Gute Lage, getrübte Aussichten - Unsicherheiten dämpfen die wirtschaftliche Entwicklung

IHK zu Essen legt aktuellen Konjunkturbericht vor.

Die Unternehmen im Bezirk der Industrie- und Handelskammer zu Essen (IHK) berichten weiterhin von einer guten Geschäftslage. 39 Prozent der befragten Unternehmen in den Städten Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen bewerten ihre aktuelle Situation als gut. Damit geht die positive Einschätzung um fünf Prozentpunkte gegenüber dem Jahresbeginn zurück. 13 Prozent der befragten Betriebe beklagen eine schlechte Geschäftslage. Dieser Anteil stieg gegenüber der Vorbefragung um zwei Prozentpunkte an. 

Gleichwohl mehren sich die Zeichen, dass sich der konjunkturelle Verlauf in den kommenden Monaten eintrüben könnte. Bei den Erwartungen liegen nun die Pessimisten mit einem Saldo von fünf Punkten vorne: So erwarten 17 Prozent einen günstigeren Verlauf ihrer Geschäfte (Jahresbeginn: 26 Prozent); 22 befürchten eine Verschlechterung (Jahresbeginn: 11 Prozent). Damit erhält der Saldo zum ersten Mal seit Anfang 2013 wieder ein negatives Vorzeichen.

„Die Unternehmen blicken verhalten in die Zukunft. Die Spannungen zwischen den USA und China oder auch der immer noch ungeklärte Brexit drücken auf die Stimmung. Dennoch sehen wir Anzeichen, dass es nach einer kleinen Delle wieder aufwärts gehen kann“, erklärt stellv. IHK-Hauptgeschäftsführerin Veronika Lühl. Dazu zählt die IHK beispielsweise eine stabile Investitionsneigung oder die tendenziell positiven Beschäftigungsabsichten im IHK-Bezirk. 

Die skeptischere Erwartung der Betriebe spiegelt sich im Konjunkturklimaindex deutlich wider. Mit 110 Punkten gibt der Index spürbar nach und liegt 14 Punkte unter dem Wert vom Jahresbeginn. „Diese Entwicklung betrachten wir natürlich mit Sorge. Allerdings waren die Umfrageergebnisse in den vergangenen Jahren ausgesprochen gut. Wir nähern uns auf dem Weg langsam wieder dem Normalmaß. Wichtig ist, dass die Politik nun keine neuen Stolpersteine in den Weg legt und die Wirtschaft zum Taumeln bringt. Neue Regulierungen oder eine Erhöhung von Steuern und Abgaben sind die falschen Wegweiser“, betont Lühl. 

In den einzelnen Wirtschaftszweigen sieht es wie folgt aus: 
Die derzeitige Lage in der Industrie zeigt sich weiterhin erfreulich. Zwar können die Spitzenwerte der vier vorausgegangenen Befragungen nicht erzielt werden. Dennoch bewerten 41 Prozent ihre aktuelle Situation als gut. 16 Prozent melden eine unbefriedigende Lage. Der Saldo liegt mit 25 Prozent klar im positiven Bereich. Wermutstropfen: Die Auftragseingänge sowohl aus dem In- als auch dem Ausland sind deutlich zurückgegangen. Entsprechend blickt das verarbeitende Gewerbe mit Sorge auf die kommenden Monate. 

Die gegenwärtige Lage im Handel hat an Dynamik verloren: 36 Prozent der Kaufleute berichten von einer guten Lage. Der Anteil geht damit um sechs Prozentpunkte gegenüber dem Jahresbeginn zurück. Die Zahl der unzufriedenen Händler hat mit 14 Prozent um knapp vier Prozentpunkte zugenommen. 

Der Dienstleistungssektor ist der einzige, bei dem sowohl Lage als auch Aussichten im Saldo positiv gesehen werden. Zwar hat der Schwung ein wenig nachgelassen. Dennoch kann die Lage als erfreulich beschrieben werden. 40 Prozent vergeben das Prädikat gut, nur neun Prozent beklagen eine schlechte Situation. Der Saldo steht weiterhin mit 31 Punkten klar im Plus. Auch die Aussichten bleiben freundlich: 26 Prozent der befragten Dienstleister rechnen mit einer verbesserten Geschäftslage. Gleichzeitig hat allerdings der Anteil der Pessimisten um sieben Punkte auf nun 15 Prozent kräftig zugelegt. „Damit stützen die Dienstleister die wirtschaftliche Entwicklung in der Region ungemein“, so die stellv. IHK-Chefin. 


Die IHK zu Essen befragt gemeinsam mit den IHKs im Ruhrgebiet zweimal im Jahr die Unternehmen zu konjunkturellen und wirtschaftspolitischen Themen. Insgesamt fließen so die Rückmeldungen von rund 1.000 Unternehmen mit mehr als 110.000 Beschäftigten in den Ruhrlagebericht ein. Der gesamte Konjunkturbericht „Ruhrlage“ ist unter www.essen.ihk24.de abrufbar.