Mehr Gelassenheit: Ängste der Deutschen auf 25-Jahres-Tief

R+V-Langzeitstudie zeigt: Die Deutschen sind 2019 deutlich optimistischer als im vergangenen Jahr – so gelassen wie heute waren sie zuletzt vor 25 Jahren.

Die Deutschen blicken wieder optimistischer in die Zukunft. Das Angstniveau ist in fast allen Bundesländern zurückgegangen. Nur in Thüringen (plus 18 Prozentpunkte) und Brandenburg (plus 14 Prozentpunkte) ist die Stimmung wesentlich schlechter als im Vorjahr. So nimmt Thüringen in diesem Jahr mit Abstand den Spitzenplatz ein, gefolgt von Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Die sorgenfreisten Bundesländer sind wie im vergangenen Jahr Baden-Württemberg (Platz 10) sowie Schleswig-Holstein und Hamburg (Platz 11). In beiden norddeutschen Regionen hat sich die Stimmung im Vergleich zum Vorjahr nochmals deutlich verbessert.

Innen- und außenpolitische Probleme im Fokus
„Die Stimmungslage in Deutschland hat sich verbessert. Durch einen Rückgang bei fast allen Sorgen sinkt der Angstindex – der Durchschnitt aller abgefragten Ängste – von 47 auf 39 Prozent und erreicht damit den niedrigsten Wert seit 1994“, sagt Brigitte Römstedt anlässlich der Pressekonferenz am Donnerstag in Berlin. Die Leiterin des R+V-Infocenters berichtet, dass nach wie vor aber viele Menschen besonders unzufrieden mit der Politik sind.

„Seit vier Jahren verdrängen politische Sorgen alle anderen Ängste. Im Fokus stehen dabei die Überforderung der Politiker und drohende soziale Spannungen.“ 56 Prozent (Vorjahr: 63 Prozent) der Deutschen befürchten, dass der Staat durch die große Zahl der Flüchtlinge überfordert ist – ganz knapp Platz eins der diesjährigen Umfrage. Fast ebenso viele Bürger (55 Prozent, Vorjahr: 63 Prozent) haben Angst davor, dass es durch den weiteren Zuzug von Ausländern zu Spannungen zwischen Deutschen und hier lebenden Ausländern kommt. Mit ebenfalls 55 Prozent folgt eine außenpolitische Sorge: Die Mehrheit der Deutschen befürchtet, dass die Politik von Donald Trump die Welt gefährlicher macht. Da diese Angst im dritten Jahr seiner US-Präsidentschaft um 14 Prozentpunkte zurückgegangen ist, sinkt sie von zuvor Platz eins auf den dritten Platz.

Die Lage in NRW

Die Menschen im Westen sind deutlich zuversichtlicher als in den vergangenen Jahren. Das Angstniveau in Nordrhein-Westfalen ist um 14 Prozentpunkte gesunken – Platz neun gemeinsam mit Bayern und Berlin. Die optimistischere Einstellung zeigt sich bei allen Themen, keine Angst ist größer geworden. Diese Entwicklung gibt es sonst nur noch in Mecklenburg-Vorpommern.

In keinem anderen Bundesland liegt die Angst vor Terrorismus so weit oben im Ranking (52 Prozent, Platz drei).

Die größte Sorge der Bewohner von Nordrhein-Westfalen ist die Politik Donald Trumps (60 Prozent). Auf Rang zwei folgt die Angst vor Spannungen durch Zuzug von Ausländern (58 Prozent).