„Wir müssen Menschen aus anderen Regionen hierherholen!“

Das M&B spricht mit dem gebürtigen Bochumer Eckhard Brockhoff unter anderem über das Ruhrgebiet und warum er den Standort Mülheim nicht unterschätzt.

Die Brockhoff & Partner Immobilien GmbH ist Marktführer  im Ruhrgebiet und verfügt mit über 30 Jahren Erfahrung in der Immobilienbranche über umfassende Expertise bei der Vermarktung von Immobilien in den Bereichen Office, Invest, Retail und Logistics. Zu den Kernkompetenzen zählen die bundesweite Vermittlung von Gewerbe- und Immobilienpaketen, die Bürovermietung mit Schwerpunkt im Ruhrgebiet und die bundesweite Vermittlung von einzelhandelsgenutzten Immobilien in 1A-Lagen deutscher Klein-, Mittel- und Großstädte. Sie lesen hier einen Auszug des Interviews. Das Gespräch in voller Länge finden Sie ab dem 13. September im neuen M&B-Journal. 

M&B: Ein Leitspruch Ihres Unternehmens lautet: „Wir verkörpern das Ruhrgebiet“. Was ist das Ruhrgebiet für Sie, Herr Brockhoff?

Eckhard Brockhoff: Ich bin der Meinung, dass das Ruhrgebiet viel weiter sein könnte, als es heute ist. Es herrscht nach wie vor ein Kirchturmdenken vor. Toll ist, was die Business Metropole Ruhr aufgebaut hat und das sind alles Dinge, die in die richtige Richtung gehen. Aber leider grenzen sich viele Städte und Kommunen noch ab und werten es als Erfolg, wenn ein Unternehmen aus einer in die andere Stadt umzieht. Aber man müsste eher versuchen, die Angel in andere Teiche zu hängen. Wir müssen nämlich aus anderen Regionen Menschen hierherholen! Das brächte uns nach vorne.

M&B: Was raten Sie Mülheim, Herr Brockhoff?

Eckhard Brockhoff: Klar kommunizieren, dass sich die Dinge gebessert haben und man sich Investoren gegenüber geöffnet hat. Allerdings gilt es dann, sie dementsprechend offen zu behandeln. Die geplante Erhöhung der Gewerbesteuer [Anm. d. Red.: von 550 % auf 580 %] halte ich übrigens für ein falsches Signal, das Mülheim nicht wirklich hilft. Eine Erfolgskomponente wäre eine Senkung. Vorbild könnte Monheim am Rhein sein. Die haben 2012 ihren Hebesatz von 435 % auf  300 % gesenkt und haben damit nachhaltig Erfolg.  Das hat unter anderem so gut funktioniert, da die Stadt zügig neue Gewerbeflächen ausgewiesen und entwickeln ließ. Auch bei der Diskussion um den Flughafen Essen-Mülheim muss endlich mal Klartext geredet werden. Was wird denn nach 2030 gemacht? Es bedarf einfach einer klaren Aussage! Bitte sehen Sie dies alles weniger als Kritik, sondern als Verbesserungsvorschläge, denn wir sind in Mülheim aktiv, gerade haben wir ein Ärztehaus gekauft.

M&B: Warum bleiben Sie an Mülheim dran?

Eckhard Brockhoff: Mülheim ist gut gelegen. Es hat eine Nord-Süd-Verbindung, was viele Ruhrgebietsstädte nicht haben. Mülheim hat zudem wunderschöne Wohngebiete und Wohnen ist heute ein ganz wichtiger Standortfaktor. Und in Mülheim sind die Mieten noch zu bezahlen.

M&B: Sie gelten als Ikone der 1A-Lagen im Einzelhandel. Wie lässt sich der Leerstand in den Innenstädten stoppen?

Eckhard Brockhoff: Die Gastronomie mietet gerade am meisten. Durch Gastronomiekonzepte würde auch die Innenstadt wiederbelebt werden. Schauen Sie ins Bochumer Bermudadreieck oder nach Düsseldorf. Wir sind heute eine Freizeitgesellschaft. Die Menschen haben Zeit und sind flexibel. Viele gehen in die Stadt, um nicht nur einzukaufen, sondern um dort zu verweilen. Man müsste vielmehr Gastronomie anbieten, das würde die Innenstadt deutlich beleben, zumal es unglaublich tolle Konzepte gibt. Wenn man den Leuten etwas Schönes anbietet, dann kommen sie auch. Und auch für die Eigentümer bzw. Vermieter lohnt es sich, denn die Gastwirte zahlen mittlerweile ordentliche Mieten. Sie haben in Mülheim z. B. eine ziemlich unterschätzte Altstadt, da sehe ich noch Möglichkeiten.

Herr Brockhoff, vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führten Paul-Richard Gromnitza und Jan Trimborn.