15. Januar 2016. Trotz einiger „Sorgenkinder“ und ambitionierten Herausforderungen ist der Wirtschafts- und Industriestandort Mülheim an der Ruhr grundsätzlich gut aufgestellt. Darauf verwiesen Oberbürgermeister Ulrich Scholten, der Sprecher der regionalen Wirtschaft, Heinz Lison, und Mülheim & Business Geschäftsführer Jürgen Schnitzmeier bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2015 der Mülheimer Wirtschaftsförderung. “Die gute Arbeit und die Erfolge der Mülheimer Unternehmen, Investoren sowie Gründer bilden auch im neuen Jahr wieder die Basis für den Wohlstand und die Entwicklung in unserer Stadt”, erklärte hierzu Oberbürgermeister Ulrich Scholten. Er bedankte sich sowohl bei dem engagierten Team von Jürgen Schnitzmeier für die “sehr gute Arbeit und die nachweisbaren Erfolge im vergangenen Jahr” als auch bei den vielen Partnern von Stadt und Wirtschaftsförderung, mit deren Unterstützung im vergangenen Jahr viele wichtige Projekte zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Mülheim auf den Weg gebracht worden seien.

In Mülheim an der Ruhr sind rund 5.500 Unternehmen mit etwa 58.000 Beschäftigten ansässig. Sie bilden das Fundament einer breiten und branchenvielfältigen Wirtschaftsstruktur. Dabei war die Entwicklung der Beschäftigtenzahl im vergangenen Jahr lt. Schnitzmeier durchaus zufriedenstellend. So weist der Jahresbericht von Mülheim & Business einen Zuwachs der Beschäftigtenzahl am Standort von über 600 Stellen aus und das, obwohl im vergangenen Jahr auch Personalanpassungen bei einigen Traditionsunternehmen zu verkraften waren, erklärte Schnitzmeier. „Durch das überdurchschnittliche Wachstum einiger Bestandsunternehmen wie ALDI SÜD, Hans Turck sowie der Hochschule Ruhr West und der Max-Planck-Institute konnte die Beschäftigungsquote mit neuen Arbeitsplätzen gesteigert werden.”

Trotz dieser positiven Bilanz zum Jahresende warnte Heinz Lison seitens der Wirtschaft vor Selbstzufriedenheit: „Im Gegenteil, die Erhöhung der Gewerbesteuer ist ein schlechtes Signal und es muss weiterhin intensiv daran gearbeitet werden, das Profil Mülheims als wissensbasierter Wirtschaftsstandort und Wohnstadt für Familien zu schärfen.” Nur so werde es gelingen, die Wirtschaftskraft in der Stadt zu stärken und noch mehr Fachkräfte für die florierenden Unternehmen an den Standort zu binden, so der Sprecher der regionalen Wirtschaft. Wichtigster Motor dafür sei die Hochschule Ruhr West, die im Juni ihren neuen Campus an der Duisburger Straße bezieht.

Mittelstand ist Garant für Branchenvielfalt am Wirtschaftsstandort

Garanten für eine weiterhin breite und branchenvielfältige Wirtschaftsstruktur sowie für Wachstum, Innovation und Beschäftigung in der Stadt sind nach den Worten von M&B-Chef Schnitzmeier neben den „industriellen Kernen“ und den großen Handelshäusern vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen am Standort. Ihnen gelte die besondere Unterstützung der Mülheimer Wirtschaftsförderung. So wurden von den sog. KMUs im vergangenen Jahr rund 500 mal die Dienstleistungen von Mülheim & Business bei Verlagerungen, Erweiterungen oder Problemen am Standort sowie als „Lotse durch die Verwaltung“ in Anspruch genommen. Daneben wurde die Mülheimer Wirtschaftsförderung mehr als 350 mal um eine Erstberatung zur Unternehmensgründung gebeten, wovon rund 75 % anschließend eine Intensivberatung in Anspruch genommen haben. “Diese erfolgreiche Arbeit werden wir auch im nächsten Jahr fortsetzen. Wir werden weiterhin Unternehmen, Investoren und Gründer mit bedarfsgerechten Dienstleistungen und − wo möglich und gewünscht − mit Fördermitteln unterstützen”, betonte Jürgen Schnitzmeier.

Breitbandausbau, Digitalisierung und Mittelstand 4.0 wichtige Zukunftsthemen

Im besonderen Fokus der Mülheimer Wirtschaftsförderung steht aktuell die Schaffung von guten Rahmenbedingungen für eine zunehmend datengetriebene und wissensbasierte Wirtschaft. Hierzu zählt im Besonderen der Ausbau der Breitband-Infrastruktur im gesamten Stadtgebiet, insbesondere in den Gewerbegebieten, die zurzeit noch unterversorgt sind. Mit einem in 2015 gemeinsam mit dem Amt für Geodatenmanagement aufgebauten digitalen Leitungs- und Leerrohrkataster wurden hierfür wichtige Voraussetzungen geschaffen, die nun in ein Ausbaukonzept münden sollen. “Wir erwarten in den nächsten Wochen die Förderkonditionen des Landes zum Breitbandausbau. Sobald diese vorliegen, werden wir Stadt und Unternehmen ein Ausbaukonzept präsentieren, mit dessen Hilfe die existenzbedrohenden “weißen Flecken” einer Unterversorgung vor allen Dingen in den Gewerbegebieten und im Mülheimer Süden angegangen werden können. Wir werden uns dabei in jedem Fall für einen zukunftssicheren Glasfaser- statt dem bald schon veralteten Breitbandausbau aussprechen”, erklärt hierzu Jürgen Schnitzmeier.

“Die allumfassende Digitalisierung ist derzeit die größte Herausforderung für die Unternehmen. Sie ist aber auch ein große Chance”, appellierte Schnitzmeier an den Pioniergeist in den Unternehmen. Gemeinsam mit IHK und Unternehmerverband hatte die Mülheimer Wirtschaftsförderung deshalb im vergangenen Jahr zu einer Auftaktveranstaltung “Mittelstand 4.0″ geladen, bei der schnell deutlich wurde: Kein Unternehmen kann sich dieser “4.  industriellen Revolution” wirklich verschließen. In diesem Jahr will Mülheim & Business nun gemeinsam mit Partnern eine Workshop-Reihe anbieten, mit der Unternehmer dabei unterstützt werden sollen, sich in ihrem und für ihr Unternehmen intensiv mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung zu beschäftigen.

Die Digitalisierung der Wirtschaft birgt aber nicht nur viele Möglichkeiten für neue Geschäftsfelder und -modelle von etablierten Unternehmen, sondern auch für Gründer und Start-Ups. Ein Beispiel ist das gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr erfolgreich durchgeführte und in 2015 abgeschlossene Projekt Engage.NRW, mit dessen Hilfe kreative Softwareentwickler aus ganz NRW mit klassischen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen im Bereich der Digitalisierung zusammengebracht worden sind. “In den nächsten drei Jahren wird dieses Beratungsangebot noch weiter ausgebaut”, verspricht Jürgen Schnitzmeier. Möglich wird dies durch das neue, ebenfalls mit Landesmitteln geförderte Projekt NRW.Interaktiv mit Sitz in Mülheim an der Ruhr, das am 1. Oktober 2015 an den Start gegangen ist.

Dauerthema Gewerbeflächenentwicklung

Mülheim an der Ruhr ist als Wirtschaftsstandort weiterhin sehr gefragt. An der bereits vor einem Jahr von der Wirtschaftsförderung beklagten Gewerbeflächen-Situation hat sich aber nach wie vor wenig geändert. Und das trotz eines im vergangenen Jahr verabschiedeten Konzepts zur Gewerbeflächenmobilisierung. Nach wie vor geht in Mülheim an der Ruhr jede zweite Anfrage nach Expansionsflächen oder neuen Gewerbestandorten ins Leere, weil keine Flächen mehr zur Verfügung stehen. Als einen wahren “Glücksfall” bezeichnete Jürgen Schnitzmeier im Rückblick die in 2015 möglich gewordene Verlagerung der Schrottverwertung Jost an die Timmerhellstraße, wodurch nun ein 31.000 m² großes Grundstück von Mülheim & Business in Zusammenarbeit mit der Fa. Jost vermarktet werden kann. In den nächsten Jahren komme es deshalb besonders darauf an, alte Gewerbeimmobilien zu modernisieren.

Als „rundum gelungenes Referenzprojekt“ lobte Schnitzmeier die Sanierung des Gewerbeareals Aktienstraße 53 gegenüber der alten Feuerwache. „Investor Mohamad Itani von der Unternehmensgruppe INPLAN hat hier mit sehr viel Mut und Engagement in das Gebäude investiert, es kernsaniert und wurde dafür mit guten Vermietungserfolgen belohnt“. Gleiches gelte für den neuen DRK-Standort und das Sicherheitszentrum der Vollmergruppe auf dem Gelände der ehemaligen Feuerwache. „Insgesamt wurden an beiden Standorten rd. 6 Mio. Euro investiert, rd. 5.500 m² moderne Gewerbefläche und 170 Vollzeit- sowie 400 ehrenamtliche Arbeitsplätze geschaffen“, so Schnitzmeier. „Die Projekte sollten unsere Eigentümer in der Innenstadt motivieren: Wer investiert, hat dank der Nachfrage in unserer Stadt gute Chancen auf Vollvermietung.“

Besonders zufrieden zeigte sich Oberbürgermeister Ulrich Scholten damit, wie sehr die Innenstadtentwicklung im vergangenen Jahr weiter an Fahrt aufgenommen hat. “Wir haben im letzten Jahr einen mit Landesmitteln geförderten Umbauprozess unserer Innenstadt begonnen, der schon jetzt erste Früchte trägt”, bilanzierte der Oberbürgermeister. Als wichtigsten Abschluss bezeichnete er den Erwerb des ehemaligen Kaufhof-Warenhauses durch die Investorengemeinschaft Fortress Immobilien, Mülheimer Wohnungsbau und AIP Architekten und den geplanten Umbau des Areals  zum StadtQuartier Schloßstraße

Fachkräftesicherung bleibt wichtige Aufgabe

Im besonderen Fokus der Arbeit von Mülheim & Business stand auch im Geschäftsjahr 2015 die mittel- und langfristige Fachkräftesicherung. Gemeinsam mit dem zdi-Netzwerk Mülheim an der Ruhr sowie der Hochschule Ruhr West (HRW) und ihrem Förderverein ist es gelungen, mit schulbegleitenden sowie in den Ferien angebotenen Projekten in den weiterführenden Bildungseinrichtungen für eine nachhaltige Technikbegeisterung der nachwachsenden Generation zu sorgen. Auch die Vernetzung technologieorientierter Unternehmen mit der HRW konnte weiter forciert werden, um so eine optimale Verklammerung von Wissenschaft und Wirtschaft im Sinne einer qualifizierten und praxistauglichen Aus- und Weiterbildung für die Belegschaften zu erreichen. „Die Wirtschaftsförderung ist hier vorausschauend im Sinne einer Zukunftssicherung der Unternehmen aktiv”, lobte der stellvertretende M&B-Aufsichtsratsvorsitzende und Sprecher der regionalen Wirtschaft, Heinz Lison das Engagement der Wirtschaftsförderung.

Besonders freute es Heinz Lison in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des HRW-Fördervereins, dass sich Mülheim & Business intensiv in die Vorbereitungen zur Campus-Eröffnung der Hochschule Ruhr West an der Duisburger Straße im Juni 2016 einbringen will. “Geplant ist ein umfangreiches Programm mit einer Präsentation aller Fachbereiche der Hochschule. Und das wird sicherlich nicht nur für Studierende und Eltern spannend werden, sondern ebenso für Unternehmen. Denn hier wird sich die Möglichkeit eröffnen, ungezwungen Kooperationsmöglichkeiten zu eruieren und frühzeitig Kontakt zu Nachwuchskräften aufzunehmen.” Sein Appell an die Unternehmen: “Unterstützen Sie die Campuseröffnung und werden Sie Teil der Förderinitiative von HRW-Förderverein, Unternehmerverband, IHK und Mülheim & Business. Wenn wir 100 Unternehmen finden, die jeweils 500 € als finanziellen Beitrag für die feierliche Campuseröffnung zur Verfügung stellen, können wir ein wirklich erlebenswertes Stadtteilfest auf dem Campus realisieren.”

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V.l.: Als ein rundum gelungenes Referenzprojekt für die erfolgreiche Sanierung und anschließende Vermarktung eines Gewerbeobjektes stellten M&B-Geschäftsführer Jürgen Schnitzmeier und  Oberbürgermeister Ulrich Scholten die Sanierung des Gewerbeareals an der Aktienstraße 53 durch Investor und Eigentümer der INPLAN-Unternehmensgruppe, Mohamad Itani mit seinen Senior Vice-Präsident, Peter Stratmann vor.