Herausforderungen für die Ausbildung in der Corona-Pandemie

Aufgrund der Corona-Pandemie stehen laut DIHK viele der über 400.000 Ausbildungsbetriebe in Deutschland vor großen Herausforderungen.

Wenn Einnahmen fehlen und Berufsschulen schließen, geraten nicht nur bestehende Ausbildungsverhältnisse in Gefahr, auch künftige Ausbildungsangebote werden unsicherer. Die Akteure in der Allianz für Aus- und Weiterbildung werden sich hier deshalb in der kommenden Zeit mit unterstützenden Aktivitäten engagieren. Der DIHK unterbreitet in Anlehnung an sein Anfang Mai vorgestelltes 10-Punkte-Programm folgende Vorschläge:

Kreative Wege in Betrieben gehen 
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten können Betriebe freie Zeiten dafür nutzen, Lerninhalte vorzuziehen und den Ausbildungsplan umzustellen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Azubis in anderen Abteilungen oder in der Lehrwerkstatt einzusetzen. Wenn Betriebe Teile der Ausbildung nicht mehr selbst erbringen können, sollten sie versuchen, diese Aufgabe an einen Verbundbetrieb oder überbetriebliche Einrichtungen zu übertragen. Für manche Azubis sind auch digitale Angebote eine Zwischenlösung, um die Ausbildung fortzusetzen. Vor allem in kaufmännischen Berufen gibt es viele digitale Tätigkeiten, die mit modernen Kommunikationsmitteln von zu Hause aus erledigt werden können. 

Finanzierung der Ausbildung sicherstellen
Die Industrie- und Handelskammern unterstützen die Arbeitsagenturen dabei, Azubis aus insolventen Unternehmen in Betriebe zu vermitteln, in denen sie ihre Ausbildung fortsetzen und beenden können. Dazu wird die gemeinsame Lehrstellenbörse der IHKs als Plattform genutzt. Kurzfristig würde es den Ausbildungsbetrieben helfen, wenn sie Kurzarbeitergeld für Azubis uneingeschränkt wie für Beschäftigte erhalten können – ohne die derzeit geltende sechswöchige Wartefrist und rückwirkend ab dem 1. März. Bei weiter angespannter wirtschaftlicher Lage könnte der Bund solchen Betrieben eine Bonuszahlung gewähren, die in diesem Jahr zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten.

Ausbildungsprüfungen nachholen
Die IHK-Organisation arbeitet mit Hochdruck daran, die wegen der Pandemie verschobenen Abschlussprüfungen möglichst im Mai und Juni nachzuholen. Damit das gelingen kann, müssen nicht nur Hygiene- und Schutzvorschriften erfüllt werden, auch eine solide Prüfungsvorbereitung muss möglich sein. Es ist daher unerlässlich, dass die Berufsschulen bundesweit ihren Betrieb wieder aufnehmen. 

Gezielt beraten, vermitteln und fördern 
Mit Blick auf das kommende Ausbildungsjahr müssen wir junge Menschen und Betriebe möglichst schnell wieder zusammenbringen. Die Arbeitsagenturen sollten daher Schüler noch während der Kontaktsperren auf digitale Informationsangebote aufmerksam machen und telefonische oder digitale Beratungen durchführen. Die IHKs werden Speed-Datings über Skype oder andere digitale Formate anbieten.

Einstiegsqualifizierungen und überbetriebliche Ausbildung
Falls die Situation im Herbst trotz aller Anstrengungen schwierig ist, sollten insbesondere leistungsschwächere Bewerber zunächst die Chancen einer Einstiegsqualifizierung ergreifen. So bald wie möglich könnten dann der Übergang in Ausbildung und eine zeitliche Anrechnung auf das erste Ausbildungsjahr das Ziel sein. 

In Regionen mit besonders angespanntem Ausbildungsmarkt sollten die Partner vor Ort gemeinsam abwägen, inwieweit bedarfsgerecht und vorübergehend Angebote einer außerbetrieblichen Ausbildung sinnvoll sein können. So könnten Azubis während der Pandemie zunächst in einer außerbetrieblichen Einrichtung lernen. Nach einer wirtschaftlichen Erholung könnten sie dann zum zweiten Ausbildungsjahr in einem Betrieb vermittelt werden.

Für Jugendliche, die ihre favorisierte Berufsausbildung im kommenden Ausbildungsjahr nicht starten können oder sich beruflich orientieren wollen, sollten zeitlich begrenzt Angebote im gemeinnützigen Bereich ausgebaut werden – etwa das Freiwillige Soziale Jahr.