Mehr Ausbildungsstellen in Mülheim an der Ruhr

Unternehmerverband: Ausbildung müsse wieder mehr Wertschätzung erfahren. Berufsschulen müssen zudem gut mit Lehrpersonal und digitaler Technik ausgestattet werden.

In wenigen Wochen, am 1. August 2019, beginnt das neue Ausbildungsjahr. Eine Zahl alarmiert den Unternehmerverband: Derzeit sind 47.707 Ausbildungsplätze in NRW unbesetzt, noch einmal 5,9 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr – das geht aus aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor. „Das verschärft den Fachkräftemangel in der Wirtschaft weiter“, bedauert Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes. Schon lange steuerten die Unternehmen selbst gegen, indem sie immer mehr Ausbildungsplätze anbieten – nur fehlen die Jugendlichen, die sich bewerben.

In Mülheim beweisen die reinen Zahlen dieses unternehmerische Engagement: Die Firmen in dieser Stadt melden mehr Ausbildungsplätze als im Vorjahr, insgesamt knapp 1.165. 365 junge Mülheimer haben laut Arbeitsagentur derzeit noch keine Ausbildungsstelle, demgegenüber stehen 524 offene Stellen. „Für Jugendliche und Unternehmen ist also noch einiges drin“; so hofft Schmitz, dass kurzfristig noch viele Verträge abgeschlossen werden. Helfen könne Flexibilität auf beiden Seiten: So könne das Unternehmen von der geforderten „Zwei“ in Mathe abweichen und mit ein wenig Nachhilfe im Betrieb die notwendigen Kenntnisse vermitteln; oder der Bewerber könnte außerhalb seines Wunschortes oder seines Wunschberufes suchen.

Ein Grund: demografischer Wandel

Dass immer mehr Ausbildungsstellen offen bleiben, hat mehrere Gründe, wie der Arbeitgebervertreter erläutert: „Neben dem demografischen Wandel wird das Problem unbesetzter Ausbildungsstellen dadurch verschärft, dass immer mehr junge Leute studieren wollten anstatt eine Ausbildung anzufangen“, erläutert Schmitz. Deshalb müsse die Wahrnehmung zurechtgerückt werden, eine Ausbildung sei altmodisch oder zweitrangig. „Die Ausbildung muss wieder mehr Wertschätzung erfahren, die Berufsschulen müssen zudem gut mit Lehrpersonal und digitaler Technik ausgestattet werden“, fordert Schmitz.

Des einen Leid, des anderen Freud: Bislang noch unversorgte Jugendliche können optimistisch sein, auch kurzfristig noch eine Ausbildungsstelle zu finden. Schmitz ermutigt sie: „Nicht jeder braucht Abitur. Eine Duale Ausbildung ist ein tolles Fundament, um später einen ordentlichen Beruf ausüben zu können, mit dem man seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.“ Insbesondere richtet sich Schmitz‘ Appell an Jugendliche, die lieber auf einem Berufskolleg die ‚sichere Schulbank‘ wählen, weil sie sich zu Unrecht wenig Hoffnung auf eine erfolgreiche Bewerbung bei einem Unternehmen machen. „Die Betriebe suchen Leute, die motiviert und engagiert sind, gute Noten sind nicht das Wichtigste. Viele Firmen unterstützen ihre Azubis auch beim Unterrichtsstoff, weil sie so dringend Leute suchen, die einen gewerblich-technischen Beruf erlernen und mit dem Gesellenbrief in der Tasche weiter im Ausbildungsbetrieb tätig bleiben wollen.“

Noch unversorgten Bewerbern, aber auch suchenden Firmen, empfiehlt Wolfgang Schmitz, den Kontakt zur örtlichen Arbeitsagentur oder zur Industrie- und Handelskammer aufzunehmen. „Es gibt nicht nur tolle unterstützende Programme, Fördermittel und Ideen, wie Bewerber und Firma besser zusammengebracht werden können, sondern auch Lehrstellenbörsen.“

Auf ein Angebot speziell für Berufe in der Metall- und Elektroindustrie weist Schmitz abschließend hin: Unter www.meberufe.info sind derzeit über 9.000 freie Ausbildungsplätz aufgeführt, „reinklicken lohnt sich“.