MINT-Nachwuchsbarometer 2020

Die Befunde sind alarmierend: Schüler lernen in Mathematik und technischen Fächern immer weniger.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erklären in der Coronakrise Prinzipien der Virologie und berechnen Modelle zum Verlauf der Pandemie. Unternehmen stellen ihre Produktion auf Medizintechnik und -materialien um – und die schulische Bildung wird in den digitalen Raum verlagert. MINT ist "systemrelevant", eine nachhaltige Stärkung der MINT-Bildung und des -Nachwuchses ist daher notwendig. Das MINT Nachwuchsbarometer 2020 von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Körber-Stiftung zeigt, wo Problemstellen liegen und welche Anstrengungen im Bildungssystem für eine qualitativ bessere MINT-Bildung unternommen werden müssen.

Sinkende Leistungen, große Risikogruppe
Seit dem Jahr 2012 sinken die mathematischen und naturwissenschaftlichen Leistungen der 15-Jährigen kontinuierlich. Rund 20 Prozent dieser Altersgruppe zählen zur Risikogruppe, denn sie sind in Mathematik und Naturwissenschaft nicht auf dem notwendigen Niveau, um erfolgreich ihren Ausbildungsweg in Schule oder Beruf fortzusetzen. Gerade für Mathematik als Schlüsselqualifikation für viele MINT-Berufe ist dies alarmierend. In Mathematik gibt es zudem einen erheblichen Unterschied zwischen den Bundesländern: So entspricht der Abstand zwischen den Schülerinnen und Schülern der neunten Klasse im leistungsstärksten und schwächsten Land einer Lerndifferenz von etwa zwei Schuljahren.

Bei der Digitalen Bildung fehlen grundlegende Kompetenzen im Umgang mit den digitalen Medien. 33 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in der achten Klasse gelten als leistungsschwach. In der Oberstufe wählt nur ein Prozent der Jugendlichen einen Leistungskurs Informatik. Und nur knapp 14 Prozent der Abiturientinnen und Abiturienten können systematisch nach Informationen im Netz suchen und diese hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit beurteilen. 

Auf die Lehrkräfte kommt es an: Bedarf in MINT steigt
Die Anzahl der Lehramtsstudierenden im MINT-Bereich wächst. So nahmen beispielsweise im Jahr 2018 rund 6.800 junge Erwachsene ein Lehramtsstudium im Fach Mathematik auf – und damit rund 1.400 mehr als noch im Jahr 2015. Allerdings: Von allen Lehramtsstudierenden entschieden sich nur zwei Prozent für das Fach Informatik. Es wird also weiterhin zu wenig Informatiklehrkräfte geben. Auf den steigenden Bedarf an MINT-Lehrerinnen und -Lehrern reagieren viele Schulen mit dem Einsatz fachfremder Lehrkräfte: 10 Prozent der Mathematiklehrkräfte unterrichten in der 9. Klasse an Gymnasien ohne das Fach studiert zu haben, je nach Region fällt diese Zahl noch deutlich höher aus. Eine wichtige Schlüsselrolle kommt daher der Lehrerbildung zu.  

MINT als Grundlage für Innovation und Zukunft
"Mit Corona hat die digitale Bildung in den vergangenen Wochen einen Boom erlebt, uns wurde aber auch vor Augen geführt, was wir versäumt haben: das schulformübergreifende Einüben grundlegender computer- und informationsbezogener Kompetenzen – sowohl bei Schülerinnen und Schülern als auch bei Lehrkräften. Auch dafür müssen wir dringend in die Ausbildung und Weiterbildung von Lehrkräften im MINT-Bereich investieren und dabei die Fortbildungen für Lehrkräfte auf den Prüfstand stellen: Wirksame Fortbildungen münden in einem messbaren Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler", so Olaf Köller, Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) und Studienleiter des MINT Nachwuchsbarometers.