HRW: KMH Innovation erhält Gründungsstipendium EXIST

Das Gründerteam KMH Innovation der HRW revolutioniert die Prüfung von Anschlageinrichtungen auf Dachflächen. Mit dieser Geschäftsidee möchte das dreiköpfige Team ein Unternehmen gründen.

Auf dem Weg unterstützt sie die HRW, zum Beispiel bei der Antragstellung für das Gründerstipendium EXIST des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Der Antrag war erfolgreich und seit April 2020 erhält das Team ein Stipendium, das an einige Kriterien geknüpft ist. 

Hagel, Sturm, Schneemassen oder Starkregen bedeuten für private und öffentliche Dächer meist schwere Schäden. Die häufigsten Schäden auf Dächern sind Undichtigkeiten mit sehr hohen Folgekosten. Dann müssen die Mitarbeiter*innen des Dachdeckerhandwerks zur Reparatur auf’s Dach. Ein anderes Beispiel: Auf dem Dach soll eine Photovoltaikanlage installiert oder gewartet werden. Ob Reparatur, Installation oder Sanierung von Dächern – wer sich auf Dächern bewegt, braucht zu seiner Arbeitssicherheit Absturzsicherungen! Damit es nicht zu schweren oder gar tödlichen Arbeitsunfällen kommt. Meist handelt es sich um Gurt-und Seilsicherungen, die man vom Bergklettern kennt. Die Seile werden in Anschlagpunkte eingehakt. Doch was passiert, wenn die Anschlagpunkte unter der Dachoberfläche beschädigt (locker, marode, korrodiert) sind? Oder schon beim Einbau Fehler unterlaufen, die eine dauerhafte Belastung beeinträchtigen? 

Damit genau dies nicht passiert, werden die Anschlageinrichtungen auf den Dachflächen durch Sachverständige geprüft – zunächst beim Einbau und dann jährlich. Bisher geschieht die Prüfung mechanisch mit einem verpflichtenden Dokumentationsprozess und mit hohem bürokratischen Aufwand. Doch jetzt gibt es eine neue Lösung! Die neue, revolutionäre Prüfmethode ist digital und zerstörungsfrei. Die Einbaufestigkeit von Anschlagpunkten wird mit einer Schwingungsanalyse bereits bei der Montage geprüft und gibt dem Nutzer oder Dienstleister Erkenntnisse über den Einbauzustand des Bauteils. 

Die Idee hatten Fabian Kubina, Benedict Müller und Lisa Humann. Müller absolvierte sein Masterstudium in Systemtechnik an der HRW und Kubina ist Masterabsolvent der TH Köln. Lisa Humann studiert derzeit den Masterstudiengang Bauingenieurwesen an der HRW. Kubina ist im Team der Experte für informationstechnische Strukturen und Mikrocontroller und trägt durch seine bisherigen Erfahrungen zur erfolgreichen Umsetzung mechatronischer, physikalischer und informationstechnischer Technologien bei. Müllers Schwerpunkt sind die mechatronischen Systeme; er ist der Wissensträger für die hardwareseitige Entwicklung. Humanns Kenntnisse liegen vor allem im Bereich der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen und des BGBs. Dieses Wissens unterstützt das Gründungsvorhaben besonders darin, ein Endprodukt zur Marktreife zu befördern, welches vollständig den baubezogenen Normen und Gesetzen entspricht. Alle drei haben bereits erste Erfahrungen im Projektmanagement, in der Unternehmensführung und verfügen über betriebswirtschaftliche Kenntnisse. 
Gemeinsam haben sie an der fachlichen Idee getüftelt. Gemeinsam ist auch die Idee gereift, ein Start-up zu gründen: Dem Geschäftsmodell liegt der digitale Assistent zur Montagedokumentation sowie das zerstörungsfreie Prüfen zugrunde – eine Kombination, die zur Einbau- und Jahresprüfung geeignet ist. Das Geschäftsziel: den Sachverständigen die Prozesse wesentlich einfacher, sicherer und wirtschaftlicher zu gestalten.

Von der Idee zur Umsetzung
Mit der Idee hatten sich Kubina, Müller und Humann an den Gründungsservice der HRW gewendet. Die HRW, die sich die Förderung des ‚Entrepreneurial Mindset‘, also des unternehmerischen Gedankens, auf die Agenda geschrieben hat, unterstützt mit Know-how bei der Geschäftsmodellentwicklung, mit der Vermittlung von Finanzierungshilfen, Mentoring und ganz praktischen Angeboten bei der Prototypenerstellung. Das umfangreiche Equipment der HRW Labore, z.B. das Internet of Things (IoT)-Labor am Campus Mülheim oder das FabLab am Campus Bottrop, schaffen ideale Bedingungen für Innovation und kreatives Denken. Mit der Gründungsidee erhalten die Drei Zugang zum Coworking Space, um die Idee weiterzuentwickeln und sich mit anderen Gründerteams auszutauschen. Denn eine Idee zu haben ist das Eine. Sie bis zur Markteinführung zu bringen und am Ende ein Unternehmen zu gründen – eine Andere. Auf diesem Weg unterstützen die potentiellen Jungunternehmer*innen Gründerstipendien – von Hochschulen, von Städten, vom Land oder auch vom Bund. 

Seit dem 1. April 2020 erhält das Gründerteam KMH Innovation das EXIST-Gründerstipendium. Das unterstützt Studierende, Absolvent*innen oder Wissenschaftler*innen aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die ihre Gründungsidee realisieren und in einen Businessplan umsetzen möchten. Bei den Gründungsvorhaben sollte es sich um innovative technologieorientierte oder wissensbasierte Projekte mit signifikanten Alleinstellungsmerkmalen und guten wirtschaftlichen Erfolgsaussichten handeln.

„Die Hürden für ein Gründungsstipendium sind gar nicht so leicht zu nehmen“, erzählt Lisa Humann. „Es sind eine Menge Kriterien daran geknüpft. Zum Beispiel, dass die Hochschule in ein Gründernetzwerk eingebunden ist, uns als Gründer*innen einen Mentor und einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt und die kostenfreie Nutzung der Infrastruktur garantiert. Darüber hinaus verwaltet die Hochschule die Fördermittel. Das alles haben wir hier an der HRW“, sind Humann und ihre Teamkollegen sichtlich erfreut. „Wir erhalten viel Unterstützung durch unseren Gründungscoach, Clemens Pietza, und unseren Mentor, Prof. Dr. Uwe Lesch vom Institut Maschinenbau“, erklärt Benedict Müller. „Beide haben uns mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen geholfen und vorangebracht, sodass wir jetzt das Gründungsstipendium für ein Jahr erhalten“, dankt Fabian Kubina. 

Prof. Dr. Uwe Lesch und Clemens Pietza freuen sich mit dem Gründungsteam über den ersten großen Erfolg: „Wir glauben an die Drei und an ihre Idee“, betont Lesch. „Ich bewundere den Mut, Unternehmer*in zu werden und sich gegen ein zunächst sicheres Angestelltenverhältnis zu entscheiden. Selbstständig zu sein, heißt ja immer auch, selbst und ständig zu arbeiten und das Risiko zu tragen. Toll, dass sie mit dem Stipendium in ihrer Idee bestärkt werden.“ „Ausruhen können sich die Drei jetzt aber nicht. Denn, wer ein Stipendium vom Bund erhält, muss erste Ergebnisse zum Businessplan nach fünf Monaten und den fertigen Businessplan nach zehn Monaten vorlegen“, erläutert Pietza. Da liegt noch viel Arbeit vor dem Team. 


Das EXIST-Gründerstipendium ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und wird durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) kofinanziert. Der ESF ist einer der Europäischen Struktur- und Investitionsfonds, nähere Informationen dazu unter www.die-strukturfonds.de