stratmann: Die Frage nach dem Wirtschaftsstandort Mülheim liegt vor allem in der Verantwortung politischer Entscheidungen. Leider gibt es hierzu noch keine klare Linie, welche die Interessen der Stadtgesellschaft und Wirtschaft berücksichtigt. Insofern fehlen die Voraussetzungen für ein nachhaltig erfolgreiches Funktionieren des Wirtschaftsstandortes Mülheim und in der logischen Konsequenz reibt man sich in der Diskussion um Einzelfragen auf, wie zuletzt bei der Flächendiskussion zu beobachten. Daneben bietet Mülheim alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung mit mehr Arbeitsplätzen, einem höheren Lohnniveau und einer fairen Gewerbesteuer. Nach der Kommunalwahl braucht es hierfür ein klares Konzept und politische Entscheidungen. Der Mittelstand und wir mit unseren Unternehmen tragen davon unabhängig die Verantwortung für eine positive Unternehmensentwicklung und zukunftssichere Arbeitsplätze für unsere Mitarbeiter.

M&B: Herr Itani und Herr Stratmann, vielen Dank für das Gespräch!


KURZINFO zur INPLAN GmbH
INPLAN bietet seit über 30 Jahren Softwarelösungen für Häfen, Terminals und die Einkaufsprozesse in Unternehmen an. Namhafte Unternehmen wie BASF, ThyssenKrupp, ARAG, DEVK oder Santander Consumer Bank sind INPLAN-Kunden. Das Unternehmen ist bei Häfen in Deutschland Marktführer, auch im internationalen Wettbewerb sind die INPLAN Produkte führend. Die Softwareentwicklung und der Kundensupport sind in Mülheim angesiedelt, das Unternehmen verfügt über weitere Repräsentanzen und Kooperationen mit Schwerpunkt im Nahen Osten.