Wirtschaftsflächenkonzept vorgelegt

Neue Gewerbeflächen haben Potenzial für 8000 neue Arbeitsplätze und bis zu 16 Mio. Euro zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen pro Jahr.

Mülheim könnte in fünf bis zehn Jahren nicht nur genügend Gewerbe- und Industrieflächen für den kommunalen Bedarf an den Markt bringen, sondern bis zu 8000 neue, sozialversicherte Arbeitsplätze schaffen und dadurch bis zu 16 Mio. € an zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen pro Jahr erwirtschaften. Diese enormen Potenziale sieht das nun von der Mülheimer Wirtschaftsförderung beauftragte „Wirtschaftsflächenkonzept für die Stadt Mülheim an der Ruhr“. Das von der Arbeitsgemeinschaft BFR und GseProjekte-Büro für Regionalentwicklung erstellte Konzept macht in Mülheim ein Gewerbeflächenpotenzial von reell rund 135 ha aus.

„Wir kennen die Flächenprobleme unserer Stadt. Aber mit dem neuen Wirtschaftsflächen-konzept benennen wir klipp und klar die Potenziale, die es nun auch zu heben gilt“, erklärt M&B-Geschäftsführer Dr. Hendrik Dönnebrink. Nun müsse die Politik endlich handeln und den Flächennotstand entschieden angehen, damit der Wirtschaftsstandort Mülheim nicht noch weiter leide und zurückfalle, denn im Zeitraum von 2010 bis 2016 sind im Bundesdurchschnitt die höchsten Rückgänge in Mülheim (rund -19%), Hamm (rund -18%) und Offenbach am Main (rund -13,7%) im produzierenden Gewerbe zu verzeichnen gewesen. Städte wie Oberhausen (+ 16,8%) oder Solingen (+ 10,5%) konnten hingegen erhebliche Zuwächse verbuchen.   

RVR sieht Defizit von rund 88 ha
Laut Regionalverband Ruhr verfügt Mülheim seit Jahren nur noch über geringfügige gewerblich-industrielle Flächenreserven. Die Bedarfsberechnungen des RVR weisen im sogenannten „Kommunalen Bedarf“ ein Defizit von rund 88 ha und somit eine erhebliche Abweichung vom langfristigen Bedarf auf. „Zu Jahresbeginn 2017 waren in Mülheim an der Ruhr rund 22 ha an planerisch gesicherten GIB-Flächen potentiell verfügbar. Das war zu diesem Zeitpunkt der absolut niedrigste Bestand aller kreisfreien Städte in der Metropole Ruhr. Zurzeit stehen in Mülheim noch etwa 10,8 ha an planerisch gesicherten Flächen zur Verfügung, davon sind rund 4,7 ha wegen Altlasten nicht rentierlich entwickelbar,“ erklärt Dönnebrink die akute Flächenknappheit in Mülheim. Das neue Wirtschaftsflächenkonzept sei ein Rezept dagegen. „Wir wollen und können die Talfahrt beenden und endlich eine Kehrtwende herbeiführen, um Mülheims Wirtschaftskraft wieder voll zu entfalten “, so Dönnebrink weiter. 

Drei Handlungsempfehlungen für mehr Gewerbeflächen, Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen
Das neue Konzept zeigt konkrete Perspektiven zur erweiterten Ausweisung von gewerblich-industriellen Bauflächen und unterbreitet Vorschläge für deren schrittweise Umsetzung. Das „Wirtschaftsflächenkonzept für die Stadt Mülheim an der Ruhr“ ist als eine Grundlage für eine faktenbasierte Diskussion von Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft gedacht. Es spricht drei Handlungsempfehlungen aus, die auf eine langfristige planerische Sicherung gewerblich-industrieller Bauflächen angelegt sind und die aktuellen Rahmenbedingungen bei der Entwicklung des Regionalplans Ruhr berücksichtigen.

Dazu gehören:
•    Modul 1 - Mobilisierung der kurzfristig verfügbaren Flächen „Oberheidstraße“ und „Blücherstraße“ mit zusammen rund 5,7 ha zur Bedarfsabdeckung für ca. ein weiteres Jahr als „Behelfsbrücke“ bis zur Wirksamkeit von Ebene 2. 
•    Modul 2 - Vorbereitung und Einleitung eines „Regionalplanänderungsverfahrens“ für die Flächen „Fulerumer Feld“, „Auberg“ sowie „Flughafen Nord“ und „Flughafen Süd“ (zusammen rund 86 ha).  Ziel ist es, mit einem zusammenfassenden Verfahren die mittel- und langfristige Verfügbarkeit von Flächen für den kommunalen Bedarf zu sichern.
•    Modul 3 - Vorbereitung der Anmeldung der zwei Flächen Selbeck (70 ha brutto) und Winkhausen (46 ha brutto) als „Regionale Kooperationsstandorte“ im Rahmen des weiteren Verfahrens für den Regionalplan Ruhr. 

Mülheim bleibt auch mit dem Konzept neben Bottrop die grünste Stadt im Ruhrgebiet
Im Gegensatz zu anderen Ruhrgebietsstädten ist Mülheim üppig mit Grünflächen ausgestattet. Bei Berücksichtigung aller Grünflächen – Klimaschneisen, Erholungs- und Freizeitflächen – im Freiraum sowie auf öffentlichen und privaten Siedlungsflächen liegt deren Anteil in Mülheim an der Ruhr bei 72,6%. Das sind rund 4% mehr als im Durchschnitt der kreisfreien Städte in der Metropole Ruhr.    


Im Auftrag der Mülheim & Business GmbH haben die Arbeitsgemeinschaft BFR- Büro für Regionalanalyse (Dortmund) und GseProjekte-Büro für Regionalentwicklung (Dinslaken) von Juli bis September 2019 das vorliegende Wirtschaftsflächenkonzept für die Stadt Mülheim an der Ruhr erarbeitet.