„Mittelstand funktioniert“: EASY SOFTWARE (2/2)

Wir setzen unserer neue Reihe fort, in der wir kleine und große Mülheimer Mittelständler fragten, warum sie gut durch die Corona-Zeit gekommen sind.

Im August besuchte Mülheim & Business ein Duzend mittelständischer Unternehmen aus verschiedenen Branchen, um im direkten Gespräch zu erfahren, warum der Mittelstand sich in der gegenwärtigen Corona-Zeit so gut behauptet. Aus den Gesprächen entstand die neunteiligen Reihe „Mittelstand funktioniert“, die wöchentlich bis Ende Oktober hier erscheinen  wird. Den Auftakt bildet das Interview mit Oliver Krautscheid, Vorstand der EASY SOFTWARE AG. Aufgrund der Länge bringen wir das spannende Interview in zwei Teilen. Hier der zweite Teil...

M&B: Sie haben ja schon gesagt, dass Sie Kurzarbeitergeld usw. nicht in Anspruch haben nehmen müssen. Aber von den Soforthilfemaßnahmen und Konjunkturpaketen, die im Umlauf waren, haben Sie da etwas vermisst oder gesagt, da hätte man vielleicht was besser machen müssen?

Oliver Krautscheid: Die Kombination aus Entlastung auf der Personalkostenseite plus die Liquiditätsunterstützung war die richtige flankierende Maßnahme auf dieses historisch für mich einmalige Ereignis, monatelang deutschland- und europaweit alles zu schließen. Insofern muss ich sagen, hat die Bundesregierung vieles richtig gemacht. 

Was hätte man besser machen können? Ich fand es schade, dass die Hilfen ganz überwiegend noch in Papierform stattgefunden haben; alles war sehr manuell, das hätte man auch digital machen können. 

Ein anderes Defizit – gerade für den Mittelstand – sehe ich darin, dass man mit der Mehrwertsteuerreduktion im Wesentlichen Großunternehmen geholfen hat. Wir sind im B2B-Markt; unsere Kunden sind Unternehmenskunden. Die haben einen Vorsteuerabzug; da ist es Jacke wie Hose, ob es 16% oder 19% sind. Richtig ausschlaggebend ist das nur, wenn ich hochpreisige Güter habe, wie z.B. ein Auto, das im Inland verkauft wird. Meines Erachtens ist diese Mehrwertsteuerreduktion größtenteils am (exportorientierten) Mittelstand vorbeigegangen.

Und das letzte Thema ist, dass bei den finanziellen Hilfen, die man unbürokratisch zunächst einmal zur Verfügung gestellt hat, völlig unklar war, ob das ein Zuschuss oder eine Liquiditätshilfe ist. Deckt sie einfach den Geschäftsausfall oder muss sie zurückgezahlt werden? Im Nachhinein hieß es, das muss alles zurückgezahlt werden. Das führt natürlich dazu, dass einige Unternehmen in Schwierigkeiten geraten. Für unsere Kunden kann ich schon sagen, dass sie noch gesund dastehen. Aber wie sieht das mit deren Kunden aus? Das Thema Domino-Effekt und Folgeinsolvenzen. Ich weiß ja nicht, ob es, wenn jetzt eine Reihe von kleineren Unternehmen insolvent gehen, unsere Kunden betrifft und die dann wiederum ins Schwimmen geraten. 

M&B: Hätte man für den Mittelstand jetzt konkret noch etwas anders machen müssen?

Oliver Krautscheid: Ich denke, dass Förderkredite für den Mittelstand hilfreich gewesen wären. In einer Zeit, wo wir negative Zinsen haben, hätte man die staatliche Kreditschleuse öffnen können, damit dann auch eine Langfristigkeit besteht und nicht unklar ist, ob der Zuschuss oder die Liquiditätsspritze bis zum Jahresende zurückgezahlt werden muss. Diese Planbarkeit war nicht gegeben und das hätte man verbessern können.

M&B:  Beschäftigen wir uns mit Mülheim. Wenn Sie jetzt den Wirtschaftsstandort Mülheim mit anderen Ruhrgebietsstädten vergleichen, würden Sie sagen, Mülheim steht besser da oder eher schlechter?

Oliver Krautscheid:  Ich schätze Mülheim sehr – auch als Anwohner. Mülheim ist verkehrsmäßig sehr gut angebunden. Mülheim hat, wie ich hier gesehen habe, wirklich sehr viele Grünflächen und ist deswegen auch begehrter Wohnort. Zugleich sind die Mieten bezahlbar. Wir sind Teil dieses riesigen Einzugsgebiets zwischen Düsseldorf, Essen, des Ruhrgebiets. Hier leben sehr viele Menschen. Für uns ist es Mitarbeitermarkt und ein großer Absatzmarkt für die Industrie, die hier ist, aber zunehmend ist es eben auch die Dienstleitung in der gesamten Metropolregion, die für uns interessant ist. Außerdem haben wir die Nähe zu verschiedenen Hochschulen, die für uns hilfreich sind. Insofern muss ich sagen, finde ich Mülheim sehr gut aufgestellt. Wir hatten vor ein bis zwei Jahren mal die Überlegung, wo wir im Expansionsfall hingehen könnten und es kam auch die Frage auf, was man von Düsseldorf oder auch einem anderen Standort hielte. Da hat die Belegschaft ganz überwiegend gesagt: bitte nicht Mülheim verlassen! Insofern stand das nie in Frage. Ich meine, Bochum hat auch eine schöne Universität, eine sehr renommierte, und in Dortmund gibt es sehr viele interessante IT-Unternehmen, aber Mülheim passt sehr gut zu uns.

M&B: Herr Krautscheid, vielen Dank für das Gespräch!


Über EASY SOFTWARE
Die EASY SOFTWARE AG mit Sitz in Mülheim an der Ruhr entwickelt seit 1990 intuitiv bedienbare, maßgeschneiderte Softwareprodukte für Kunden zur Digitalisierung von Geschäftsprozessen, die sich nahtlos in bestehende Systeme integrieren lassen und Arbeitsabläufe ihrer Kunden weltweit automatisieren, mobilisieren und optimieren. EASY stellt diese Lösungen On-Premises, in der Cloud und mobil zur Verfügung.

Mit über 13.600 branchenübergreifenden Installationen ist die EASY SOFTWARE AG eines der marktführenden Unternehmen für Softwareprodukte und Softwarelösungen in Deutschland. Seit der Gründung im Jahr 1990 ist das Unternehmen in 60 Ländern aktiv und beschäftigt aktuell 393 Mitarbeiter. Die EASY SOFTWARE verfügt dabei über ein Netzwerk von rund 100 Partnern. Ihre internationalen Tochterunternehmen befinden sich in Europa, Asien und den USA

Im Geschäftsjahr 2019 erzielte die EASY SOFTWARE Gruppe Umsatzerlöse von 50,6 Mio Euro.