Studie der Stiftung Mercator: Ruhrgebiet besser als sein Ruf

Insgesamt 13 Vorurteile über die Region haben die Autoren in einer Studie mit der Wirklichkeit abgeglichen.

Die Autoren der Studie "Ruhr. Vorurteile – Wirklichkeiten – Herausforderungen"  Wolfgang Roters, Gerhard Seltmann und Christoph Zöpel stellen im Vorwort für die Metropole Ruhr ein Bild der Gegensätze fest bzw. dar:

  • die Zahl der Erwerbstätigen hat (im Ruhrgebiet) einen Höchstwert erreicht – zugleich jedoch gibt es weiterhin überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit und steigende Sozialausgaben. 
  •  die Wirtschaft in wichtigen Leitmärkten wächst überdurchschnittlich – aber die Forschungs- und Innovationsanteile in den Unternehmen sind geringer als in anderen Ballungsräumen.
  •  es gibt die dichteste Hochschullandschaft in Deutschland – allerdings mit unterdurchschnittlicher Personalausstattung und deshalb mit Nachteilen bei der Bewerbung um Forschungsmittel.
  •  die Diskussion über Probleme im Individualverkehr ist im Vergleich mit anderen Ballungsräumen übertrieben – und verdrängt eine an sich notwendige, systematische Auseinandersetzung mit den Defiziten im Bereich des Öffentlichen Nahverkehrs. 
  •  die Kommunen verzeichnen hohe Einnahmen – und können sich trotzdem nicht von ihren strukturellen Finanzierungsproblemen befreien.

Studienmacher: 13 Vorurteile überdecken im drittgrößten Ballungsraum der EU Wirklichkeiten

Im Vorwort beschäftigten sich Roters, Seltmann und Zöpel auch mit hartnäckigen Vorurteilen und kommen zum Schluss: "Auch jenseits von Rankings hat die Metropole Ruhr ein teils selbst erzeugtes Wahrnehmungs- und Kommunikationsproblem: Vorurteile überdecken Wirklichkeiten. Es ist eben objektiv nicht zutreffend, dass öffentliche Institutionen untereinander oder mit privaten nicht zusammenarbeiten. Vielfältige und wirksame Beispiele beweisen das Gegenteil; doch die Behauptung an sich bleibt lebendig als eine wohlfeile „Problemerklärung“. Es ist ebenso falsch, die Agglomeration Ruhr als „Stauregion“ zu charakterisieren. Im drittgrößten Ballungsraumder EU stehen Autofahrer zwar auch im Stau – allerdings viel weniger als in anderen deutschen Agglomerationen oder in einzelnen Großstädten. Es ist auch nicht richtig, die Agglomeration Ruhr als eine Region der verarmten Städte zu betrachten, die möglicherweise nicht richtig wirtschaften können oder „über ihre Verhältnisse leben“. Die geringen Investitionsraten und die hohen Kommunalsteuern sollten als Ergebnis der realen Ursachen gesehen werden – die finanzielle Umsetzung von bundesrechtlichen Entscheidungen zulasten der Kommunen. Und umgekehrt weiß kaum jemand, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten heute höher ist als diejenige vor dem Beginn der Montankrise in den 1960er-Jahren."