Reihe "Mittelstand funktioniert": GRAF Rohrleitungs- und Tiefbau GmbH.

Im siebten Teil sprechen wir mit Norbert Graf, dem Geschäftsführer der GRAF Rohrleitungs- und Tiefbau GmbH.

Im August besuchte Mülheim & Business ein Duzend mittelständischer Unternehmen aus verschiedenen Branchen, um im direkten Gespräch zu erfahren, warum der Mittelstand sich in der gegenwärtigen Corona-Zeit so gut behauptet. Aus den Gesprächen entstand die neunteiligen Reihe „Mittelstand funktioniert“, die wöchentlich bis Ende Oktober hier erscheinen  wird. Im siebten Teil sprechen wir mit Norbert Graf, dem Geschäftsführer der GRAF Rohrleitungs- und Tiefbau GmbH.

M&B: Herr Graf, was ist für Sie Mittelstand?

Norbert Graf: Mittelstand sind für mich Firmen, die eine gewisse Größenordnung nicht überschreiten.  Mittelstand stellt die Lebensader in Deutschland dar, zurzeit und auch in Zukunft, hoffe ich. Aber es wird immer schwieriger den Mittelstand zu erhalten, denn gerade der Mittelstand in unserer Branche, also dem Tiefbau, Rohrleitungsbau, Straßenbau, hat Schwierigkeiten mit dem Nachwuchs. Nicht jeder ist heute noch bereit, wochenlang auf Montage zu gehen. Ich bin seit 1991 Geschäftsführer und bemerke, dass es in den letzten Jahren immer schwieriger wurde, bei den jungen Leuten Kapazitäten zu binden. 

M&B: Was macht denn Ihr Unternehmen zu einem mittelständischen Unternehmen?

Norbert Graf: Wir sind ein mittelständischer Familienbetrieb mit rund 160 Angestellten. Mein Sohn Niklas, der schon seit ein paar Jahren hier im Betrieb tätig ist, und ich kennen unser Personal und wir führen täglich Gespräche, um unsere Angestellten mitzunehmen. Der Kommando-Ton von früher ist schon lange passé, denn die guten Leute finden ja morgen sofort auch woanders Arbeit, das ist so. Wenn man jemanden zu sehr in die Mangel nimmt, dann wird er schnell weg sein. 

M&B: Was haben Sie als Unternehmen bis jetzt aus Corona gelernt?

Norbert Graf: Gott sei Dank haben wir ja Glück gehabt und wegen Corona nur wenige Einschnitte gehabt. Es gab coronabedingt Einschnitte, weil bei den Kommunen und bei den Auftraggebern, sehr viel Personal in Home-Office war und man nicht alles im Home-Office machen kann. Man muss auch mal raus auf die Baustelle. Dadurch gab es Verschiebungen oder die eine oder andere Änderung, aber im Großen und Ganzen können wir uns nicht beschweren.

M&B: Und was war jetzt so besonders hart in der Corona-Phase, die ja noch nicht zu Ende ist?

Norbert Graf: Also, das wirklich Harte kommt vielleicht ja noch! Wir sind ständig mit unserem Arbeitssicherheitsteam im Austausch, um festzustellen, wo wir uns hygienemäßig noch verbessern können. Etwas, was wir sofort geändert haben, ist das die Arbeitsteams mit dem Firmenbus oder LKW nach Hause fahren dürfen und diesen nicht mehr abliefern müssen. Das ist bequem und spart Zeit. Wenn Corona mal vorbei sein sollte, dann werden sich einige wieder umstellen müssen, wobei ich glaube, dass es nie enden wird, Corona wird wie die Grippe auch immer da sein.

M&B: Haben Sie irgendwie irgendwelche Konjunkturpakete, irgendwelche Kredite nutzen können, nutzen müssen?

Norbert Graf: Überhaupt nicht, nein.

M&B: Haben Sie da etwas mitbekommen, haben Sie sich damit etwas beschäftigt? 

Norbert Graf: Nein.

M&B: Weil die nächste Frage wäre, was hätte man bei den Paketen besser machen können?

Norbert Graf: Also, es war immer Arbeit da und wenn Arbeit da ist und der Betrieb läuft, sind solche Hilfspakete zurzeit nicht relevant.

M&B: Also keine Kurzarbeit, nichts? Die ganze Zeit über nicht?

Norbert Graf: Nein.

M&B: Sie beschäftigen sich ja sicher mit der Materie als Geschäftsführer. Von den ganzen 1,3 Billionen Euro, die da an Sofortmaßnahmen, Steuer-  und  Mehrwertsteuersenkungen mittlerweile aufgelaufen sind, haben Sie da etwas für sich vermisst?

Nobert Graf: Was heißt vermisst? Ich finde die Steuersenkung mit den 16 Prozent ist ein Chaos und hat uns nur noch mehr Arbeit gebracht, sehr sehr sehr viel mehr Arbeit. Ob das jetzt etwas bringt, kann ich nicht beurteilen, das merken vielleicht andere, wenn man sich privat ein Auto kauft und kriegt das 3 % günstiger. Das kann ich nicht beurteilen. Ich finde diese Sache mit den Mehrwertsteuern total überflüssig, dumm. Also das hätte ich nicht befürwortet. Aber gut, das macht die Regierung, man hätte andere Mittel finden können für den Endverbraucher. 

M&B: Wenn man jetzt Mülheim mit den anderen Ruhrgebietsstätten vergleicht, steht Mülheim jetzt besser da oder schlechter?

Norbert Graf: Schlechter und besser, das würde ich jetzt gar nicht von Corona abhängig machen. Ich komme sehr viel durch das Ruhrgebiet und man sieht leider, dass viele Städte sich negativ verändern. Bleiben wir aber bei Mülheim. Die Innenstadt ist ein Trauerspiel. Mülheim war eine florierende Stadt, eine gute Stadt und auch die Innenstadt war sehr schön. Das ist ja politisch gewollt, dass ein Umbruch stattfindet, der Umbruch zieht jetzt immer mehr von der Eppinghofer Straße Richtung Innenstadt und wenn wir das alles so wollen, dann ist das so. 

M&B: Von welcher Stadt im Ruhrgebiet, kann man sich eine Scheibe von abschneiden?

Norbert Graf: Eine Musterstadt im Ruhrgebiet, die gibt es glaube ich nicht.

M&B: Mittelstand funktioniert, was halten Sie denn von dieser These?

Norbert Graf: Das wird so sein. Denn viele Familienunternehmen und kleinere Unternehmen, unterstützen sich gegenseitig. Wir arbeiten ja teilweise auch mit anderen mittelständischen Firmen zusammen, die wir gut kennen und die gute Qualität liefern. Das ist eine mittelständische Familie sozusagen. 

M&B: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Graf!


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Die Mülheimer GRAF Rohrleitungs- und Tiefbau GmbH ist seit 1945 zuverlässiger Partner der Versorgungsindustrie. Mit einem flexiblen und kompetenten Team von 160 Mitarbeitern sowie einem Maschinenpark mit modernster Technik löst GRAF die Herausforderungen in den Bereichen Versorgungs-, Entsorgungs- und Telekommunikationstechnik.