Konjunkturlagebericht der IHKs: Ruhrwirtschaft hält Kurs

Für das Ruhrgebiet bleibt die Frage nach der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen ganz oben auf der Agenda.

„Die Ruhrwirtschaft kann ihren Kurs bislang halten. Trotz zahlreicher Unsicherheiten melden die Unternehmen überwiegend eine gute Geschäftslage. Der Blick in die Zukunft bleibt jedoch verhalten“, fasst Jutta Kruft-Lohrengel, Präsidentin der in diesem Jahr federführenden Industrie- und Handelskammer zu Essen (IHK), das Ergebnis der aktuellen Konjunkturbefragung zusammen. 

38 Prozent der Befragten bewerten ihre wirtschaftliche Lage mit „gut“; mehr als jeder zweite zeigt sich zufrieden. Nur 10 Prozent der Betriebe beklagen eine schlechte Situation. Der Konjunkturklimaindex steigt leicht an und klettert um einen Punkt nach oben auf 111 Punkte. Im langfristigen Vergleich befindet sich die Ruhrwirtschaft damit noch immer auf einem hohen Niveau.

Gleichwohl blickt die Wirtschaft skeptisch in die Zukunft. Eine Reihe von Unsicherheiten säumt den konjunkturellen Weg ins neue Jahrzehnt. Zwar wurde der Brexit vollzogen; die USA und China haben sich im Handelsstreit angenähert. Jedoch bleiben viele Fragen offen. „Noch sind nicht alle Konfliktpunkte im internationalen Geschäft endgültig geklärt. Hinzu kommt, dass mit dem Ausbruch des Corona-Virus der Weltwirtschaft ein Dämpfer verpasst werden könnte“, erläutert die IHK-Präsidentin die zurückhaltende Prognose. 

Die Exporterwartungen weisen zwar noch immer einen negativen Saldo auf. So rechnen 17 Prozent der Befragten damit, dass ihr Auslandsgeschäft anzieht. Dagegen fürchten 22 Prozent einen Rückgang. Allerdings gibt es einen Lichtblick: Die Aussichten des Außenhandels haben gegenüber der Vorumfrage eine sehr positive Tendenz. Der Saldo hat sich um 14 Punkte verbessert. 

Der Fachkräftemangel bereitet den Unternehmen des Ruhrgebiets weiterhin Sorge. So benennt mehr als jeder zweite Betrieb diesen Faktor als Risiko für die weitere Geschäftsentwicklung. Die Unternehmen benötigen gut qualifiziertes Personal. Entsprechend bleiben die Beschäftigungsaussichten im Ruhrgebiet weiterhin gut – trotz der verhaltenen Geschäftserwartungen. Knapp jeder fünfte Befragte teilt mit, dass die Belegschaft ausgebaut werden soll. Zwei Drittel wollen ihren Personalstamm konstant halten. „Die Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung der letzten Jahre hat sich weiter fortgesetzt. Das ist ein gutes Signal. Gleichwohl bleibt ein Wermutstropfen: Die Arbeitslosenquote geht leider nicht in dem Maße zurück, wie die Beschäftigung aufgebaut wird“, erklärt Kruft-Lohrengel. 

Um den Trend des Beschäftigungsaufbaus fortsetzen zu können, brauchen die Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Für das Ruhrgebiet bleibt die Frage nach der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen ganz oben auf der Agenda. „Im Herbst stehen die Kommunalwahlen an. Dort werden die Weichen gestellt, in welche Richtung sich die Kommunen entwickeln wollen. Wir erwarten ein klares Signal, dass sich das Ruhrgebiet attraktiv für Investitionen und Arbeitsplätze aufstellt. Die Region braucht eine wirtschaftsfreundliche Politik“, stellt Kruft-Lohrengel heraus.

Die Industrie- und Handelskammern des Ruhrgebiets haben in Essen den 104. Konjunkturlagebericht der IHKs Dortmund, Duisburg, Essen, Mittleres Ruhrgebiet und Nord Westfalen (Emscher-Lippe-Region) vorgestellt. An der Umfrage beteiligten sich rund 950 Unternehmen mit mehr als 128.000 Beschäftigten.