Landesregierung verleiht zum 10. Mal den Innovationspreis 

Ausgezeichnet wurde der Bonner Informatikprofessor Prof. Dr. Matthew Smith und die Bochumer Physikerin Jun.-Prof. Dr. Anna Grünebohm.

Wie kann die Verhaltensforschung dabei helfen, IT-Netze sicherer zu machen und schon beim Programmieren Einfallstore für Hacker aufzuspüren? Welche Möglichkeiten bietet die Blockchain-Technologie zur Weiterentwicklung der Logistik? Mit Hilfe welcher Materialien können z.B. Batterien, Chips und Sensoren effizienter und ohne Treibhausgase gekühlt werden? Für ihre herausragenden Arbeiten in diesen Zukunftsfeldern hat Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart den Innovationspreis Nordrhein-Westfalen an Persönlichkeiten verliehen, deren Forschungsergebnisse zur Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen geeignet erscheinen: 

•    Der Ehrenpreis geht an Prof. Dr. Dr. h.c. Michael ten Hompel, den Wegbereiter für das Internet der Dinge und Vordenker der Industrie 4.0 in der Logistik. Er ist Initiator des Europäischen Blockchain-Instituts in Dortmund.
•    Den Preis in der Kategorie Innovation erhält der Bonner Informatikprofessor Prof. Dr. Matthew Smith für seine Forschungen und Anwendungen an der Schnittstelle zwischen technischer IT-Sicherheit und Verhaltensforschung.
•    Mit dem Nachwuchspreis wurde die Physikerin Jun.-Prof. Dr. Anna Grünebohm von der Ruhr-Uni Bochum ausgezeichnet. Sie forscht an innovativen Materialien zur klimaschonenden Kühlung auch kleinster Geräte u.a. der Computer-, Bio- und Medizintechnik. 

Innovationsminister Pinkwart: „Nordrhein-Westfalen ist auf bestem Weg, zum führenden Innovationsstandort in Deutschland zu werden. Das zeigen die herausragenden Forschungsleistungen und Anwendungen, die wir heute mit dem Innovationspreis des Landes auszeichnen. Diese nach dem Zukunftspreis des Bundespräsidenten höchstdotierte Ehrung in Deutschland wird heute zum zehnten Mal vergeben. Ein Rückblick auf die Preisträgerinnen und Preisträger seit 2008 zeigt die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Nordrhein-Westfalen. Ihre Arbeiten haben Wirtschaft und Gesellschaft vorangebracht: durch Gründungen sowie neue Produkte und Dienstleistungen sind Arbeitsplätze entstanden. Sie sind Vorbilder für angehende Forscherinnen und Forscher an den Hochschulen. Ich bin stolz auf diese Botschafter für den kreativen, ehrgeizigen und innovativen Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Nordrhein-Westfalen.“

Die Preisträger 2020 sind:

Kategorie Ehrenpreis: Prof. Dr. Dr. h.c. Michael ten Hompel
Wie kein anderer versteht Prof. ten Hompel es seit mehr als zwei Jahrzehnten, durch wissenschaftliche Grundlagenarbeit und praxisorientierte Umsetzung die Logistik-Branche innovativ weiterzuentwickeln. Der geschäftsführende Leiter des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik und Lehrstuhlinhaber für Förder- und Lagerwesen an der TU Dortmund initiierte das vom Land mit 7,7 Millionen Euro gefördert Projekt „Blockchain Europe“ zum Aufbau des Europäischen Blockchain-Institutes in NRW. Das Institut erforscht die praxisnahe Anwendung in der Logistik und will vielfältige Anwendungsbeispiele über eine Open-Source-Plattform zugänglich machen. In Verbindung mit dem vom Bund geförderten Projekt »Silicon Economy« möchte ten Hompel mit seinem Team vom Wissenschaftsstandort Dortmund aus einer digitalen Plattformökonomie in Deutschland und Europa zum Durchbruch verhelfen. 

„Die Auszeichnung mit dem Innovationspreis des Landes NRW ist die höchste Anerkennung für einen Forscher aus dem Ruhrgebiet. Sie ist aber mehr noch die Würdigung unseres Forschungsstandorts Dortmund und setzt ein sichtbares Zeichen für die wirtschaftliche, vor allem aber die wissenschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung einer innovativen Logistik, ohne die nachhaltiges und ressourcenschonendes Leben nicht möglich wären. Ich stehe hier stellvertretend für Hunderte von engagierten Wissenschaftlern und Forschern, die das möglich machen“, so ten Hompel

Kategorie Innovation: Prof. Dr. Matthew Smith
Mit dem Begriff „Benutzbare Sicherheit für Entwickler“ hat er ein eigenes Forschungsfeld in der IT-Sicherheit begründet: Prof. Smith ist seit 2014 Professor für Informatik an der Universität Bonn. Gleichzeitig leitet er am Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie die Abteilung „Usable Security and Privacy“. Prof. Smith interessiert, wie Systeme konstruiert werden müssen, damit Entwickler und Nutzer weniger Angriffsflächen für Hacker bieten, und wie sich schon beim Programmieren mögliche Einfallstore aufspüren lassen. Smith unterstützt darüber hinaus den Transfer in die Lehre und in die Praxis. Er berät öffentliche Institutionen und Unternehmen in Fragen der IT-Sicherheit. 

Mit dem Start-up Code Intelligence hat Smith gemeinsam mit drei ehemaligen Doktoranden eine Testing-Plattform entwickelt, die Entwicklern hilft, sichere Software zu schreiben. Mit der von Code Intelligence entwickelten Lösung – „CI Fuzz“ - können Entwickler ohne IT-Security-Expertise kontinuierliche automatisierte Sicherheits- und Zuverlässigkeitstests durchführen. So kann die Entwicklung beschleunigt und ein kontinuierliches Qualitätsmanagement realisiert werden. Die Bonner Firma Code Intelligence unterstützt Unternehmen, ihre Software-Applikationen effizient und kostengünstig auf Sicherheit zu testen.

Prof. Smith: „Ich freue mich, dass der Faktor Mensch in der IT-Sicherheit immer mehr Beachtung findet. Damit kommen wir unserem Ziel, sichere Software zu haben, einen guten Schritt näher!“

Kategorie Nachwuchs: Jun.-Prof. Dr. rer. nat. Anna Grünebohm
Die Physikerin forscht an der Ruhr-Universität Bochum an ferroischen Materialien insbesondere für innovative Kühl- und Energietechnologien, die hervorragende Möglichkeiten praktischer Anwendung eröffnen. Dr. Grünebohm arbeitet mit computerbasierten Methoden, um Materialeigenschaften zu modellieren und damit Wege zur Optimierung aufzuzeigen. Dabei konzentriert sie sich auf oxidische Werkstoffe mit hohem Anwendungspotenzial.

Ihre Forschung schafft die Grundlagen für neue effizientere und nachhaltige Kühltechnologien: Weltweit gibt es einen steigenden Bedarf an Kühlung und viele gängige Technologien benötigen viel Strom und setzten treibhausaktive Kühlmittel frei. Zusätzlich steigt die Nachfrage nach innovativen Kühlkonzepten für Batterien, kleine elektronischen Geräten und Sensoren. Anwendungen sind denkbar bei Hochleistungschips der Computertechnik, der Leistungselektronik oder der Bio- und Medizintechnik.

Dr. Grünebohm: „Kühltechnologien von morgen benötigen neue maßgeschneiderte Materialien, hier können Computersimulationen beim grundlegenden Verständnis und Design entscheidend helfen.“

Die Preisgelder:
Kategorie Innovation – 100.000 Euro
Kategorie Nachwuchs -  50.000 Euro
Der Ehrenpreis ist nicht mit einem Preisgeld verbunden.

Alle Preisträger erhalten eine Skulptur, die von einem der renommiertesten zeitgenössischen Künstler, Prof. Dr. Markus Lüpertz, ehemaliger Rektor der Kunstakademie, exklusiv für das Land Nordrhein-Westfalen geschaffen wurde.